Montag, 18. Februar 2013

Spiel mir das das Lied vom Großkonzern

... der die kleinen Leute ausbeutet, könnte man einen exzellenten Artikel über den derzeitigen Amazon-Hype in allen staatlich alimentierten Medien (und allen Äußerungen unserer Politruks) zusammenfassen, den der bekannte Unvoreingenommenheits-Board Politplatschquatsch (© PPQ) dankenswerterweise publiziert hat. Aus diesem Artikel kann man nicht nur ermessen, wie weit nach links die CDU/CSU mittlerweile gerutscht ist (weitaus linker als Helmut Schmidt zur Zeit seiner Kanzlerschaft — nachher sowieso!), sondern auch das donnernde Schweigen der FDP vermerken zu dem Schwachsinn, der dem Mund Zensursulas (einer der wohl größten Quotentussen-Dummschwätzerinnen aller Zeiten!) entfleucht ...
Schreckliche Arbeitsbedingungen, Löhne, die nur 230 Prozent über denen liegen, die die Grünen ihren Mitarbeitern zahlen, dazu kostenlose Unterbringung in menschenverachtenden Gemeinschaftsunterkünften und täglicher kostenloser Transport zum Arbeitsplatz: Nach einem aufrüttelnden Fernsehbericht über das Internet-Versandhaus Amazon fragen sich immer mehr Kunden des amerikanischen Großkonzernes, ob es noch moralisch vertretbar ist, Bücher wie "Protest!: Wie ich die Welt verändern und dabei auch noch Spaß haben kann" weiterhin bei dem Unternehmen einzukaufen.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen glaubt es nicht. "Der Verdacht wiegt schwer, deswegen müssen jetzt so schnell wie möglich alle Fakten auf den Tisch", fordert sie in der "Welt am Sonntag". Sollte sich die Anklage als wahr herausstellen, die ein Team des gebührenpflichtigen Hessischen Rundfunk anhand der bewegenden Schicksale eines halben Dutzend Amazon-Beschäftiger verfertigt hatte, drohe sie der für Amazon tätigen Leiharbeitsfirma mit Lizenzentzug, so die mit scharfen Maßnahmen gegen das gesamte Internet bekanntgewordene Christdemokratin.

Die beiden vom HR über Projektverträge beschäftigten Journalisten Diana Löbl und Peter Onneken hatten zuvor in ihrem Film "Ausgeliefert" enthüllt, dass Amazon trotz der aktuell 2,84 Millionen Arbeitslosen hierzulande nicht genügend deutsche Mitarbeiter findet, die für einen Stundenlohn, der 70 Cent über der Mindestlohnforderung der SPD liegt, bereit sind, Bestellungen für den deutschen Markt zu verpacken. Amazon hatte daraufhin über die Zeitarbeitsfirma Mitarbeiter in Spanien und Osteuropa angeworben, die in der Nähe des Auslieferungszentrums Bad Hersfeld in einem Ferienpark untergebracht werden.
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Damit man LePenseur keine pro-Amazon-Voreingenommenheiten vorwirft: ich erstehe so gut wie überhaupt nichts dortselbst. Bücher bevorzuge ich beim Buchhändler meines Vertrauens zu kaufen bzw. zu bestellen, wenn sie nicht lagernd sind. Kostet dasselbe und ist normalerweise auch in 2-3 Tagen da. Und den Rest kaufe ich (wenn ich ihn kaufe) auch selten Online, sondern in Geschäften, wo man ggf. fachkundige Beratung bekommt. Kostet ein bisserl mehr — so what! Bevor ich mich dann später ärgere ...

Jedenfalls ist die künstliche Erregung über völlig selbstverständliche Dinge nur aus der nahenden Bundestagswahl zu erklären, wo unsere Systemparteien natürlich die um das Wohlergehen ihrer Untertanen besorgten Superglucken mimen müssen. Seltsam nur, daß ihnen das bspw. beim Durchwinken des ESM-»Rettungsschirmes« scheißegal war, obwohl der das ganzes Volk in den Ruin treiben könnte (und dürfte). Was ihre Glaubwürdigkeit in der jetzigen Verbalschlacht um Amazon nicht eben erhöht.

Moment, habe ich gerade was von Glaubwürdigkeit von Politikern geschrieben? Sorry, das kann nur ein Irrtum gewesen sein ...

1 Kommentar:

Friedrich hat gesagt…

"Moment, habe ich gerade was von Glaubwürdigkeit von Politikern geschrieben? Sorry, das kann nur ein Irrtum gewesen sein ..."

Lieber Denker solche Entgleisungen könnten Ihnen krumm genommen werden ;-)