von it's me
Der Besuch einer Universität war etwas in meiner Jugend, das man sich verdienen musste und nicht so inflationär geschenkt bekam wie heute, außerdem verliere ich den Überblick, was sich alles Universität nennen darf. (Definition für Universität, was heute keine Gültigkeit zu haben scheint: »Hochschule mit Promotionsrecht«) Zu meiner Zeit gab es die damaligen drei: in Wien, Graz und Innsbruck. Sie lehrten: Theologie, Jus, Medizin und die philosophischen und naturwissenschaftlichen Fächer. Daneben gab es die Technischen Hochschulen, die Tierärztliche, sowie die Hochschulen für Bodenkultur, Montanistik (in Leoben); sogar die heutige WU wurde damals nicht als Universität, sondern als »Hochschule für Welthandel« bezeichnet.
Jetzt darf sich, einer Gesetzesänderung entsprechend, jede Gelddruckmaschine, die irgendwelche Titel verkauft, Universität nennen, was ich als Beleidigung den ebenfalls so genannten, etablierten, gegen-über sehe.
Persönlich und berufsbedingt kenne ich natürlich Abgänger der verschiedendsten Bildungsstätten und will ich jetzt zwei Beispiele gegenüber stellen:
Nun kenne ich einen jungen Master of Science und (gottlob nicht persönlich) den Master of Science Nehammer. Zweiter hat sich ohne Diplomprüfung und ohne Bacchelaurat in vier Semestern diesen Titel in Krems gekauft, erster hat nach seinem Bac. seinen Master am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik mit Auszeichnung erarbeitet. Demselben Physiker hatte einmal eine Abgängerin einer FH mit dem „elitären“ Studium des Eventmanagements an einer FH gesagt, dass er jetzt auch Akademiker ist, wobei die Betonung auf „auch“ mMn eine Beleidigung darstellt (was mich mehr störte als den Betroffenen, der über solchen Dingen steht).
Denselben Titel kann man sich seit kurzer Zeit auch an der „Private Design University“ in der NÖ-Landeshauptstatt erkaufen. Ich weiß, dass der Markt nach dem Studium als Regulans eingreift und der Physiker sehr gutes Geld verdient, während viele Master des Eventmanagements als Barkeeper arbeiten, wozu dann diese Schwemme mit Pseudoakademikern?
Früher kam immer der Vorwurf, dass nur Kinder aus privilegierten Familien studieren können und das klassische Arbeiterkind nicht. Das stimmt nur bedingt, denn zu meiner Zeit war das Studium auch gratis, aber in den meisten Fällen ist der Beruf der Eltern entscheidend darüber, welche Richtung ein Kind nehmen wird. So werden, einer Studie entsprechend, die ich vor Jahren gehört habe, in 80% aller Fälle Kinder Akademiker, wenn zumindest ein Elternteil einen akademischen Abschluss hat.
Es wird diese Art der angeblichen Ungerechtigkeit nie auszumerzen sein, denn manche werden in Familien geboren, wo der Intellekt gepflegt wird, manche eben nicht. Genauso ist es, dass es Kinder aus wohlhabenden Familien gibt und andere nichts anderes kennen als die Notstandshilfe. Sollen jetzt die Wohlhabenden alles verschenken, um Hartz4 ansuchen, damit Gerechtigkeit herrscht?
Diese Art der angeblichen Ungerechtigkeiten und Privilegien hat auch die Grünen-Vorsitzende in Deutschland, Ricarda Lang einmal thematisiert und angeprangert, worauf ich mich fragte, ob sie es als Privileg sieht, in einem Land zu leben, wo man sich eine gesundheitsgefährdende Adipositas anfressen kann, was in Mali z.B. nicht möglich ist.
Kurz gesagt, manche haben das Glück, in wohlhabende, intellektuelle Familen geboren worden zu sein und andere das Pech haben, in Bangladesh unter einem Verschlag am Bahnhof zu hausen und von den Abfällen zu überleben trachten.
Aber zurück dazu, warum so viele studieren, die auf Grund ihrer Fähigkeiten vor einigen Jahrzehnten eine Universität maximal von außen oder im Rahmen einer Führung von innen gesehen hätten, aber sicherlich nicht als Studenten.
Dieses Problem beginnt bereits in den AHS, deren Niveau extrem unterschiedlich ist. Während der oben erwähnte Physiker, der gerade seinen PhD macht und ein Studienfreund, der ebenfalls seinen PhD an einer Eliteuniversität erarbeitet, beide ihre Gymnasien nur mit gutem Ergebnis absolvierten, kenne ich am Land eine HAK, deren Maturanten fast immer mit einem Notendurchschnitt von 1,0 ab-schließen, dennoch können sie nur gebrochen Englisch und andere Fremdsprachen, und der Rest ist ebenfalls Schweigen. Kein einziger studierte je an einer TU, das Maximun war für einige wenige die WU. Die meisten absolvieren eine FH für »Irgendwas«, jedenfalls nichts Wertschöpfendes.
Auf die Idee, das gerechter zu gestalten, kam ich im Rahmen einer Golfpartie auf einem fremden Platz und der Einführung des Slope-Systems für Golfplätze. Früher wurden Golfplätze z.B. als Par72-Plätze eingestuft, wenn sie eine gewisse Länge hatten. Mit der Einführung des Slope-Systems werden versch. andere Kriterien herangezogen, ob es sich um einen Parkkurs handelt mit Bäumen links und rechts vom Fairway oder um einen Platz, wo man nach einem Mega-Slice einfach von Nebenfairway weiterspielen kann und noch Par erreichen kann. In Wiener Neustadt habe ich einmal anlässlich eines Turniers einen Ball verzogen, konnte vom anderen Fairway weiterspielen und habe sogar ein Birdie gespielt. Dasselbe im Parkkurs im GC Schönborn – und man kann seinen Ball vergessen und mit 1 Strafschlag nochmals abschlagen. Auch ist es unterschiedlich, ob man einen flachen Platz wie Donnerskirchen spielt oder wie im Parkkurs Enzesfeld fast Steigeisen braucht, weil es rauf und runter geht.
Dasselbe gehörte für Schulen eingeführt: dieselben Fragen zur selben Zeit für vergleichbare Schulen und dann die Resultate vergleichen. Danach werden die Ergebnisse von Schulen, die nur „sehr gut“ verschenkt hatten, aber beim Standardtest schlechter abschnitten werden, um einen Faktor ins Minus gerückt. Sicherlich gibt es bessere Lösungen, aber es dürfte das Niveau schon schwerer werden, denn was spricht dafür, unbedingt etwas zu studieren des Studierens wegen, wenn es gleichzeitig einen Mangel an qualifizierten Handwerkern gibt.
Die krampfhaften Versuche, allen die Matura zu ermöglichen, scheitern dennoch. Früher wurden die Weichen für die Zukunft nach der Matura gestellt, heute, wo die Hochschulreife mehr oder weniger verschenkt wird, nach dem Studium. Während zu meiner Zeit Abgänger der Universität zur intellek-tuellen Elite zählten, dürfen sie heute z.B. nicht in Singapur arbeiten, wegen mangelnder Qualifikation und weil die österreichische Hauptuni oft aus den Top-200-Ranking fliegt. Ebenso bekommen Abgänger von FHs keine Arbeitserlaubnis in Singapur. Abgänger von Unis haben nur dann exzellente Chancen, wenn sie mehr können als die anderen, und das setzt voraus, noch einen Master an einer ausländischen Uni zu machen – meist mit Geld verbunden.
Jetzt zu meinem Beispiel: ich kenne eine junge Dame mit WU-Abschluss. Während ihre Kollegin – ebenfalls Mag. – in der Buchhaltung einer großen Firma arbeitet, ging die junge Dame mit der finanzielle Unterstützung des Elternhauses an die LSE, hat danach unentgeltlich im Ausland bei berühmten Finanzgurus gearbeitet und ist jetzt in einem Top-Job.
Zu meiner Zeit hätte die erstere nach der HAK ebenfalls als Buchhalterin bearbeitet – und die andere ohne LSE ebenfalls eine Spitzenposition erreicht. Trotz aller Versuche der Politik wird sich nichts ändern, außer dass viele Eltern viel Geld in die Hand nehmen müssen.
Das bringt mich zu der entscheidenden Frage: Cui bono?