Montag, 31. Oktober 2011

Nochmals in memoriam Manfred Gerlach

Aus Anlaß des Ablebens von Manfred Gerlach, dessen nicht völlig abschätzig zu gedenken mich vor einigen Tagen diverser Kritik meiner Leser aussetzte (was ich bei Ex-DDR-Bürgern durchaus nachvollziehen kann, aber nicht unbedingt teile), möchte ich auf ein ca. einstündiges Interview in der Serie »Zeugen des Jahrhunderts« hinweisen, das meines Erachtens sehr viel über die komplexe Lage eines »Mittätigen, aber zunehmend innerlich Entfremdeten« (so könnte man Manfred Gerlach wohl, wenigstens ab den späten 1970er-Jahren, charakterisieren) verrät.

In jedem Fall ist das, was aus der Perspektive der zweiten (oder dritten) Reihe geschildert wird, oft aufschlußreicher, als das »offizielle« Bild, das damals wie heute »von der Parteien Haß und Gunst verzerrt« in der Geschichte schwankt, bis es irgendwann, sobald die Siegerseite einigermaßen festzustehen scheint, kanonisiert und festgezurrt wird. Der Ex-ZDF-Journalist Dr. Werner Brüssau interviewt den Ex-Staatsratsvorsitzenden Prof. Dr. Manfred Gerlach mit erkennbar vorsichtiger, nicht voreingenommener Sympathie. Und genau so sollte meines Erachtens ein Zeitzeugeninterview auch sein, das den Zuseher nicht bloß informiert, sondern ihm auch Platz läßt für eigene Beurteilungen — kein Tribunal und keine Panegyrik ...



Das leichte (oder schwere? Ich bin da freilich kein Experte) »Sächseln« von Gerlach gibt dem auswärtigen Zuseher zugleich ein authetisches (also so circa »oudändisch« ausgesprochenes) Hörerlebnis der untergegangenen »Gänsefleischrepublik«, welches, wenigstens mir, durchaus Vergnügen bereitete, und mich erst so richtig einen Einfall des von mir hochgeschätzten Schriftstellers Herbert Rosendorfer, nämlich Wagners »Ring« als Sprech-Schauspiel in sächsisch gefärbter Aussprache auf die Bühne zu bringen, würdigen läßt.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Wowi dichtet

Beispielsweise ein Buch über Integration, Chancengleichheit und Toleranz. Und wo gedichtet wird, da fallen Phrasen. Wie z.B. folgende:
Hochkulturen entstanden immer dort, wo nicht Abschottung, sondern Miteinander gepflegt wurde. (...) Dahinter steht eine bis heute gültige Erkenntnis, dass Kooperation immer stärker ist als Konfrontation.
Gott sei Dank hat sein Ex-Kollege im Berliner Senat, Thilo Sarrazin, das Buch gelesen und rezensiert es in der ihm eigenen nüchtern-direkten Art, mit der er schon bei seiner letztjährigen Buchveröffentlichung für Begeisterungsstürme sorgte. Und seine Replik auf obige Passage liest sich in der letztwöchigen »Welt am Sonntag« dann so:
Letzteres könnte auch Papen zu General Schleicher am Vorabend des 30. Januar 1933 gesagt haben. Das antike Ägypten, das Römische Reich oder China entwickelten sich nur deshalb zu langlebigen Hochkulturen, weil sie durch gesicherte Grenzen Zuwanderung wirksam kontrollierten: In Ägypten waren das die Wüsten, im Römischen Reich der Limes und in China die Chinesische Mauer. Mit dem Weströmischen Reich hatte es ein Ende, als zuerst die Germanen und dann die Hunnen den Limes durchbrachen, so wie die "Einwanderung" der Türken nach Kleinasien dem Oströmischen Reich 800 Jahre später ein Ende setzte.

Den Gipfelpunkt seiner historischen Quacksalberei setzt Wowereit mit dem einzigen Satz seines Buches, der sich mit dem Islam auseinandersetzt: "Ja, es gibt extremistische Tendenzen bei Religionen, im Islam ebenso wie bei Protestanten und Katholiken." (S. 158) Wie viele Attentate von Katholiken gab es denn bisher unter der Amtszeit von Papst Benedikt? Und welche extremistischen Tendenzen hat Klaus Wowereit in der Evangelischen Kirche Deutschlands unter dem braven Präses Schneider entdeckt? So schreibt einer, der sich drückt, indem er die Augen fest verschließt.
Das nenne ich mir ein offenes Wort! Auch über das Schweigen Wowereits zu Bildungsdefiziten von Einwanderern aus dem islamischen Kulturkreis, und überhaupt die bedrohliche Tendenz zur Einwanderung in deutsche Sozialnetze, weiß Sarrazin klare Aussagen zu treffen — und hebt sich solcherart höchst positiv vom wolkigen Herumgerede Wowereits ab, dessen Buch er wie folgt zusammenfaßt:
Klaus Wowereit hat eine Schönwetter-Mutmach-Fibel geschrieben. Zu hoffen bleibt nur, dass der geistige Anspruch des Regierenden Bürgermeisters weiter reicht, als sein Buch erkennen lässt.
Die Hoffnung ist, wie man weiß, eine der vor den natürlichen Kardinaltugenden (der Klugheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Tapferkeit) ausgezeichneten »theologischen« (auch: »göttlichen«) Tugenden. Inwiefern diese im Falle des Berliner Bürgermeisters allerdings angegebracht ist, dürfte angesichts seiner bisherigen Leistungen in der Amtsführung wenigstens fraglich zu sein ...

Fuck se Energiesparlampe

Der Titel spricht eigentlich für sich. Für Nichtwiener, insbesondere für solche nördlich des Weißwurstäquators, wäre eine Version mit deutschen Untertiteln vielleicht hilfreich — aber intelligente Menschen (und wohl nur solche pflegen sich auf diesen Blog zu verirren) wissen den Text wenigstens in confuso zu verstehen. Und was hier mit völlig authentischem Einsatz von viel »Meidlinger E(d)l«*) dargeboten wird, ist halt waschechtes Wiener Vorstadtgefühl:



(Herzlicher Dank ergeht an Antibürokratieteam)

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*) das ist jener aus slawischen Sprachen bekannte »l«-Laut, der offenbar durch die tschechischen Zuwanderer um 1900 (die sogenannten »Ziegelböhm'«, da viele in Ziegelfabriken arbeiteten) ins Wienerische einsickerte, und seither ein zwar von Sprachpuristen gehaßter, jedoch nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Wiener Slangs geworden ist.

Samstag, 29. Oktober 2011

Leider einen Tag zu spät

... (doch besser zu spät als nie) bin ich über einen Blog — fast hätte ich gesagt: gestolpert, aber das klingt denn doch zu despektierlich — also nochmals von vorne: bin ich eines Blogs gewahr geworden, der sich irgendwie mit ganz anderen, aber höchst ansprechenden Dingen (manche werden wohl sagen: ansprechenderen!) beschäftigt, als der meine — und dies noch dazu in einer unaufdringlich gepflegten Universalbildung, daß unsereins nur bewundernd dasitzt, und sich denkt: ach wäre ich doch statt in die Juristerei und Wirtschaft unter die Universitätsprofessoren gegangen, dann könnte ich vielleicht auch so ...

Doch kurz die Hand aufs Herz gelegt: was wissen Sie über die Fürsten von Recklinghausen? Die als »Herzöge von Arenberg« vielleicht um eine Spur bekannter sind, aber den heutigen Zeitgenossen wohl auch nicht wirklich etwas sagen — und von denen einer, näherhin ein Prosper Ludwig, Herzog von Arenberg, Aarschot und Meppen etc. etc., genau gestern vor zweihundert Jahren, also am 28. Oktober 1811, in einem Gefecht der Napoleonischen Kriege in Spanien verwundet und von den Briten gefangengenommen wurde. Klingt nicht so wirklich interessant? Aber doch — wenn es so dargestellt wird, wie in besagtem Blog, über den ich gestern, ... ach was! Sie wissen schon, wie ich's meine ...

Freitag, 28. Oktober 2011

Angelocchio, oder: die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit


Merkel: Kein Schuldenschnitt Griechenlands
Bundeskanzlerin Angela Merkel wird von ihrem griechischen Kollegen Giorgos Papandreou einen noch energischeren Sparkurs und mehr Reformen fordern. Ein Schuldenschnitt Griechenlands kommt für sie nicht in Frage.


(Kleine Zeitung, 25.9.2011)

Offen gesagt: verarschen können wir uns auch selber — dazu brauchen wir weder Kommissare der EUdSSR noch Politkriminelle auf staatlicher Ebene. Gegen diese organisierte Ausplünderung der Bürger sind Schutzgelderpressungen der örtlichen Mafia-Clans geradezu wohlfeil zu nennen ...

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Das Paralleluniversum

... des von mir sonst geschätzten Kollegen »Zettel« ist in der Tat voller Überraschungen. Wer hätte gedacht, daß jemand ganz ernsthaft folgende zwei Sätze hinschreiben kann, ohne daß ihm die Tastatur versagt:
Die Kanzlerin tut mit Kompetenz und Standfestigkeit das, was sie tun kann, um ihrem Amtseid gerecht zu werden. Sie hat dafür Anerkennung verdient.
Nun, wie lautet denn besagter Amtseid des deutschen Bundeskanzlers (Art. 56 i.V.m. Art. 64 GG)?
Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.
Da ich Kollegen Zettel nicht für einen zynischen Witzereißer halte, frage ich mich angesichts der Aktionen zur nachhaltigen Ruinierung der Wirtschaft und Bevölkerung Deutschlands und zur Verletzung expliziter EU-Vertraginhalte, die die Frau Bundeskanzler da so geliefert hat in den letzten Tagen, Wochen und Monaten:

In welchem Paralleluniversum lebt Zettel ...?

Wofür also nach Zettels Weltsicht die Frau Bundeskanzler Anerkennung verdient, das faßt das »BankhausRott & Frank Meyer« in dem Statement zusammen:
Eigentlich warten wir noch auf den Ruf „wenn wir uns immer an das Recht halten, scheitert Europa“. (Hier weiterlesen)
Mit welcher Unverfrorenheit derzeit an Konstrukten gebastelt wird, die — auf den Mikro- bis Nanobereich heruntergebrochen — jeden mittelständischen Unternehmer wegen schweren Kreditbetrugs, Konkursverschleppung & Co. auf viele Jahre hinter Gitter bringen würden, ist fast unvorstellbar!

Wenn der Frau Bundeskanzler also Anerkennung nicht versagt werden kann, dann vielleicht für ihr gleichbleibend sauertöpfisches Pokerface, hinter dem sie die kriminellen Machenschaften dieser organisierten Bandenkriminalität, die sich da Regierung schimpft, zu verbergen weiß. So schauspielern zu können, ist ja schließlich auch eine Fähigkeit! Eine, die jedem Hütchenspieler auf levantinischen Strandpromenaden zur Ehre gereichen würde — nur daß der dafür keinen Amtseid ablegen muß ...

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Und gleich noch was vom Morgenländer

Nämlich seine Gedanken zum Thema »Konservativ heute«. Absolut lesens- und bedenkenswert!

Auch wenn es vielen »150%-libertären« Geistern gegen den Strich geht: Libertarismus und Konservativismus benötigen einander!

Der Konservative bedarf der heilsamen Zuchtrute des Libertären, um nicht in bigotter Indolenz und pseudo-elitärem Standes- und Klassendünkel zu erstarren — doch der Libertäre bedarf ebenso sehr des geistigen Fundaments der Tradition und der gewachsenen Weltanschauung, um nicht im inhaltslosen Wolkenkuckucksheim beliebiger Freiheiten zu landen. Oder mit anderen Worten: der Libertäre kann uns zwar sagen, daß wir Freiheit haben sollten — nur leider nicht: wozu.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Die Marx-Lektüre eines Geistlichen

... findet sich in Morgenländers Notizbuch. Lesenswert — wenngleich zu befürchten ist, daß gerade die, die's lesen sollten, es nicht werden ...

Sogar dem Spiegel dämmert es:

Islamisten haben die ersten freien Wahlen Tunesiens gewonnen, in Libyen will der Übergangsrat die Scharia einführen. Westliche Diplomaten warnen vor einer Radikalisierung Nordafrikas, Liberale fürchten Kopftuchzwang und Alkoholverbot. Den Arabischen Frühling hatten sich viele anders vorgestellt.

Ich — nicht ...

Welche Reife vermittelt die Reifeprüfung eigentlich?

Die Hochschulreife schon (sofern man einen etwaigen Aufnahmetest besteht) — aber nicht die Reife, zu entscheiden, ob und wieviel Alkohol man konsumieren will?
Klage wegen Alkoholwerbung für Maturareisen
Rum und Wodka rund um die Uhr - mit solchen Versprechen locken Veranstalter von Maturareisen ihre jugendliche Klientel. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) will den Alk-Auswüchsen einen Riegel vorschrieben und zitiert nun nach dem Event-Unternehmen DocLX auch dessen Konkurrenten Splashline vor Gericht.
(Hier weiterlesen)
Aha. Zum Schnackseln sind die Jugendlichen also schon Jahre vorher reif genug (und bekommen etwaig nötige Ezzes dafür im Sexualkundeunterricht vermittelt), auch über die Politik unseres Landes dürfen sie im zarten Alter von Sechzehn bei Wahlen mitbestimmen. Sie dürfen Mopeds fahren und werden (mit Einschränkungen) sogar mit Autos auf die Menschheit losgelassen. Aber bei der Maturareise einmal richtig abfeiern? Nein, dazu sind sie viiiiiel zu unreif!
"Die großen Maturareise-Veranstalter scheinen sich damit übertrumpfen zu wollen, wer ein Mehr an harten Alkoholika zu bieten hat", empörte sich Peter Kolba, Leiter des Bereiches Recht im VKI. Harte Getränke seien "zu Recht in vielen Bundesländern für Jugendliche verboten. Ebenso wie es für Radio und Fernsehen Werbebeschränkungen gibt und man damit, so das Schulunterrichtsgesetz, an Schulen keine Werbung treiben darf". Es gehe nicht darum, "Jugendliche um ihren Spaß an der Maturareise zu bringen, sondern wir bekämpfen aggressive Werbemethoden, die vermeintlich vorgeben, was Spaß zu machen hat", betonte Kolba.
Nanny Fein läßt grüßen. Vielleicht sollten Herr Kolba und sein VKI-Team auf Maturareisen mitfahren, um durch spannende Vorträge über Leberschädigungen durch Alkoholgenuß, sowie den Glanz ihres leuchtenden guten Beispiels, beim Genuß von stillem Mineralwasser (ohne jeden die Klimabilanz verschlechternden CO2-Ausstoß!) vorzugeben, was Spaß macht. Vielleicht sollte aber besagter Herr Kolba auch einfach darüber nachdenken, ob er selbst jemals jung gewesen ist. Was angesichts seines bis ins Krawattenmuster seriösen Aussehens, gelinde gesagt, fraglich scheint ...

Montag, 24. Oktober 2011

Der arabische Frühling grünt ...

... blutrot. In Libyen wurde gestern angekündigt, daß die Scharia als Rechtsgrundlage dienen wird. In Tunesien werden die gestrigen Wahlen wohl zum selben Ergebnis führen. In Ägypten werden die ansässigen Kopten bedrängt, eingeschüchtert und in Progromen massakriert.

Was blieb denn von den schönen Bilder von der freiheitsliebenden Internet-Generation, die den arabischen Ländern Demokratie und Menschenrechte bringen will? In Wahrheit wurden einfach korrupte und verrückte Diktatoren durch die noch weit üblere Diktatur des Islam ersetzt. Mit einer »Rechtsordnung«, die diversen Führerbefehlen oder Stalin'schen Dekreten an Grausamkeit nicht nachsteht ...

Sonntag, 23. Oktober 2011

Der letzte DDR-Staatsratsvorsitzende

Prof. Dr. Manfred Gerlach ist am 17. Oktober 2011 im 84. Lebensjahr nach langer, schwerer Krankheit verstorben. »Der Spiegel« bringt eine leicht überarbeitete dpa-Meldung, die trotz ihrer Kürze manches Wesentliche erwähnt, und wegen ihrer Kürze viel Wesentliches verschweigt. Und einige (bewußte?) Desinformationen enthält — beispielsweise die, er hätte diesen Posten »bereits nach der ersten freien Wahl zur Volkskammer im März 1990 wieder räumen« müssen. Auch »Der Spiegel« verfügt wohl über ein Pressearchiv, und dort wäre unschwer nachzulesen gewesen, daß Gerlach ab der Übernahme des Vorsitzes im Dezember 1989 wiederholt erklärt hatte, daß er nur bis zu den ersten freien Wahlen für diesen Posten zur Verfügung stehe. Also von »räumen müssen« keine Rede. Auch die Darstellung
Zu DDR-Zeiten hatte der studierte Jurist stets betont, die LDPD wirke "ohne Wenn und Aber" für den Sozialismus. Im September 1989 war Gerlach dann aber der erste Spitzenpolitiker der die führende Rolle der SED in der DDR in Frage stellte. Damit versuchte er, sich als Reformpolitiker zu profilieren.
ist, gelinde ausgedrückt, an der Grenze zum Rufmord. Manfred Gerlach war zwar sicher kein Held oder gar Märtyrer des DDR-Widerstandes — aber ihn posthum zum Prototyp des Wendehalses zu machen, ist ebenso mies wie dokumentarisch widerlegbar. Vielmehr versuchte Gerlach schon Jahre vor 1989 — als die politischen »Eliten« der BRD noch quer über die Parteigrenzen hinweg Honecker den roten Teppich ausrollten — , eine an Gorbatschows »Perestroika« anknüpfende Umwandlung der politischen Verhältnisse in der DDR zu lancieren. Nur seltsamerweise: Gorbatschow pinkelt in Deutschland und seinen Medien kaum einer ans Bein ...

Seine 1991 erschienenen Erinnerungen »Mitverantwortlich. Als Liberaler im SED-Staat« sind eine, bei aller Vorsicht (die bei Autobiographien stets angebracht ist) mit Erkenntnisgewinn zu lesende Lektüre. Und wohl eine, die manch anderem, der — oder, und ganz speziell: die! — heute in Deutschland politisch das Sagen hat, weit eher den berechtigten Vorwurf der Wendehalsigkeit einträgt.

Gerlach als »liberal« zu bezeichnen, geht nur aus einem spezifischen Vor- und Fehlverständnis von Liberalität als Linksliberalismus, man könnte auch sagen: Liberalsozialismus. Aber auch damit stünde Gerlach damals wie heute nicht alleine. Leider. So fragwürdig aber auch seine Definition von Liberalismus sein mag, und so wenig er in der Lage war, selbst diese gegen die Machthaber der DDR (zu denen er wohl nicht, oder höchstens ganz am Rande, gehörte) durchzusetzen: man wird ihm konzedieren müssen, mit seinen Wortmeldungen vor und hinter den Kulissen mehr getan und gewagt zu haben, als viele, die sich damals aus einer sicheren Position in der BRD lieber mit dem SED-Apparat arrangierten, als »lästig« zu sein. Von jenen, die vom Stasispitzel zum überzeugten Demokraten mutierten, ganz abgesehen.

Daß er nach der Wende einer völligen damnatio memoriæ verfiel, hat ihn sicherlich, und zu Recht, gekränkt — und wohl dazu beigetragen, daß er sich von der FDP, in der die LDPD 1990 aufgegangen war, gedanklich immer mehr entfremdete, bis hin zu seinem Austritt im Jahr 1993. Ist es angesichts verschiedener Verdächtigungen und (sämtlich ohne Verurteilung eingestellter) Prozesse verwunderlich, daß er im höheren Alter dann immer mehr einer »DDR-Nostalgie« huldigte und im »Alternativen Geschichtsforum Berlin« eine andere als die offiziell kanonisierte Geschichte der DDR festhalten wollte?

Politik ist ein im nachhinein stets unbedanktes Geschäft. Wer — aus welchen Gründen immer — aus ihr verstoßen wurde, wird es mit Bitterkeit verspüren. Denn wie der einstige österreichische Wirtschaftsminister Robert Graf einmal zynisch bemerkte: »Wer in der Politik einen Freund sucht, sollte sich einen Hund halten«.

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P.S.: Wer wissen will, was eine adäquate Berichterstattung gewesen wäre, sollte den kurzen, aber informativen Nachrauf in der »New York Times« lesen. Ist es nicht beschämend, daß es eine New Yorker Zeitung ist, die ihre Leser über einen in Amerika längst vergessenen DDR-Politiker auf eine Weise informiert, zu der die angeblichen Qualitätsmedien in Deutschland wie »Spiegel« oder »Welt« entweder nicht fähig, oder nicht willens waren?

Samstag, 22. Oktober 2011

»Wie weiland Farkas und Waldbrunn ...

... lesen Stermann und Grissemann ohne allzu strenge Qualitätskontrolle jede Pointe auf, die in der weiteren Umgebung herumliegt. Und auch sie spielen virtuos mit den Kunstfiguren, die sie aus sich gemacht haben. Bei ihnen ist halt nicht einer der G'scheite und einer der Blöde, sondern einer (Grissemann) der Depressive und einer (Stermann) der Gefestigte. Einer der Sympathische und einer der wirklich Liebenswerte. Einer der Tiefe mit Flachheit und einer der Flache mit Tiefgang. Einer der George McCartney und einer der Ringo Lennon, alles klar?«

Meint »Die Presse«. Naja. Wenn man die zwei gesehen hat, neigt man eher dazu »Wo ist der Sniper, wenn man ihn braucht!« zu rufen. Und läßt es dann doch bleiben, weil Stermann & Grissemann diesfalls mit Klagen drohen (wegen des Urheberrechts oder wegen der gefährlichen Drohung bzw. Gutheißung einer Straftat — wer weiß es bzw. wer will es wissen?). Für manche Hominiden ist doch jede Kugel zu schade — und erst zwei, das wäre bereits im Bereich der Verschwendung anzusiedeln!

»Net amal ignorieren« sagt der Wiener dazu — und daran wird sich LePenseur bei solcherlei Schülerkabarettabenden in Zukunft wieder halten. Auch und gerade wenn diese Schüler (wie »Die Presse« so freundlich schreibt) mittlerweile »... Entertainer in dem Alter, das man das beste nennt,« sind. Und einen von Österreichs selbsternanntem Qualitätsmedium mehrfach gelobten guten, einfärbigen Hemdengeschmack beweisen.

Kleider machen Leute, sagt man. Doch manchmal eben nicht einmal das.

Doch nun zu etwas ganz anderem ...

Die — wenngleich durch die Erziehung ihrer Eltern zum Sozialismus fehlgeleitete — durchaus wohlansehnliche britische Schauspielerin Saffron Burrows feiert heute ihren Geburtstag (welchen, wird nicht verraten). Ob ihre politische Desorientierung Einfluß auf ihre sexuelle Orientierung hat, soll hier gleichfalls nicht erörtert werden. Wie auch immer: an ihrem Hemdengeschmack ist (obwohl nicht einfärbig) nicht das geringste auszusetzen. Und an ihrer Pistolenführung, wie man sieht, ebensowenig:


Womit sich natürlich die Frage erhebt: »Wo ist Saffron Burrows, wenn man ...«

Freitag, 21. Oktober 2011

Blüh im Glanze dieses Glückes / blühe, libysch' Vaterland!

Die bekannte französische Tageszeitung »Le Figaro« ergeht sich in der jubeljournalistischen Köngisdisziplin des panegyrischen Kaffeesudlesens:
In Afrika und im Nahen Osten war Gaddafi der vollendete Vertreter eines gewalttätigen und korrupten Despoten, dem alle Mittel recht waren, um seine Nachbarn und diejenigen zu destabilisieren, die sich seinen bizarren Vorstellungen widersetzten. Manche hätten den Herrscher des Terrors gern vor Gericht gesehen. Möge sein ruhmloses Ende als Lehre dienen. Dem arabischen Frühling geht zur Zeit die Luft aus. Die Gewalt gegen Kopten in Ägypten, der mögliche Sieg der Islamisten bei den Wahlen in Tunesien am Sonntag und die blutige Unterdrückung in Syrien sind keine guten Zeichen. Die Libyer sind jetzt von Gaddafi erlöst und bilden die Vorhut der regionalen Emanzipation. Möge ihnen der Aufbau eines neuen Libyens gelingen. (Quelle)
Wie schön doch, daß wir nicht von korrupten Despoten wie Gaddafi regiert werden, sondern die Korruption sich ganz ohne Despotie auf das Kaufen der Zeitungsberichterstattung durch Verkehrsminister (und deshalb spätere Bundeskanzler) beschränkt. Und auf die Besetzung von 90% der Pöstchen in den öffentlich-rechtlichen Medien. Und auf ein paar Milliönchen, die an diese und jene Partei abfallen — quasi als süße Krümel vom reich gedeckten Tisch unserer Demokratie — , wenn wieder einmal Abfangjäger angeschafft oder Staatsimmobilien verkauft werden sollen. Und gewalttätig sind unsere p.t. Politiker natürlich auch nicht, wo denkt man hin! Kaum erwähnenswert, daß sie ohne gültige Rechtsgrundlage Libyen überfallen, oder Afghanistan zerbomben, oder den Irak, oder sonst ein Land, in welchen die Segnungen unseres politischen Systems noch nicht implementiert wurden. Da geht es natürlich nicht um Gewalttätigkeit, sondern um die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch ...

Und bizarre Vorstellungen hatte eben auch nur dieser gewalttätige und korrupte Despot in Libyen — jedoch niemals unsere Politiker, die vielmehr stets vom gesunden Menschenverstand ausgehend, Billionen-Rettungsschirme zur Finanzierung von Pleitebanken basteln, oder das Heil der Menschheit in der Durchgenderung aller Lebensbereiche erblicken.

Vor bekannt unparteiischen Gerichten hätte man gerne den Herrscher des Terrors gesehen — dumm nur, daß die USA die Gerichtsbarkeit des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag nicht anerkennen, weshalb die Hintermänner der Terroristen leider, leider nicht belangt werden können.

Aber Hauptsache: die Libyer sind von Gaddafi erlöst und bilden die Vorhut der regionalen Emanzipation. Unter der behutsamen Leitung französischer und britischer Truppen und Berater werden sie sich von ihrer Eigenstaatlichkeit emanzipieren und ein neues Libyen aufbauen, zu dessen Gelingen wir ihnen doch nur das Allerbeste wünschen wollen: möge es doch friedlich wie Afghanistan werden, tolerant wie Ägypten oder Saudiarabien, wirtschaftlich boomend wie der Sudan, einig und stark wie der Irak! Das alles werden sie bekommen, dank der Segnungen französisch-britischer Beratung und Anleitung. Und ein Zentralbanksystem nach westlichem Muster noch dazu, damit auch die Libyer bald mit DKT-Scheinchen spielen dürfen.

Ja, möge ihnen damit der Aufbau eines neuen Libyens gelingen! Dann hätten wir nämlich in Libyen ein Vorbild, an dem wir unsere Hoffnung aufrichten könnten: »Damit das Mögliche entsteht, muß immer wieder das Unmögliche versucht werden«, schrieb schon Hermann Hesse. Und aus dem Unmöglichen, das wir gerade versuchen, wird alles Mögliche entstehen — das wollen wir doch unbesehen glauben ...

Donnerstag, 20. Oktober 2011

EU erwägt Rating-Verbot für Schuldenkrisen-Länder

... und mancher Dönerbuden-Besitzer erwägt ein Durchfall-Verbot für Gäste. Das Problem dabei ist bloß: beides wird so nicht wirklich durchzusetzen sein ...
Ein Verbot könne verhindern, dass ein Rating in einem "unangebrachten Moment" kommt, "mit negativen Folgen für die Finanzstabilität des Staates und möglichen destabilisierenden Effekten auf die Weltwirtschaft", heißt es im Entwurf. (Die Presse)
Ein entlarvendes Eingeständnis, das im Klartext nicht anderes heißt als: »Natürlich wissen wir, daß (fast) alle Staaten längst bankrott sind, aber man spricht halt nicht darüber ...«

Political correctness also nicht bloß dahingehend, daß die Frage verboten ist, warum Nobelpreise so selten an anatolischstämmige Schnauzer- bzw. Kopftuch-TrägerInnen (wir wollen doch nicht sexistisch diskriminieren! Nie auf's Binnen-I vergessen, macht Weiblichkeit sichtbar!) gehen, sondern auch die, ob griechische Staatsanleihen als Untertapezierung geeignet sind, oder ob sie wegen ihrer Weichheit auch als Klopapier einsetzbar sind. Poster »Bärenfalle« bringt die Unsinnigkeit dieser Vorstellungen von EU-Binnenmarktkommissar Barnier auf den Punkt:
Yeah, immer wenn man denkt..
die können nicht noch dümmer sein ... setzt Brüssel noch einen drauf.

Jetzt haben wir also exemplarisch einen Fondsmanager der einen riesigen Altersvorsorgefonds verwaltet, Milliarden an Kundeneinlagen. Der darf, das steht im Vertrag, gar keine Staatsanleihen besitzen welche unter einem gewissem Rating liegen um die Einlagen seiner Kunden zu schützen.

Und jetzt will Brüssel die Verlautbarung von Ratings verbieten. Was wird unser milliardenschwerer Verwalter machen ?
- Weiterhin Staatsanleihen halten von denen er zumindest"offiziell" gar nicht wissen darf wie sie bewertet werden und damit sowohl seinen Posten als auch seine Boni riskieren ?
- Die Anleihen verkaufen und die Gelder anderswo, auf transparenteren Märkten anlegen ?

Oder vereinfacht dargestellt:

A: "Geh bitte, leih mir einen Hunderter"
B: "Kannst du den auch zurückzahlen ?"
A: "Niemand, auch ich nicht, darf dir das sagen"

Na ... da wer leiht den Hunderter her ?
Monsieur Barnier!

Sie sind ja, wenn man Wikipedia glauben darf, ein Mann vieler Talente: Sie waren Umwelt-, Europa-, Landwirtschafts-, Fischerei- und Außenminister, sowie unter Genossen Prodi Volkskommissar für Regionalpolitik und institutionelle Reformen der EUdSSR. Sie veranstalteten den Europakonvent und wollten Europa eine Verfassung verpassen, die Europas Verfassung zwar nicht verbessert hätte, doch dafür die Zustimmung überall dort verpaßte, wo die Bevölkerung befragt wurde.

Monsieur Barnier: eigentlich sollten Sie mittlerweile begriffen haben, daß Wunschdenken nicht schon Wunscherfüllung bedeutet — eine Lektion, die andere Menschen im zarten Kindesalter schon irgendwann zu Weihnachten oder beim Geburtstag gelernt haben — Sie offenbar noch immer nicht, obwohl jenseits des 60. Geburtstages bereits im biblischen Greisenalter stehend. Dennoch, glauben Sie mir: es wird nicht funktionieren, Fieber durch das zeitweilige Verstecken des Thermometers kurieren zu wollen.

Ober halten Sie alle Marktteilnehmer für komplette Idioten? Dann freilich lassen Sie sich gesagt sein: der Schluß von sich auf andere ist nicht immer zulässig ...

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P.S.: PPQ bringt's wie gewohnt auf den Punkt: »Krebs geheilt: EU verbietet Negativ-Diagnosen«

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Nette Graphik, irgendwie ...

Im Odenwald und am Wilhelminenberg und in der EU-Grünfranktion

... gelten halt andere Gesetze. Wenigstens für unsere linken Systemmedien. Man stelle sich vor, ein Bischof oder ein bürgerlicher Politiker hätte in einem biographischem Buch erwähnt, daß er in seiner früheren Tätigkeit in einem Kindergarten sich von Kindern in den Hosenschlitz hätte greifen lassen.

Man stelle sich vor, in einem kirchliches Kinder- und Jugendheim wären reihenweise Mädchen vergewaltigt und zu Bordell- und Sklavendiensten herangezogen worden. Inklusive von ein paar Toten, die bei Züchtigungen auf der Strecke blieben.

Man stelle sich vor, Internatsjungen wären von Erziehern und Lehrern einer katholischen Privatschule zu homosexuellen Wochenenddiensten für besonders wertgeschätzte Gäste eingeteilt worden.

Der Aufschrei der linken Systemmedien, die — wie beispielsweise der ORF — sich geschätzte zwanzig Mal an prominentester Stelle der Nachrichtensendungen über schreckliche Mißbrauchsskandale in der Römisch-Katholischen Kirche ereiferte (und interessanterweise nur über diese, ähnliche Vorfälle z.B. im islamischen Bereich gerieten blitzartig in Vergessenheit) — der Aufschrei wäre wohl markerschütternd gewesen!

Doch so? Wo es die Parteigänger und ideologischen Verbündeten unserer Meinungsmacher betrifft, herrscht dröhnendes Schweigen. Im Odenwald ist Ruhe eingekehrt, der Wilhelminenberg soll von einer Historikerkommission (deren Ergebnissen man selbstmurmelnd nicht vorgreifen will!) beackert werden, die irgendwann, wenn viel Gras über die Sache gewachsen ist, ein ebenso dickleibiges wie aussagelosen Dokument herausgeben wird, und der Ex-Kindergärtner darf als Grünen-Chef im EU-Parlament weiterwirken.

Für derart offensichtlich einseitig berichtende Medien ist die Bezeichnung »Sau-Bagage« wohl noch zu milde ...

Dienstag, 18. Oktober 2011

Mitgliederversammlung 2011


... des »European Dead Horse Riding Club«

ELA? — OLÁ?! — OLÀLÀ!!

Frank »BankhausRott« Meyer's — im bankhäuslichen Textfriedhof etwas untergehende — Anmerkungen zum neuesten Kreditbetrugsmodell unserer p.t. Zentral- & Notenbankster sollen unseren geneigten Lesern nicht vorenthalten werden:
Manche werden vermuten, es handelt sich bei ELA um ein Wortstück von h-ELA-u! Wir kommen der Sache schon näher. ELA steht aber für „Emergency Liquidity Assistance“ bzw. Geld, erzeugt in nationalen Notenbanken und abseits der EZB. Nachdem sich Ihre Zunge bei diesem umher stolpernden Begriff etwas verknotet haben dürfte, lösen wir das Knäuel wieder auf…

Im Grunde genommen geht es bei ELA wieder um Konkursverschleppung bei Banken. Sie brauchen Liquidität und jemanden, der sie damit versorgt. Bleibt der Stoff aus, und an den Finanzmärkten haben sie ihren Kredit längst verspielt, käme es zu Randale. Auch der Weg über die EZB ist für Banken inzwischen etwas schwierig geworden. Wo es keine Sicherheiten gibt oder nur welche, die selbst suspekt geworden sind, gibt es Probleme. Noch akzeptiert die EZB keine Kaffeetassen und Socken als Sicherheit, was zukünftig nicht auszuschließen ist.
(Hier weiterlesen)
Das Geschäftsmodell muß man sich doch glatt auf der Zunge zergehen lassen: bankrotte Banken erhalten aus der hohlen Hand gezogenes Geld von den jeweiligen Zentralbanken, die diese — wirtschaftlich weitgehend wertlosen — Forderungen dann als »other assets« (d.h.: »sonstige Vermögenswerte«) in ihre Bilanzen aufnehmen. Wenn Sie und ich das machen, dann verknackt uns der Strafrichter, und zwar heftig! — Sie wegen Kreditbetrug und mich wegen Bilanzfälschung und Konkursverschleppung.

Wundert sich eigentlich noch wer, wenn die Leute von Bankern (insbesondere Zentralbankern) keine allzu hohe Meinung mehr haben? Schade nur, daß mangels wirtschaftlichen Wissens dieser Unmut von sozialistisch-etatistischen Politikern jeder Couleur (d.h. also: praktisch von allen Politikern) instrumentalisiert wird, um ihr Betrugskartell noch sicherer zu machen: für die Betrüger, natürlich! — wer schert sich schon um die Betrogenen ...

Und so kämpfen neben den handelsüblichen Links-Chaoten von Attac, die ja bei keiner Randale fehlen dürfen, auch durchaus honorige Bürger ohne Durchblick unter dem falschen Banner: für die Reglementierung der Banken! Gegen die Gier der Märkte! Statt aufzutreten für die Abschaffung der Betrugsregelwerke (wie Basel II, III etc.), die den Staaten billige Verschuldungsmöglichkeiten eröffnet, um am Rücken kommender Generationen es jetzt, bis zur Wiederwahl, noch mal so richtig krachen zu lassen, wollen sie mehr Kontrolle seitens der Politiker! Da könnte ja die Äbtissin von Nonnberg genausogut einen Zuhälter mit der Überwachung der Klosterpforte betrauen ...

Montag, 17. Oktober 2011

»Gier frißt Hirn«

... das ist eine alte Volksweisheit. Jahrelang hat man uns weismachen wollen, daß Staatsschulden für heute verpraßtes Geld in Wahrheit ohnedies nicht so schlimm sind, weil sie durch die Produktivitätssteigerungen der Zukunft ohnehin mehr als ausgeglichen würden. Oder daß man an der Börse nachhaltig und ohne nennenswerter Risiko 10% jährlich gewinnen kann. Daß eine negative Handelsbilanz kein Problem ist. Daß der Konsum die Wirtschaft belebt.

Jetzt platzt die Blase halt — und vermutlich endgültig. Und nach all den Jahren hirnfressender Gier ist bei den meisten schlicht und einfach kein Hirn mehr übriggeblieben, um zu erkennen, warum sie platzen mußte. Bevor man darüber nachdenkt, ob nicht vielleicht die Erwartung in Pensionsfonds, die einem den genußvollen Lebensabend — am besten schon am Nachmittag des Lebens — finanzieren sollten, ein klein bisserl zu hoch gegriffen war, »okkupiert« man lieber die Wallstreet oder Frankfurt. Und die Banken, die Banken sind eh alles Gauner ...

LePenseur ist wohl der Letzte, der die mit der Politik und dem »Big Business« in einem höchst unheilvollen Betrugsdreieck kungelnden Bankster in Schutz nehmen wollte. Aber: daß die Situation jetzt so final ernst geworden ist, »verdanken« wir weniger den Banken, sondern v.a. Politikern, die um ihrer Popularität willen Wählerbestechung im größten Stil betrieben. Mit ungedeckten Schecks auf die Zukunft. Die Banken waren dabei die — zugegeben: gut bezahlten — Handlanger. Denn auch der fieseste Banker hätte gegenüber einer Regierung, die sparsam wirtschaftet und Zukunftsrisken vermeidet, den »Aufdrahten«, wie der Wiener sagt (Piefkes dürfen das so etwa mit »keine Schangse« übersetzen).

Der verdienstvolle Politplatschquatsch-Blog sieht mittlerweile die »Vernunft in der Nische«. Eine zweifellos zutreffende Einschätzung:
Erst sollten es die Manager gewesen sein, dann die Spekulanten, dann die Hedge Funds, dann die Märkte, nun schließlich sind die Banken dran. Alle drauf, lautet das Motto, seit dieselben Politiker, die in den Aufsichtsräten der Landesbanken jahrelang zuschauten, wenn wieder ein paar Off-Shore-Zweckgesellschaften gegründet wurden, meinen, sie könnten im Windschatten der wirren "Occupy"-Bewegung aus der Verantwortung für das in Deutschland zuallererst von eben jenen Landesbanken angerichtete Desaster segeln.
Für die USA könnte man die staatsnahen Blasenproduzenten »Fannie Mae« und »Freddie Mac« nennen. Doch welche Pyramidenspiele auch immer betrieben wurden: schon seit dem alten Ägypten bedarf es immer der Staatsmacht, um Pyramiden zu errichten — auch ein Cajus Cestius war schließlich hochrangiger Politiker (und als Volkstribun — »antiker Form sich nähernd« — wohl ein sozialistischer ...)

Die Pyramidenspielereien der III. bis VI. Dynastie haben das Alte Reich wirtschaftlich ruiniert. Die Ägypter brauchten dazu immerhin fast fünfhundert Jahre, bis ihr Reich im Bankrott der ersten Zwischenzeit unterging. Heute schaffen wir es in weniger als einem Zehntel der Zeit: seit der restlosen Aufgabe des Goldstandards durch Nixon 1971 sind erst vierzig Jahre vergangen, seit Jimmy Carters unseliger »Community Reinvestment Act« 1977 noch weniger. Und die Lebensdauer des jüngsten Pyramidenspieles — »Europäischer Rettungsschirm« — wird wohl nach Monaten zu messen sein.

Fortschritt allerorts! Ein brasilianische Finanzminister der 1970er-Jahre wurde bei einer Wirtschaftskonferenz international berühmt, als er mit Nachdruck folgenden Satz ins Publikum schleuderte: »Vor wenigen Jahren stand Brasilien wirtschaftlich vor einem Abgrund — doch mittlerweile sind wir einen entscheidenden Schritt weitergekommen!«

Unsere Politiker haben sich sein Beispiel offenbar zum Vorbild erkoren ...

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P.S.: eine ausgezeichnete Philippika zu diesem Thema gibt's auf »Antibürokratieteam« von Sascha Tamm: »Ich protestiere!«

Und, weil's so gut zum Thema »Occupy ... [whatever] ...« paßt — hier noch ein Video des wie gewohnt brillanten Pat Condell:



Was er über den gewalttätigen und diebischen Mob von London sagt, kann ebenso auch auf die aktuellen Proteste angewandt werden.