Samstag, 15. März 2014

Klartext zu Ukraine und Rußland

... wird auf Bankhaus Rott & Mayer geredet. Von Folker Hellmeyer, genauer gesagt. Der mit der irritierten Feststellung beginnt:
Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Verbalakrobatik in dem Disput West gegen Ost von westlicher Seite martialischer wird. Wir nehmen zur Kenntnis, dass Sanktionsautomatismen seitens der EU und den USA etabliert werden...
Wir sind äußerst irritiert, dass Israel so still ist, da sowohl die EU als auch die USA ein Regime mit ausgewiesenen Rechtsradikalen und Antisemiten unterstützen. Nach meinem Kenntnis- stand ist eine derartige Reaktion Israels historisch einmalig. Diese Tatsache unterstreicht unter anderem, dass es nicht um die Sache geht, sondern dass geostrategische Ziele verfolgt werden. Dann ist eben auch Israel still …
(Hier weiterlesen)
Seit Monaten wird die Buchhandlungen mit mehr oder weniger gelungenen Analysen, wie um Himmels willen der Wahnsinn des Ersten Weltkrieges von den damaligen Politikern begonnen werden konnte — und heute sehen wir haargenau dieselben Mechanismen am Werk: nur mit dem kleinen Schönheitsfehler, daß die beteiligten Mächte nicht mehr auf Eisenbahnen und Doppeldecker angewiesen sind, und Dreadnoughts und weitschießende Kanonen, die einstmals das »höchste der Gefühle« für kriegsbegeisterte Soldatenherzen darstellten, wohl weitaus ungefährlicher waren, als strategische Atomwaffen heutzutage.

Und im Unterschied zu heute waren damals die kriegsführenden Mächte zum größten Teil finanziell und wirtschaftlich hochsolide. Heute zettelt eine banktrotte Weltmacht einen Wahnwitzkrieg nach dem anderen an, um von ihrer Pleite abzulenken ...

Die Jahre in der ersten zwei Dekaden eines Jahrhunderts sind — aus welchen Gründen immer — schon seit langem für gemeingefährliche Kriegsereignisse berüchtigt! 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, in den Jahren 1701-14 tobte der Spanische Erbfolgekrieg, zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzt Napoleon einen ganzen Kontinent in Flammen, 1914 schließlich begann der erste Weltkrieg.

Man muß kein Pessimist sein, sondern ist wohl eher ein Realist, wenn man argwöhnt, daß die heutige Kampfrhetorik der NATO-Staaten wohl nicht nur Wortmeierei sein will, sondern der Versuch, durch ein »Stahlbad« die sichtlich wankende Herrschaft der USA und ihres East-Coast-Establishments zu erneuern.

Es wird ihnen nicht gelingen, das kann ohne große Gefahr der Widerlegung schon jetzt vorhergesagt werden — denn derlei ist nie gelungen! Nicht den Mächten der Gegenreformation und ebensowenig den Protestanten, die endlich ihre Pferde im Petersdom einstellen wollten. Nicht den Habsburgern, die Frankreich umzingeln und zerquetschen wollten, ebensowenig wie Ludwig XIV., der damals Europa von Westen her aufrollen wollte. Nicht Napoleon, und nicht vor hundert Jahren den Plutokraten Englands und ihren Kolonisten und Ex-Kolonisten in aller Welt. Jeder dieser Kriege endete in der endgültigen Zerstörung eines politischen Systems, das sich davon eigentlich nie wieder erholte.

Jetzt will also die USA wissen, ob diese Vorbilder bloße Zufälle waren, oder ob hier ein historisches Gesetz waltet. Nun, wir (und sie) werden es früher wissen, als uns allen lieb sein kann ..

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Moment mal - wann und wie soll das Reich jemals Frankreich gegenüber im Unrecht gewesen sein?

Frankreich hat niemals verwinden können, daß die Reichskrone nach Gottes Willen an die Ostfranken (und damit an die Deutschen) ging und hat seitdem immer wieder die Feinde des Reiches und der Kirche unterstützt bzw sich mit ihnen gegen das Reich verbündet (was meinen Sie, von wem die Türken vor Konstantinopel die schlagkräftige Artillerie hatten? Und dies ist nur ein Beispiel von einer ganzen Reihe an Bosheit, Verrat und Niedertracht Frankreichs).

Allein schon die Verbrechen Frankreichs während des 30jährigen Krieges spotten jeder Beschreibung und Sie kommen da mit dem Gedöhns rund um die Nachfolge der erloschenen Habsburger der spanischen Linie.

Ganz offensichtlich sind auch Österreicher von Selbsthaß und Reeducation betroffen.

Le Penseur hat gesagt…

@Anonym:

Wo, bitteschön, lesen sie aus dem Artikel, daß »das Reich jemals Frankreich gegenüber im Unrecht gewesen sein« sollte?

Der von ihnen offenbar beanstandete Satz lautet:

Nicht den Habsburgern, die Frankreich umzingeln und zerquetschen wollten, ebensowenig wie Ludwig XIV., der damals Europa von Westen her aufrollen wollte.

Also

1. »Habsburger«, und nicht »Hl. Römisches Reich«, denn die Umzingelung bestand aus der Vereinigung der österreichischen und spanischen Habsburgerlinie, wobei Spanien nie zum Reich gehörte.

2. Ludwigs Plan, Mitteleuropa von Westen her »aufzurollen« wirde ebenso erwähnt.

3. Beim 30-jährigen Krieg kam es zu Verbrechen und Greueltaten von allen Seiten. Die Franzosen, die Schweden und die Kaiserlichen geben und lassen sich da nix ...