Samstag, 12. September 2026

Heute vor 20 Jahren

von LePenseur
 
 


... zitierte Papst Benedikt XIII in Regensburg den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350–1425) mit seiner Aussage über die Rolle der Gewalt im Islam:
„Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von ‚Schriftbesitzern‘ und ‚Ungläubigen‘ einzulassen, wendet er [Anm.: der Kaiser] sich in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: ‚Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten‘. Der Kaiser begründet, nachdem er so zugeschlagen hat, dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. ‚Gott hat kein Gefallen am Blut‘, sagt er, ‚und nicht vernunftgemäß, nicht σὺν λόγω zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider‘. Der Glaube ist Frucht der Seele, nicht des Körpers. Wer also jemanden zum Glauben führen will, braucht die Fähigkeit zur guten Rede und ein rechtes Denken, nicht aber Gewalt und Drohung … Um eine vernünftige Seele zu überzeugen, braucht man nicht seinen Arm, nicht Schlagwerkzeuge noch sonst eines der Mittel, durch die man jemanden mit dem Tod bedrohen kann.“ 
Na, da war gleich die Hölle los! Islam und Gewalt? Wie kann man nur ... die Muselmanen und ihre Versteher im Abendland gerieten in Aufruhr! Eine „Hasspredigt“ sei so etwas. Na, geh! Die vatikanischen Behörden ruderten gleich zurück und bedauerten und präzisierten und relativierten ... ... so richtig echte Glaubensvorbilder, wie sie im Buch stehen (fragt sich nur: in welchem? In den Italienischen Heldensagen vielleicht) ...
 
Überraschend waren freilich die Fronten. Mancher, bei dem man's nicht vermutet hätte, zeigte klare Linie, manche, bei denen man sie vermutet hätte, eierten herum. Kardinal Lehmann (sonst nicht eben einer meiner Lieblinge), damals der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, erklärte in Bezug auf die Vorlesung von Regensburg, daß es „nichts zurückzunehmen oder zu entschuldigen gebe“. Wenn die Diskussion um die Rede dazu gedient haben sollte, dass der Dialog zwischen Christentum und Islam ernsthafter werde, habe sie ihren guten Sinn gehabt. 
 
Im Iran bezeichnete Ayatollah Ali Khamenei, die Papstrede als das „letzte Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug“. Nun, was den Kreuzzug betrifft, der ihm den ersehnten Märtyrer-Status eintrug, hatte er noch fast 20 Jahre zu warten — und der kam dann auch nicht von Bendedikt XIII angeordnet, sondern inszeniert als Ablenkungsmanöver Trumps von der Epstein-Affäre und zur Befriedigung zionazistischen Obessionen ... 
 
Der ehemalige Iranische Präsident Khatami betonte dagegen, man solle erst den gesamten Text der Rede lesen, bevor man Aussagen über deren Inhalt machen könne. „Folgerungen“, wie sie „zur Zeit gezogen“ werden, kämen von „uninformierten und fanatischen Menschen“. Er selber habe den Papst als einen sehr gebildeten und geduldigen Mann kennen gelernt. Sogar der damalige Präsident Ahmadineschad, der ja nicht unbedingt zur Ireniker-Fraktion zu zählen war, erklärte sich durch die Stellungnahmen des Vatikans zufriedengestellt. Sieh an, sieh an ...
 

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