Dienstag, 29. Mai 2018

Was wir vom Fußball lernen können

von Fragolin

Nein, nicht „Das Runde muss ins Eckige“ oder „Alles andere ist primär“.
Es geht um Regeln. Wer ein mutwilliges Foul begeht, bekommt eine gelbe Karte gezeigt. Bereits die zweite gelbe ist an eine rote gekoppelt und das Spiel ist für den Knüppler aus. Wenn er es übertreibt und ein schweres Foul begeht, gibt es gleich die rote.
Was man damit vermeidet? Dass einer 400 Mal ein Foul begeht.
Das dürfte neuer Rekord sein für einen Jungspieler aus der Integrationsmannschaft.

Ein junger Mann aus Plauen steht wegen 13 Straftaten vor Gericht. Polizei und Staatsanwaltschaft sollen jedoch in 400 Fällen gegen ihn ermitteln. Dabei kam der Mann erst vor zwei Jahren nach Deutschland.“

Ein junger Mann aus Plauen, der vor zwei Jahren nach Deutschland kam? Und ich dachte immer, Plauen liegt in Deutschland. So kann man sich irren. Aber seitdem aus Städten wie Aleppo mehr Menschen fliehen konnten, als darin gewohnt haben, und trotzdem noch welche übrig blieben, wundert mich geographisch gar nichts mehr. Deutschland wird ja auch am Hindukusch verteidigt und der Hindukusch grenzt direkt an Nordrhein-Westfalen, weshalb dort auch wie aus dem Nichts afghanische Flüchtlinge auftauchen. Zusammen mit den syrischen, die mal eben aus Homs, das liegt gleich neben Frankfurt am Main, rüberkommen. In Frankfurt landen übrigens auch Schlauchboote an, die von Tripolis gestartet sind, mit Togolesen aus Ghana an Bord. Geographie ist ein soziales Konstrukt, das durch Sprechakte neu umgeordnet werden muss. Landkarten sind patriarchalisch-faschistische Unterdrückungsinstrumente der turbokapitalistisch-neoliberalen Unterdrückerkaste aus alten weißen Männern.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in 400 Fällen. Der nächste Punkt. Wie viele Straftaten kann man pro Woche so begehen (und das sind ja nur die bekannten und zugeordneten), ohne von Staatsorganen behelligt zu werden? Wie oft schafft man das Parken im Parkverbot, ohne ein Knöllchen zu kassieren? Wie viele Knöllchen kann man ignorieren, bis sich der Staat intensiv um einen kümmert? Und: wie bedroht muss das Leben dieses armen Traumatisierten in seiner Heimat sein, dass er hier um Schutz flehen muss und sich trotzdem leisten kann, sich zu benehmen wie das mieseste Arschloch?

Bereits im Oktober 2017 wurde er vom Amtsgericht Plauen wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt.“

Zu einer Zeit, als die Staatsanwaltschaft bereits in hunderten Fällen gegen den Typen ermittelt, wurde der wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Monaten verknackt und auch noch auf Bewährung wieder auf die Öffentlichkeit losgelassen? Das Strafmaß liegt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Und der bekommt Bewährung. Dieses Urteil der vollkommen realitätsabgekoppelten Kuscheljustiz war eine geradezu schriftliche Einladung an das Früchtchen, jetzt aber mal so richtig loszulegen. Ich meine, bei hunderten Straftaten erwischt oder diesen zugeordnet, endlich im Gerichtssaal, und dann wieder Freiheit? Was muss der denken? Hier ist das Paradies für Kriminelle?!
Naja, ist es ja auch. Solange sie keine Deutschen sind.

Vor Gericht wirkt der 21-Jährige der Zeitung zufolge entspannt….“

Kein Wunder. Erfahrung prägt den Menschen.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Menschen bedroht, beraubt, körperlich angegriffen und verletzt zu haben. Hatem H. drohen bis zu 15 Jahre Haft.“

Ach, was soll‘s. Das letzte Mal „drohten“ zehn Jahre Haft, und wieviel hat er bekommen? Richtig: ein Dudu mit Zeigefinger und strengem Blick. Der macht sich doch in die Hose vor Lachen.
Mit was muss er jetzt wirklich rechnen? Diesmal zwölf Monate und davon nur zehn auf Bewährung? Und die U-Haft wird rückwirkend angerechnet und für die Zeit darüber hinaus eine üppige Entschädigung des Staates ausbezahlt?
Ich vermute, wir werden es nicht erfahren, weil das Urteil dann eher nur in der Lokalpresse erscheint.

Laut „Bild“ soll er unter anderem nach einem Streit einen Passanten in den Bauch gestochen, einem anderen eine abgebrochene Bierflasche über den Kopf geschlagen haben.“

Er wollte eigentlich gar nicht zustechen, aber plötzlich war da dieses Messer, dass der Andere in der Hand hatte und sich selbst in den Bauch gerammt hat…
Oder das ist nur ein Schrei nach Liebe. Die bösen Nazi-Sachsen haben ihn nicht willkommen genug geheißen und sich nicht genug um sein sensibles traumatisiertes Ich gekümmert. Niemand hat ihn zu Kaffee und Kuchen eingeladen, ihm freiwillig sein Haus als Bleibe angeboten oder zu seiner Tochter ins Kinderzimmer gelassen. Da muss ein Schutzerflehender doch irgendwann verzweifeln…

Die Polizei will sich um den Kriminalitätsschwerpunkt Postplatz kümmern, das kündigte sie bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik an. Sie will auf dem Areal mehr Präsenz zeigen. Nachgedacht wird auch über einen sogenannten Kontrollbereich, in dem die Polizei jeden Passanten überprüfen kann.“

Und welche wird sie überprüfen? Ausreichend Deutsche, um nicht in den Verdacht zu kommen, „racial profiling“ zu betreiben? Wetten, dass sich Idioten finden werden, die mit der Handykamera den ganzen Tag mitfilmen und dokumentieren, wie faschistisch und rassistisch der böse Staat gegen arme Schutzerflehende wie das Goldstückchern oben vorgeht, während er Nazisachsen mit Samthandschuhen angreift? Wetten, dass die Polizei jetzt erst zehn harmlose Passanten kontrollieren muss, um auch nur eines der Goldstücke aufzufordern, mal freiwillig seinen Namen zu sagen? Schikanen gegen Unbescholtene, um ihnen vorzugaukeln, man würde etwas gegen eingewanderte Kriminelle unternehmen.

Ach ja, die meisten Deutschen wollen genau diese Zustände. Sie wollen auch Kandel oder Würzburg. Das gehört dazu, das macht den Alltag bunt, vor Allem rot.
Woher ich das weiß?
Weil am Sonntag die Chance da gewesen war, mitten in der Hauptstadt seinen Unmut mit dieser Politik und dieser Regierung auf die Straße zu tragen und ein machtvolles Wort zu sprechen. Ein Land mit mehr als 80 Millionen Einwohnern. Eine Millionenstadt. Und keine 6.000 Hanseln aus dem ganzen Bundesgebiet, die von 25.000 herangekarrten Party-Studenten der Humboldt-Uni lachend niedergebrüllt werden.

Tja, Leute, Ihr hattet Eure Chance. Sie war angekündigt. Es haben genug gewusst. Wenn nur ein Viertel der Unterzeichner der Gemeinsamen Erklärung auch aus dem Sessel aufgestanden wären, hätte es eine Null mehr gegeben und doppelt so viele Demonstranten als linke Dagegenkrakeeler. Wenn in einer Millionenstadt, der Hauptstadt eines Landes, in der Fälle wie der obige an der Tagesordnung stehen, an einem sonnigen Sonntag nach monatelanger Planung und Ankündigung nur eine Handvoll Leute zusammenkommen, dann habt Ihr fertig.
Denn auch das lernt man beim Fußball: Wenn man keine Fans hat, die auch ins Stadion kommen, kann man nicht gewinnen.

Deutschland schafft sich nicht nur ab, die Deutschen wollen sich abschaffen, sie sind offenbar mehrheitlich beseelt von Todessehnsucht, um endlich die Welt von ihrem widerlichen Selbst zu befreien.
Na gut, sollen sie.
Aber irgendwie habe ich das Gefühl, in Österreich sieht es nicht anders aus.

1 Kommentar:

Gerd Franken hat gesagt…

"Aber irgendwie habe ich das Gefühl, in Österreich sieht es nicht anders aus."

Wenn das Gefühl auf Deutschland und Österreich beschränkt ist, gehts ja noch. Ich persönlich habe da weitreichendere Gefühle. In Irland z.B. gehen tausende auf die Straße und tanzen, weil sie sich selber als Volk entfernen dürfen und das jetzt in Gesetze meißeln. Wenn sich ein Kunstwerk selber ausradiert, sollten wir uns um die Umstände nicht wundern, sondern gespannt sein, was als nächstes folgen wird.