Samstag, 25. April 2026

Welche Sehnsucht die Weltwoche und Herrn Köppel umtreibt

von LePenseur
 
 
... verrät letzterer zu unserem Staunen im Editorial ("Erdogans Triumph der Diplomatie") der dieswöchigen Weltwoche-Ausgabe in der Beurteilung des Auftritts des US-Botschafters in Ankara, Tom Barrack, beim jüngsten Antalya Diplomacy Forum:
Wer wollte, konnte in Barracks Auftritt eine Kostprobe amerikanischen Pragmatismus sehen. Die Trump-Gegner werden aufjaulen und darin nur bodenlosen Zynismus erkennen, weil der Prä-sident gleichzeitig einen in vielen Augen sinnlosen Krieg gegen den Iran betreibt, Doch vielleicht sehen sie es falsch. Was, wenn Trump und Netanjahu Erfolg haben und das nahöstliche Friedenshindernis der Mullahs verschwindet?
Ach, es soll "verschwinden"? Putzig! Na, wie denn? Etwa, indem "die Mullahs" sich in Luft auflösen? In der Realität wohl eher, indem sie und ihre Familien (mit einem Wort: Zivilisten, denn Mullahs sind keine Soldaten) — natürlich ganz friedlich — von USrael gezielt plattgebombt und ermordet werden. Soferne es Herrn Trump nicht gelüstet, doch gleich den ganzen Iran "in die Steinzeit zurückzubomben". Herr Netanjahu, in dessen Regierungskoalition ganz possierliche Leute sitzen, die Palästinenser explizit als "Tiere" ansehen (also nicht mal bloß als "Untermenschen", was einem Angehörigen des "auserwählten Volkes" doch schon fast zustehen würde — nicht wahr, Herr Köppel?) wird sicher nichts dagegen haben ...
 
Und was die Bezeichnung "der Mullahs" als angebliches "Friedenshindernis" betrifft ... zwei kurze Fragen, Herr Köppel: 
  • seit wann sind "die Mullahs" im Iran an der Regierung?
  • seit wann gibt es Kriege von Israel mit dessen Nachbarstaaten?
Beides kann man ohne Schwierigkeiten in Lexika nachlesen — wenn Sie's wissen wollen: es gab jede Menge Kriege Israels mit seinen Nahost-Nachbarn, als "die Mullahs" im Iran exakt NULL zu sagen hatten und der Ober-Mullah in Paris auf einem Gebetsteppich sitzend vor ein paar Anhängern seine Predigten hielt, die für die Kriege Israels mit seinen Nachbarn aber sowas von piepegal waren, wie man es sich nur vorstellen kann!
 
Und, Herr Köppel: schon vergessen, daß das internationale Übereinkommen über den Verzicht Irans auf Atomwaffen nicht vom Iran, sondern von einem gewissen Herrn Trump einseitig aufgekündigt wurde und daß 2025 und jetzt Ende Februar 2026 jeweils mitten in laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran massive Kriegshandlungen gegenüber dem Iran von den USA und Israel begonnen wurden, nicht umgekehrt! Entweder sollten Sie, Herr Köppel, sich eiligst einem Alzheimer-Test unterziehen, falls Sie auf das alles vergessen haben, oder Sie argumentieren mit einer geradezu unfaßbar dreisten Schäbigkeit, die die Opfer von Angriffskriegen zu Tätern um-etikettiert! Es ist einfach zum Kotzen ...
 
Immerhin geht diese schon in der Weltwoche No. 15 (im Artikel "Der Traum von Groß-Israel") praktizierte Schönfärberei des genozidalen Zionazi-Regimes auch den Abonnenten auf den Senkel, wie bspw. der Leserbrief eines Herrn Gerd Sauermann (fürwahr, dieser Mann ist echt sauer auf die Weltwoche!) beweist:
Diese Woche habe ich mich bei meinen S-Bahn-Fahrten nach München das erste Mal geschämt, meine Fahrtlektüre offen zu zeigen: die Weltwoche. Das Titelbild mit einem Porträt von Netanjahu, der einer arabischen Familie Schutz gibt. Das ist der reine Hohn und zeugt von grober Verachtung für das Leid, das derzeit auch von Israel angerichtet wird.
Das Recht auf Selbstverteidigung ist unbestritten, aber das rechtfertigt nicht, in einem zwei-jährigen Krieg gegen ein paar 10 000 Hamas-Kämpfer den ganzen Gazastreifen in Schutt und Asche zu legen, alle Wohnungen zu zerstören und die Bevölkerung immer wieder dort zu vertreiben, wo sie notdürftig ihre Zelte augestellt hat.
Die Zeitung Haaretz hat vor einigen Monaten eine Umfrage veröffentlicht, laut der 80 Prozent der Israeli für eine vollständige Vertreibung der Bevölkerung des Gazastreifens sind und fast 50 Prozent für die umfassende 'Tötung sämtlicher Bewohner dort votieren.
Solche Aktionen und Pläne, Herr Köppel, sind eindeutig Genozid. Also etwas, wofür in Nürnberg Nazis am Galgen geendet haben. Und ein Volk, das zu knapp 50 Prozent die völlige Ausrottung einer Bevölkerung eines Landes, das Israel nie gehörte, verlangt, unterscheidet sich von den in Nürnberg Verurteilten ... worin? 
 
Ja, worin denn eigentlich ...? 
 
Denken Sie mal darüber nach, Herr Köppel, bevor die Kotze Ihrer Abonnenten Ihnen ins Gesicht spritzt ...
 

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