Teil 1) - Zum Thema Staatsfeiertag:
Der Staatsfeiertag ist am 26. Oktober, den viele als Nationalfeiertag bezeichnen. Sicher werde ich da bei so manchem eingefleischten Österreicher anecken. Ich lehne den Begriff „national“ für den 26. Oktober schlichtweg ab. Aber ich ehre diesen Tag im Bewusstsein der Geschichte Österreichs, besonders die Bedeutung dieses Tages. Aber es könnte auch ein anderer Tag sein, z. B. ein Tag im Mai:
Der österreichische Staatsvertrag wurde am 15. Mai 1955 im Schloss Belvedere in Wien unterzeichnet.
Nur derjenige, der die Geschichte kennt, wird meine Ausführungen nachvollziehen können. Ich habe das schon irgendwann einmal angesprochen, vermutlich auch hier, aber ich wiederhole mich gerne: Was ist „deutsch“?
Die Wurzel des Deutschtums liegt (nach meiner Auffassung) in der Nibelungensage. Geografisch erstreckte sich dieses Thema vom Eisack (heute Südtirol) bis in den Odenwald (heute Hessen). Zu dieser Zeit gab es diese Grenzen der heutigen Zeit nicht, und diese Zone der Nibelungensage würde somit Teile Italiens, Österreichs und Deutschlands überdecken.
Stellt sich die Frage, was überhaupt eine Nationalität ausmacht. KI schreibt dazu:
Die rechtliche Staatsangehörigkeit (Zugehörigkeit zu einem Staat) und die ethnisch-kulturelle Identität (Zugehörigkeit zu einem Volk).
Den ersten Teil bezeichne ich als Unsinn. Denn ich werde einen Afghanen, der aus irgendeinem Grunde die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten hat, nicht als Vertreter einer deutschen Herkunft bezeichnen können. Das ist reine Politik, was man da veranstaltet.
Gehen wir zur ethnisch-kulturellen Identität (Zugehörigkeit zu einem Volk). Da deklariert das KI eine vernünftige Richtung:
Kulturelle Klassifikation
• Gemeinsame Sprache: Die Muttersprache als verbindendes Element einer Kulturnation.
• Gemeinsame Geschichte und Traditionen: Ein geteiltes kollektives Gedächtnis, Bräuche und Feiertage.
• Kulturelle Identität: Werte, Normen und oft auch religiöse Prägungen, die eine Gemeinschaft formen.
Da wird es bereits klarer. Es gibt Angehörige einer Nation, die im Ursprungsland wohnen, die man als „Einheimische“ bezeichnet. Dann aber gibts die sog. Diaspora, wo die Angehörigen einer Nation am Rande eines Staatsgebietes oder sogar in fremden Staaten leben, sich aber durch die Gemeinsamkeit mit den Angehörigen ihrer Herkunft identifizieren.
Extremes Beispiel: Ich war auf einer Durchreise in Luxemburg, und ging in eine einfache Gaststätte, in Deutschland vielleicht „Kneipe“ oder in Österreich „Beisl“ genannt, hinein, um nach dem Weg zu fragen. Ich war völlig überrascht, als ich dort fast denselben Dialekt gehört habe, den die Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen (Rumänien) sprechen. Natürlich wurde mir das insofern bewusst, weil mir bekannt war, dass aus dieser Gegend aufgrund des Rufes und Erlasses von Andreas II. im Jahre 1224 viele Deutsche aus dem Raum Mosel-Trier- Luxemburg nach Rumänien eingewandert waren.
Genauso gibt es Deutsche in Russland, die man als Geschichts-Uninteressierter als „Möchtegern-Deutsche“ bezeichnet, die sich nur dadurch auszeichnen, dass sie einen deutschen Schäferhund halten. Diese oberflächlichen Beurteiler wissen ja gar nicht, aus welcher Gegend und in welcher Zeit diese Leute damals nach Russland gekommen sind, als sie vor knapp 250 Jahren von Katharina der Großen gerufen wurden.
Mir ist ein Dorf in Brasilien bekannt, in dem sich vor fast 100 Jahren Egerländer niedergelassen haben, die dort auch ihre Kultur und ihre Traditionen beibehalten haben. Diese Leute sprechen noch eine Form des ursprünglichen Dialekts, der heute im Egerland fast zur Gänze ausgestorben ist. Auch Tiroler waren dort dabei. Das Dorf heißt „Dreizehnlinden“:
Dazu gibt es auch andere Dörfer, wie z.B. Blumenau, das von Einwanderern aus Pommern schon 1863 gegründet wurde. Pomerode ist auch so ein Dorf und hat heute mit etwa 92 Prozent der Stadtbevölkerung den größten Anteil deutschstämmiger Einwohner in Brasilien. Deutsch ist dort die zweite zugelassene Amtssprache in dieser Stadt.
https://www.dw.com/en/why-did-germans-immigrate-to-brazil-200-years-ago/a-69712593
Auch in Paraguay gibt es Wurzeln deutscher Einwanderer, KI schreibt:
Deutsche Einwanderer und Siedler haben auch eine lange Geschichte in Paraguay, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Heute leben rund 30.000 deutsche Staatsbürger und über 150.000 Deutschstämmige im Land.
Beispiele: San Bernardino, Nueva Germania, Colonias Unidas, Hohenau, Obligado, Bella Vista, Colonia Independencia, etc.
Bleiben wir aber im europäischen Raum:
Das umfassende Band, das das Deutschtum hinsichtlich Kultur, Tradition und Sprache zusammenhält, erstreckt sich von den Randgebieten des heutigen Frankreichs (Elsaß-Lothringen) bis an die Wolga und den Don in Russland, um die West-Ost-Ausdehnung zu beschreiben. In der Nord-Süd-Ausdehnung gibt es im Norden die deutsche Minderheit in Dänemark, und im Süden die Südtiroler im heutigen Italien, die Batschka im heutigen Serbien und die Siebenbürger im heutigen Rumänien.
Dazu gehören auch viele andere Gebiete, wie Schlesien, das Sudetenland, Fünfkirchen im heutigen Ungarn, etc. etc. Als es im Lied früher hieß: „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“, dann war das schon begründet, aber nicht komplett, was das Deutschtum betrifft.
Ich denke, damit die Bedeutung des Wortes „Nation“ besser erläutert zu haben. In den Ländern, in denen sich traditionell mehrere Nationen befinden, unterscheidet man sehr wohl zwischen „Staat“ und „Nationalität", wie z.B. in Rumänien. Mein Jüngster, der seine Matura (in Deutschland „Abitur“ genannt) in Siebenbürgen gemacht hat, kann auf seinem Zeugnis neben seinem Namen und Geburtsdatum lesen:
Staatsangehörigkeit: Österreich
Nationalität: Deutsch.
In der Diskussion mit meinen Nachbarn in Niederösterreich, für die das Wort „Österreichische Nation“ gebräuchlich und normal ist, wies ich auf die Namen vieler Dörfer in Österreich hin, wie z.B.:
Deutsch Jahrndorf, Deutsch Kaltenbrunn, Deutschkreutz, Deutsch Schützen-Eisen-berg, Deutschfeistritz, Deutsch-Wagram, Deutsch-Griffen, Deutsch Goritz, Deutsch-Schützen, Deutsch-Haslau, etc. etc.
Ich kenne in Österreich kein einziges Dorf oder Gemeinde, das bei dieser Art von Doppel-bezeichnung mit dem Wort „Österreichisch- …“ statt „Deutsch-…“ beginnt.
Dazu noch eine andere Überlegung. Anfangs in der Volksschule gabs ein Fach, das nannte sich „Sprache“. Später hieß es in den Mittelschulen und Gymnasien „Deutsch“. Da wurde die Grammatik und vieles andere gelehrt, aber immer auf die deutsche Sprache bezogen, niemals auf die österreichische. Obwohl ich noch ein Buch aufbewahrt habe, das den Titel „Österreichisches Wörterbuch“ trägt. Aber hier wurden die Begriffe erklärt, die im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch nicht üblich sind, in Österreich aber schon.
Daraufhin begannen manche Nachbarn, darüber nachzudenken und stimmten mir insofern zu, dass das Wort der „Österr. Nation“ sowie der „Österreichische Nationalfeiertag“ nicht besonders treffend gewählt wurde. Schließlich gibt es ja auch keine „Luxemburger Nation“ oder „Liechten-steiner Nation“.
Aber das schmälert nicht den Begriff und die Würde des Staatsfeiertages am 26. Oktober, wie ich das bezeichne. Die Österreicher sind ein würdiges Volk der Deutschen Nation, und ich meine, dass dort die „besseren Deutschen“ leben, obwohl man mir das hinsichtlich der Geschichte der letzten 100 Jahre immer negativ auslegt. Deshalb werde ich auch niemals meine österreichische Staatsbürgerschaft gegen eine andere eintauschen, auch nicht nach den Jahrzehnten meiner Tätigkeit im Ausland. Aber Begriffe und Bezeichnungen sollten sich an der Realität orientieren, meine ich halt.
Österreichisch-Tschantschendorf gibt es tatsählich nicht, Deutsch Tschantschendorf macht sich da aliterationsmäßig viel besser. Wahrscheinlich ist es der einzige ON mit 3 Tsches, wobei 2 Tsches nacheinander vorkommen. Hingegen gibt es bei uns: Historisch bzw als Exonym: Bayerisch Waidhofen, Český Bejdov, Böhmisch Krut, Steirisch Grätz (Štýrský Hradec), aktuell Steirisch Laßnitz und Steirisch Tauchen. In diesem Zusammenhäng wäre der besonders alberne Versuch zu nennen, die Deutsche Thaya zu austrifizieren.
AntwortenLöschenWieso heißt es noch Österreich? Welches Reich? Und reich ist das Land auch nicht mehr. Also: Österarm wäre doch zutreffender, oder?
AntwortenLöschenEs soll sich mit der Lotion einreiben!
LöschenWomit auch klar ist, dass unser geschätzter Blogchef Le Penseur DEUTSCHER ist, mag er auch einen Pass des politischen Kunstgebildes „Österreich“ in der Tasche tragen. Wenn in hoffentlich nicht allzu ferner Zeit beide „Staaten“ blau regiert sein werden, rechne ich damit, dass es dann bald wieder nur noch einen deutschen Staat geben wird, wie es auch nur eine deutsche und keine „österreichische“ Nation gibt.
AntwortenLöschenCher "Deutschländer",
Löschenträumen Sie weiter Ihre großdeutschländischen Träume ...
Ich bin in in Österreich geboren und lebe (von einigen längeren Auslandsaufenthalten abgesehen) seit meiner Geburt in diesem Land. Ich kenne daher die Mentalität der Österreicher sehr gut - Sie können mir glauben: von denen wollen vielleicht 5% (wenn überhaupt so viele!) in einem "Großdeutschland" als "Land Österreich" oder, analog Bayern und Sachsen, als "Freistaat Österreich" leben.
Selbst wenn in beiden Staaten die "Blauen" jeweils eine absolute Mehrheit bekommen (was ich für bereits wenig realistisch halte!), so wäre für einen Anschluß Österreichs hierzulande die noch weit unrealistischere 2/3-Parlamentsmehrheit für eine Verfassungsänderung nötig plus einer zwingenden Volksabstimmung, da durch diesen Vorgang zweifellos "Grundsätze des Bundesverfassungs-Gesetzes 1920 i.d.F. 1929" betroffen wären (und das geht nur mit Volksabstimmung!) - und allerspätestens an dieser Hürde wird es mit Sicherheit scheitern.
Da habe ich noch gar nicht das explizite Anschlußverbot im Staatsvertrag von Wien von 1955 erwähnt, der nur mit Zustimmung der Signatarmächte - also: USA, UdSSR (bzw. Rußland als Nfg.), Großbritannien und Frankreich - geändert werden könnte; und da friert wohl eher die Hölle zu, als daß das einträte!
Vergessen Sie's!
Wir Österreicher wollen in überwältigender Mehrheit keine "Deutschen'" im staatsrechtlichen Sinne werden. Das war einmal, vor 100+ Jahren, anders - aber der GröFaZ und seine NS-Bonzen, die uns 1938-45 regierten, haben es uns Österreichern gründlichst ausgetrieben. Solche Gedanken sind bei uns "töter als tot" ...
Herrn Le Penseur:
LöschenSehe ich genauso. Kein vernünftiger Österreicher würde sich einem Staat anschließen wollen, das Mitglied der NATO ist.