Freitag, 18. Juli 2014

In memoriam Ricarda Huch (Hundert notwendige Gedicht XIII)

Warum über Ricarda Huch ein Gedächtnis auf diesem Blog? Es gibt doch fürwahr mehr als genügend Würdigungen dieser Dichterin, selbst der Wikipedia-Artikel ist recht wohlgelungen und informativ — warum also ein Artikel ...?

Eigentlich nur aus drei Gründen: einerseits, um ein geringschätzig als qualitätsschwach, wenngleich gut verkauft, beurteiltes »Nebenwerk« in Erinnerung zu rufen — dann einer Anekdote wegen. Und schließlich wegen eines Gedichts ...

Das Nebenwerk ist der im München vor dem Ersten Weltkrieg spielende Kriminalroman »Der Fall Deruga«. Die Autorin selbst nannte ihn einen »Schundroman«, da konnte auch der Kritikergott der FAZ (nicht der, dessen morgen gedacht sei, sondern sein lispelnder Nachfolger) wenig daran ändern. Und dennoch: der Autorin muß in ihrem Urteil widersprochen werden! »Schundroman« ist es keiner — wohl leichtgewichtiger als die ernsten historischen Gemälde, die sie bspw. über den 30-jährigen Krieg entwarf. Aber das liegt in der Natur der Sache und tut den treffend modellierten Personen (und in der des Protagonisten, des Dr. Deruga, scheint sich zum Teil ihr erster Ehegatte, der italienische Zahnarzt Ceconi wiederzufinden) und spannenden Gerichtssaalschilderungen keinen Abbruch. Wer also in die »Belle Epoque« Münchens reisen möchte, kann es qualitätvoll auf unterhaltsame und spannende Weise mit diesem Roman.

Und nur zur Anekdote: als Ricarda Huch in München mit dem Dichterfürsten Stefan George bekannt gemacht wurde, fragten sie Freunde nach der Begegnung, wie Stefan George denn überhaupt so sei, wie er aussähe etc. ... Ricarda Huch antwortete etwas süffisant: »Er sieht aus wie eine alte Frau, die wie ein alter Mann aussieht«. Doch gemach, Frau Doktor! Hochmut kommt vor dem Fall — denn wenn man dieses Bild

 
... betrachtet, ist der Gedanken, daß Ricarda Huch ihrerseits aussah wie ein alter Mann, der wie eine alte Frau aussieht, kaum von der Hand zu weisen.

Und das Gedicht ...? Nun, eines ihrer Sonette ist zu einem meiner Lieblingsgedichte geworden über die Zeit – das man vielleicht erst zu würdigen weiß, wenn man dem Abend, der Nacht selbst entgegengeht:


U
ralter Worte kundig kommt die Nacht;
Sie löst den Dingen Rüstung ab und Bande,
Sie wechselt die Gestalten und Gewande
   Und hüllt den Streit in gleiche braune Tracht.

   Da rührt das steinerne Gebirg sich sacht
Und schwillt wie Meer hinüber in die Lande.
Der Abgrund kriecht verlangend bis zum Rande
   Und trinkt der Sterne hingebeugte Pracht.

Ich halte dich und bin von dir umschlossen,
   Erschöpfte Wandrer wiederum zu Haus;
So fühl ich dich in Fleisch und Blut gegossen,

Von deinem Leib und Leben meins umkleidet.
   Die Seele ruht von langer Sehnsucht aus,
Die eins vom andern nicht mehr unterscheidet. 


Uralter Worte kundig — das war Ricarda Huch, wie wenige vor und nach ihr ...





 

Donnerstag, 17. Juli 2014

Zufälle! Nichts als Zufälle ...

Zufällig ist vor einigen Monaten, als es darum ging, den pöhsen Diktator der Ukraine zu entmachten, ein Flugzeug der Malaysischen Luftfahrtgesellschaft einfach verschwunden. zufällig ist jetzt, wo es darum geht, möglichst schnell zu einem Kriegsgrund gegen Rußland zu kommen, ein malaysisches Flugzeug in der Ukraine abgestürzt:

Malaysisches Passagierflugzeug stürzt in der Ukraine ab

Eilmeldung Ein Linienflugzeug der Malaysian Airlines mit 295 Menschen an Bord ist nahe der russischen Grenze verunglückt. Aus dem ukrainischen Innenministerium heisst es, die Maschine sei abgeschossen worden.

In der Ukraine ist nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax ein Passagierflugzeug aus Malaysia abgestürzt. Das Unglück soll sich nur rund fünf Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt ereignet haben. Das meldet Interfax unter Berufung auf eine Quelle in der Luftfahrtindustrie.

Demnach befanden sich 280 Passagiere und 15 Crewmitglieder an Bord der Boeing-777. Die Maschine der Air Malaysia sei auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur gewesen. Sie sei von den Radarschirmen verschwunden und in der Region von Donezk abgestürzt, die teilweise von prorussischen Separatisten gehalten wird. In der Ostukraine liefern sich seit Wochen Soldaten und prorussische Separatisten heftige Gefechte.

Nach Angaben aus dem Kiewer Innenministerium wurde die Passagiermaschine mit einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Wie die Malaysian Airlines auf Twitter mitteilt, habe man den Kontakt zu Flug MH17 verloren.
... berichtet der Tagesanzeiger. Nun, offengestanden ist es ein wenig überraschend, daß ein ziviles Flugzeug über ein bürgerkriegsgebiet fliegt, noch dazu über eines, in welchem nach aktuellen Berichten schon mehrere Militärflugzeuge abgeschossen wurden. Was, bitteschön, hat eine zivile Airline da zu suchen? Nichts — zivile Flugunternehmen scheuen angesichts der Anschaffungskosten ihrer Flieger solche Gefahrenregionen wie der Teufel das Weihwasser. Was anderes wäre freilich, wenn jemand ein Interesse daran hätte, daß genau so ein ziviles Flugzeug abgeschossen wird. Endlich! Wo's beim ersten Mal leider nicht so recht klappen wollte. Aber das sind sicherlich nur krude Verschwörungstheorien. Es ist vielmehr ein Zufall. Na, sag' ich doch die ganze Zeit ....

UPDATE: Eben gefunden — ein Zitat aus einem Posting:
Ich brauche mir nur die aktuellen Medienmeldungen anschauen und schon gibt es eine klare Tendenz. Es können nur die Separatisten gewesen sein oder sogar die Russen selbst.

Nun frage ich Dich, welchen Sinn ergibt dieser Abschuß?
Wer profitiert von ihm?

Die Separatisten?

Sie haben außer in Rußland und ein paar westlichen Putin-Verstehern keinerlei Unterstützung.
Wenn sie jetzt noch eine unschuldige zivile Maschine vom Himmel holen ist jegliches Verständnis für ihr Anliegen kein Thema mehr.

Die Russen?

Putin versucht verzweifelt ein Hineinziehen in den Konflikt zu verhindern. Er läßt sogar das massenhafte Töten seiner Ex-Landsleute zu, weil er weiß, was ein Eingreifen bedeuten könnte.
Was hätte er davon von der Weltöffentlichkeit als skrupellose Figur demontiert zu werden?
Nichts! Absolut nichts!

Die ukrainische Regierung (von Washington direkt gesteuert), die gerade eine massive Vertreibungspolitik inszeniert und die westliche Wertegemeinschaft inkl. NATO, die den Ukraine-Konflikt überhaupt erst vom Zaun gebrochen hat?

Ja, sie hat ein sehr großes Motiv, denn es läuft zur Zeit überall gegen sie.
Die BRICS-Staaten verbünden sich zu einem finanziellen Schwergewicht, der Syrien-Konflikt läuft zu Ungunsten der Kriegstreiber, der Irak-Konflikt benötigt die Hilfe des Iran und das US-Militär begehrt gegen die zionistische Bevormundung auf.
Von den Unruhen in Palästina möchte ich gar nicht mehr reden.

Und die Schulden-Uhr tickt unaufhörlich. Es wird nur noch im zig-Milliarden Bereich gedruckt, besichert und weitergereicht.

Daher muß ein großer Krieg her – koste es was es wolle.
Wen interessieren da knapp 300 vom Himmel Gefallene?
Die kriegen einen schönen Gedenkstein und fertig.

Und, wer hat in der Vergangenheit keine Skrupel Zivilisten in den Tod zu schicken?
Die Beispiele erspare ich mir – Du kennst sie genauso gut wie ich.
Das Schweinesystem steht am Abgrund und will alles unter sich begraben.
Kriegsgeil ist nur eine Seite und zu der gehören leider auch unsere Eliten.

Da kommt jeder Anlaß (erinnert sei an Lusitania, Tonkin, Brutkästen, WTC und vieles anderes mehr) wie gerufen.
Na ist doch klar: das kann doch nur eine Verschwörungstheorie sein! Unsere Eliten wollen doch nur das Beste. Sie lieben ... aber sie lieben doch ...  ... sie lieben doch alle Menschen! ... nicht wahr?

»Bingo!« (oder, vornehmer: »Touché!«)

... möchte man angesichts zweier Artikel von Karl Eduard ausrufen, in denen er unsere Verhältnisse zur Kenntlichkeit entstellt:

Fernsehzuschauer von Demokratiefernsehen enttäuscht

und

Krieg muß kommen um jeden Preis

Lesenswert!

 

Hairy Women for Bush Fans of All Political Persuations



»University offers female students extra credit for not shaving their armpits«
... informiert uns www.campusreform.org. Manchmal weiß man heutzutage im Internet nicht mehr, wo die Berichterstattung endet und die Satire beginnt:
Female Arizona State University students can receive extra credit for defying social norms and refusing to shave for 10 weeks during the semester.

Women and Gender Studies Professor Breanne Fahs, encourages her female students to cease shaving their underarms and legs during the semester and document their experiences in a journal.

Student Stephanie Robinson said it was a “life changing experience.”

“Many of my friends didn’t want to work out next to me or hear about the assignment, and my mother was distraught at the idea that I would be getting married in a white dress with armpit hair,” Robinson told ASU news.

Men are also allowed to receive extra credit, as long as they shave their bodies from the neck down.

Fahs says the experiment illustrates social issues with gender roles, particularly with the male participants.

“One guy did his shaving with a buck knife,” Fahs said. “Male students tend to adopt the attitude of, ‘I’m a man; I can do what I want.”
Falsch, Frau Professor! Es müßte
Feminist professors tend to adopt the attitude of, I’m a woman; I can do what I want.”
heißen.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Hundert notwendige Gedichte XII — Andreas Gryphius

Es ist alles eitel

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

Was jetzt noch prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch’ und Bein,
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach! Was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum’, die man nicht wieder find’t.
Noch will, was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten!
Heute vor 350 Jahren, am 16. Juli 1664 verstarb Andreas Gryphius während einer Versammlung der Glogauer Landstände an einem tödlichen Schlaganfall.











Montag, 14. Juli 2014

Steinmeier & Co. — ab in den Knast!

Ein ausgezeichneter Artikel in »Zettels Raum« bewegt LePenseur seine urlaubende Muße zu einem zweiten Posting am selben Tage zu unterbrechen: »Haltet den Hehler!«
So lange es gegen die eigene Bevölkerung geht hat der BND keinerlei Skrupel gezeigt mit der NSA zusammenzuarbeiten, ganz im Gegenteil. Die Zusammenarbeit hat wohl in der Vergangenheit ganz gut funktioniert.
 
Die jetzige Erregung ob der Enttarnung von zwei einfachen Mitarbeitern mutet da schon etwas sehr seltsam an. Hat sich der BND eingebildet, dass er aufgrund seiner willfährigen Zuarbeit einen Sonderstatus inne hat? [...]

Ich kann die Empörung der Regierung nicht zu einem Tick nachvollziehen. Geheimdienste bespitzeln sich gegenseitig, das ist nichts Ungewöhnliches und auch zu erwarten. Geheimdienste rechnen damit, dass das passiert, und es spricht nicht gerade für den BND, wenn er nicht damit rechnet, dass auch ein befreundetes Land genau dieses tut. Aber das ausgerechnet die selben Leute, die sich jetzt (künstlich) aufregen, überhaupt kein Problem damit haben, dass die Bürger seit Jahren (!) bespitzelt werden und auch nach der Meinung selbiger Leute noch mehr bespitzelt werden müssen, das schlägt schon dem Faß den Boden ins Gesicht. 
 
Bevor wir uns dem Hehler widmen sollten wir erstmal dem Dieb im eigenen Land auf die Finger hauen. Und wer immer solche „Geheimverträge“ (wenn ich das Wort schon höre, geht mit die Hutschnur hoch) verantwortet, der gehört nicht zurück getreten, der gehört in den Knast. 
Chapeau, Kollege Llarian! So klare Worte könnte man sich nur wünschen, auch woanders zu hören. Wäre da nicht die moralische Instanz eines Bundespräsidenten gefordert? Ach wo — der feiert in Rio den Endsieg der Gladiatorendemokratie ...
 

Gott sei Dank

... ist der Rummel um die Fußball-Weltmeisterschaft endlich zu Ende gegangen. Der Gastgeber weint um seinen vermurksten Sieg, der WM-Zweite hadert mit dem Schicksal, und der Weltmeister freut sich. LePenseur fragt sich kopfschüttelnd: und dafür mußte man Abermilliarden verpulvern in einem Land an der Schwelle zum Staatsbankrott, mit maroder Infrastruktur? Dafür mußte man tausenden Politruks und Funktionären, die sich im (größeren oder kleineren) Glanz ihrer Fußballmannschaften sonnen durften, Flüge, Festbankette und Hotels bezahlen? Für irgendwelche »weiße Elefanten« von megalomanen Fußballstadien, die später keiner braucht?

Dagegen war das alte Pharaonenhobby »Pyramidenbau« ja noch sinnhaft zu nennen! Bis heute profitiert wenigstens der ägyptische Tourismus davon — wenn nicht irgendwelche Kopfwindel-Idioten der Meinung sind, wieder mal auf Herstellung des muselmanischen Gottesstaates spielen zu müssen.

Irgendwie ist die Menschheit etwas geistesgestört. Das einzig Tröstliche (?) daran: war's je anders ...?

Um die Kultur auch an Tagen wie diesem nicht zu kurz kommen zu lassen — es ist m.E. Zeit für ein


Fußballsonett

D
er Kampf der Kontinente ist vorbei!
Es jubelt laut der (endlich) Erstplacierte,
Beschämt steht da der Zweite, der »Lackierte«,
Die Niederländer grollen ob Platz drei.

Der Brasilianer Herz brach längst entzwei,
Als sie Kolumbien schnöd deklassierte
Und manche Hoffnung allzu früh fallierte,
Und doch — ist letztlich es nicht einerlei

Wer da gewann? Ein Spiel nur ist das ganze —
Und ein gezinktes leider noch dazu!
Es sonnen Funktionäre sich im Glanze,

Und Politruks und Journaillisten trumpfen
befriedigt auf — gelang es doch im Nu
Kritik des Volks durch Spiele abzustumpfen …

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P.S.: im Match 2013 Deutschland gegen Argentinien errang Argentinien (da nämlich der Meister aus Deutschland einfach den Platz räumte)  in der Capella Sistina einen ziemlich billigen Sieg. Nun trugen die Deutschen in Maracanã, der Kathedrale des Fußballs in Rio de Janeiro, einen mühsamen Sieg davon — nur ein Götze machte ihn möglich. Die Fußballfans unter den Lesern dieses Blogs mögen mir verzeihen ... ... aber andersherum wäre es mir lieber gewesen: Argentinien in Rio am Stockerl (für Piefkes: »Treppchen«) — aber dafür nicht dieser linke Götze im Vatikan ...

Sonntag, 13. Juli 2014

Heute vor 125 Jahren

... mithin am 13. Juli 1889 starb der österreichische Dichter Robert Hamerling. In Anbetracht der seinerzeitigen Berühmtheit vieler seiner Werke mutet der bezughabende Wikipedia-Artikel, der unter dem Stichwort »Bedeutung« lapidar zu vermelden weiß:
Hamerling zählte zu seiner Zeit zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autoren. Zu seinen Hauptwerken zählt das Epos Ahasverus in Rom (verfasst 1865), das ihn einer breiten Leserschaft erst bekannt machte, und Der König von Sion (1869).
denn doch ein wenig schmalbrüstig an. Aber wie wie wissen — Ruhm und Nachruhm eines Autors sind keineswegs kongruent, sondern oft geradezu komplementär. Auch das »Gutenberg-Projekt« übergeht Hamerlings erfolgreichstes und gerühmtestes Werk, Ahasverus in Rom, und bringt nur seinen König von Sion, von seinen zahlreichen Gedichten gerade ein einziges — und wahrlich nicht das beste.

In den Bodleian Libraries findet u.a. sich ein Digitalisat seiner »Blätter im Winde«, und in diesen Blättern lohnt es sich durchaus zu blättern. Sicherlich ist seine Lyrik vielfach dem Vorbild Heinrich Heines verpflichtet. Böswillig kann man sie als epigonal geringschätzen, und dennoch ... ... man lese nur aus »Singen und Minnen« sein

Lebenslied

O
 himmlische Wonne des Lebens,
 Urewig blühend und hold,
Hoch über der Öde des Abgrunds
  Hältst du dein Banner entrollt,
Und strömst im Glanze der Sonnen,
  Im rosigen Lichte des Seins,
Mit dunklen Todeswonnen 
  Geheimnisvoll in Eins.
 
O holdes Wiegen und Wallen,
  O sel'ges Streben und Ruh'n,
O jauchzendes Steigen und Fallen,
  O süßes Träumen und Tun!
O du schimmernde Lebenshelle, 
  O du selige Todesnacht —
Auf wechselnder Daseinswelle
  Wie faß' ich alle die Pracht?
 
Ich möchte wonnig gerne
  In jeder Blume blüh'n,
Ich möcht' in jedem Sterne
  Des Himmels selig glüh'n;
Auf den Schwingen jedes Falters
  Möcht' ich gaukeln durchs blumige Grün,
Und im Wirbel des Lerchenpsalters
  Hinsterben in Melodien.
 
Ich möchte mit allen Wellen
  Mich berauschen im Sonnenglanz,
Und in Schaumesfunken zerschellen
  Im jauchzenden Sturmestanz. 
Ich möchte mit allen Gewittern
  Hinzieh'n über Berg und Tal, 
Und mit jeder Eiche zersplittern
  Die berührt der himmlische Strahl.
 
O flössen in mir zusammen
  Die Ströme des Lebens all — 
Um, vereint in seligen Flammen
  Aufsprühend allzumahl,
Das süße Leben zu trinken
  Im goldenen Morgenrot,
Und vereint in den Schoß zu sinken
  Dem noch viel süßeren Tod.
oder:

Die Lerchen
 
E
s ziehen die Wolken,
 Es wandern die Sterne, 
Es schweben die Lerchen
  In goldiger Ferne; 
An himmlischer Pforte,
  Beseligten Drangs, 
Erlauschen die Worte
  Seraphischen Klangs.
 
Die Lerche fliegt nieder
  Aus himmlischen Höhen, 
Und was sie gehöret,
  Und was sie gesehen,
Das will sie verkünden
  Den Blumen im Tal, 
Den Wassern, den Winden,
  Mit lieblichem Schall.
 
Die Blumen, die Winde,
  Die Wellen, sie flüstern, 
Erzählen's geschwinde
  Viel trauten Geschwistern: 
Der Mensch geht vorüber
  Und lauschet und glüht, 
Und faßt es in Worte,
  Das himmlische Lied.
oder, ganz schalkhaft:

Die Primeln

S
ieh, Liebchen, hier im Waldestal
das Plätzchen unvergessen,
wo kosend wir zum letzenmal
im letzen Herbst gesessen! 

Und sieh, nun sind in goldner Pracht
hier an derselben Stelle
die ersten Primeln aufgewacht,
als wär's des Lenzes Schwelle!

Siehst du, wie Liebe Wunder tut,
daß wenn der Schnee zerflossen,
dort, wo ein Liebespaar geruht,
die ersten Primeln sprossen?

Nun wollen doppelt eifrig wir,
wenn Moos und Gräsen schwellen,
fürs nächste Jahr im Waldrevier
die Primelsaat bestellen.

Dann lächeln wir ob unserm Streich,
wenn Berg und Täler wimmeln
und keiner weiß, warum so reich
geraten sind die Primeln.

Muß man das alles kennen? Nein, sicherlich nicht. Aber man kann und darf es — und sich daran erfreuen ...

Samstag, 12. Juli 2014

Mancher Leser dieses Blogs

... wird sich vielleicht eines Films erinnern, der vor zwanzig Jahren mit großen Erfolg in den Kinos zu sehen war: »Il postino« — auf gut Neudeutsch mit »Der Postmann« übersetzt, wiewohl der einzige Postmann, den LePenseur kennt, Neil mit Vornamen heißt und sich mit bloß einem »n« schreibt ... denn alle anderen nennt man auf Deutsch eigentlich »Briefträger« (oder, falls man unter Piefkes leben muß: »Postbote« ...). Aber das nur nebenfüglich ...

Dieser sympathische Film lebte nicht nur von der ins Ohr — und, im guten Sinne, ans Herz — gehenden Musik (die auch den, leider einzigen, Oscar von fünf Nominierungen einheimste) und dem tragischen Herztod des Darstellers der titelgebenden Hauptfigur am Tage nach dem Abschluß der Dreharbeiten, sondern sicherlich auch von der menschlich anrührenden, stimmigen Darstellungskunst des anderen Protagonisten — von Philippe Noiret als Pablo Neruda:


Womit wir beim Thema wären: ebendieser Pablo Neruda, geboren am 12. Juli 1904, wäre heute also 110 Jahre alt geworden — und sicherlich ist es neben der Nostalgie vieler Altachtundsechziger, mit der sie (mittlerweile längst im Establishment gut vernetzte und wohlsituierte Mitt- bis Endsechziger) ihrer marxistisch-leninistisch-maoistischen Idole gedenken — damals, als Pille und Minirock eben erfunden waren, als man die Feste noch feiern konnte, wie die Mädels fielen, als noch keine feministischen Klemmzicken was gegen Rudelbumsen einzuwenden hatten, ja damals, als man eben noch jung war ... — gedenken, also sicherlich ist es neben dieser Nostalgie auch der berührenden Darstellung des chilenischen Schriftstellern in diesem Film zu danken, daß Pablo Neruda in weiteren Kreisen, als für verstorbene Literaturnobelpreisträger üblich, bekannt und als sympathischer Mensch angesehen ist, als einer, der das Herz am rechten — d.h. also: linken — Fleck hatte.

Wenn man die linksgestrickte Panegyrik des Kulturjournaillismus' beiseite läßt — ist dieser Ruf eines menschlichen, sympathischen, engagierten Dichters im Falle von Pablo Neruda gerechtfertigt? Nun, ein lesenswertes Buch des Publizisten und Historikers Gerd Koenen »Die großen Gesänge« (mit dem barock ausufernden Untertitel: »Lenin, Stalin, Mao, Castro ... sozialistischer Personenkult und seine Sänger von Gorki bis Brecht — von Aragon bis Neruda«) bringt Hinweise dafür, daß diese Sichtweise wohl zumindest gröblich verkürzend wäre. Da LePenseur nur wenig Lust verspürt, sechs Buchseiten abzuschreiben, folgen diese hier im Faksimile:




Koenen hat sich mit seinem Buch keine Freunde gemacht: das Aufwachen aus dem sozialistischen Traum war und ist wenig erwünscht in unserer vermassten und gegängelten Gesellschaft, die das Wort »Freiheit« wohl stets im Munde, aber nie im Sinne hat ...

Freitag, 11. Juli 2014

Am 11. Juli 1989

... also vor 25 Jahren, starb einer der bekanntesten Schauspieler des 20. Jahrhunderts, The Rt. Hon. Laurence Olivier, Lord Olivier of Brighton, im 83. Lebensjahr.

Der Wikipedia-Artikel gibt einen erschöpfenden Überblick über sein schauspielerisches Wirken — warum also eine gelungene Darstellung durch eine vielleicht weniger gute ergänzen wollen ... Mit dem Tod des edlen Lords, näherhin: mit einem aus diesem Anlaß erschienenen Nachruf, verbindet LePenseur eine heitere Erinnerung (das klingt fast pietätlos, ist aber nicht so gemeint).

Thomas Chorherr, der damalige Chefredakteur der »Presse«, schrieb als besondere Würdigung des verstorbenen Schauspielers u.a.: »Er hat sprechen gekonnt«. Schrecklich! Ein scharfzüngiger Freund von LePenseur kam nicht umhin, diesen Verstoß gegen die Regel des sogen. »Doppelinfinitivs« durch einen — allerdings unpubliziert gebliebenen — Leserbrief zu rügen, in dem (jetzt frei aus seinem Gedächtnis zitiert) so etwa stand:
Dr. Chorherr schrieb im Nachruf über den verstorbenen Lord Olivier: »Er hat sprechen gekonnt«. Das hätte er allerdings nicht schreiben gedurft! Denn als Chefredakteur einer Qualitätszeitung hätte er wissen gesollt, daß es statt »sprechen gekonnt« vielmehr »sprechen können« heißen gemußt hätte!
Thomas Chorherr entschloß sich immerhin mit merklicher Beschämung, mit einem persönlichen Brief auf die Rüge des Fehlers einzugehen ...

Nun — wenn man sich so ansieht, was heutzutage alles in der »Presse« steht, möchte LePenseur melancholisch lächelnd ein »Chorherr hat wenigstens schreiben gekonnt« durch den Sinn gehen ...


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P.S.: soeben sehe ich beim Abspeichern, daß dies der 2000. Artikel des LePenseur-Blogs ist. Nun, das ist schon eine ganze Menge für ein bloßes Hobby ..

Mittwoch, 9. Juli 2014

Wo sie recht hat


... hat sie recht. Wer das »extrem« findet, dem ist nicht zu helfen ...

Und weil's irgendwie gut zum Thema paßt, gleich noch ein
Offener Brief

an
Lutz Marmor (Vorsitzender ARD)
Thomas Bellut (Intendant ZDF)
den ARD-Rundfunkrat und den ZDF-Fernsehrat

Berlin, den 7.7.2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF übertragen zurzeit die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien gemäß ihres Auftrages aus § 4 des Rundfunk-Staatsvertrages zur Übertragung von Großereignissen.
Hierbei fällt auf, dass Sie bei Fußballspielen, an denen die deutsche Nationalmannschaft beteiligt ist – und auch jenseits der eigentlichen Spielübertragung – in drastischer Form einseitig sympathisierend und parteiisch berichten, nämlich immer zugunsten der deutschen Nationalmannschaft. Dies verstößt eindeutig gegen § 11(2) des Rundfunk-Staatsvertrages, nachdem Sie zur »Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung« sowie der »Meinungsvielfalt« verpflichtet sind.
In Deutschland leben 7,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass und weitere neun Millionen Deutsche mit Migrationshintergrund. Auch sind längst nicht alle deutschen Staatsbürger automatisch Fans der deutschen Nationalmannschaft, wie Sie, aus welchem Grund auch immer, vorauszusetzen scheinen. Es sind ja auch nicht alle Bayern Fans des FC Bayern München. Auch die vielen Millionen, die bei der WM nicht der deutschen Mannschaft die Daumen drücken, zahlen Rundfunkgebühren. Mit welchem Recht wird diese Gruppe von Fernsehzuschauern völlig übergangen? Wer entscheidet, dass ARD und ZDF in Gänze immer zur deutschen Nationalmannschaft halten?
Laut Rundfunkstaatsvertrag § 11(1) sollen ARD und ZDF auch »die internationale Verständigung« fördern. Dies wird mit Sicherheit nicht dadurch bewerkstelligt, dass Sie bei der WM ungebremst deutschen Patriotismus und Nationalismus verbreiten, immer die deutsche Mannschaft unterstützen und damit automatisch auch das Ausscheiden der gegnerischen Mannschaft zum gemeinsamen, quasi gesellschaftlichen Ziel erklären – und zwar nicht nur durch die Spiel-Kommentatoren und Expertengespräche, sondern auch in den Nachrichtensendungen, bei An- und Abmoderationen politischer Magazine und sogar bei der Sendung mit der Maus.
Dass die Mehrheit der Fernsehzuschauer in Deutschland womöglich (Hat das überhaupt schon mal jemand erhoben? Gibt es da Zahlen?) Fans der deutschen Mannschaft sind, kann kein Argument für Ihre vollkommen einseitige Berichterstattung und Kommentierung sein, denn dann müssten Sie bei der Bundesligaübertragung auch immer parteiisch für Bayern München sein, weil dieser Verein die meisten Mitglieder hat. Doch während Sie bei der Bundesligaberichterstattung Wert auf fußballerische Neutralität legen, tun Sie das bei Fußballweltmeisterschaften nicht, obwohl es dabei um genau denselben Sport geht. Nirgendwo im Rundfunkstaatsvertrag steht, dass es Ihr Auftrag ist, die deutsche und zudem die nichtdeutsche Bevölkerung zu deutschen Patrioten zu erziehen. Einen anderen Grund für Ihre hartnäckige Einseitigkeit kann ich aber nicht erkennen.

Ich fordere Sie deshalb hiermit auf, Ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen und im weiteren Verlauf der WM endlich objektiv zu berichten und auch den Minderheiten unter Ihren Zuschauern und somit auch dem Auftrag aus dem Rundfunkstaatsvertrag gerecht zu werden.
Ivo Bozic, Journalist
(Quelle)
Was, bitteschön, raucht der Typ? Ein Folgekommentar auf dieses »Offene Brief«-Zitat bringt freilich die nachdenkenswerte Überlegung:
Ist das dem kleinen Scheißer auch aufgefallen, als über die Olympischen Spiele in Rußland gegeifert wurde? Oder generell bei der Berichterstattung über die Ereignisse von Syrien bis zur Ukraine? Natürlich nicht. 
Natürlich nicht, stimmt. Wiewohl LePenseur selbstmurmelnd die Bezeichnung »kleiner Scheißer« für den großen Journalisten Ivo Bozic nicht angemessen findet. Zumindest seiner Größe nach.

Zwar nicht als unmittelbare Antwort auf obigen »Offenen Brief«, aber dessen ungeachtet als perfekte Erwiderung darauf wollen wir den Hochwürdigen Klosterneuburger Chor- & Floridsdorfer Pfarrherrn Alipius C. Müller zitieren, der seine Reaktion auf das Spiel Deutschland vs. Brasilien so schildert:
Ich selbst saß noch ein paar Augenblicke etwas geschockt vor dem Fernseher und schaute dann noch schnell bei facebook vorbei, um die Reaktionen einzufangen.
Dort las ich dann direkt so etwas wie "Freude über historischen Sieg verboten, weil drohende Blutströme in Nahost!" Erstens sähe ich gerne den Menschen, der sich sagt "Okay! Deutschland hat gut gespielt und sensationell gewonnen, also existiert der Nahost-Konflikt nicht". Zweitens ist es - wenn es überhaupt ist - ohnehin genau andersherum: Krieg und Blutvergießen verboten, weil die Welt sich auf andere Art und Weise die Zeit vertreiben kann, wie man soeben in Brasilien sieht.

Ich lasse mir jedenfalls von irgendwelchen Haßkappen nicht die Freude an der WM verderben. Zudem gelingt es mir auch immer weniger, noch solche Leute ernst zu nehmen, die tatsächlich meinen, in der heutigen Zeit seien Raketen, Sprengstoffgürtel, Gewehre und Macheten eine gute Idee. Wer braucht schon halbwegs zufriedene Kinder, die auf der Straße spielen können, ohne in Lebensgefahr zu geraten? Wer braucht schon glückliche Eltern, die am Ende eines Tages ihren Nachwuchs auch tatsächlich wieder in die Arme nehmen können? Wer braucht schon Ausgaben für Gesundheit, Bildung und anderen nutzlosen Kram, wenn man doch mit Waffen so viele interessante Dinge machen kann? Wer braucht schon das gute Gefühl, einem anderen Menschen zu helfen oder gar zu vergeben, wenn es doch so viel einfacher ist, ihn einfach aus dem Weg zu räumen? Wer braucht schon das Gemeinwohl, wenn die einzelnen Ideologien so gut passen?

Während Deutschland gegen Brasilien gewonnen hat, zeigen Israelis und Palästinenser, daß sie offenbar gerne Verlierer sind.

Somit dürfen beide mich herzlich gerne einmal (oder auch mehrmals) kreuzweise. Wer so tut, als habe er aus den Konflikten der Vergangenheit rein gar nichts gelernt und als sähe er sich leider dazu gewungen gottseidank zu den Wafefn greifen zu dürfen müssen, der ist in puncto Zivilisationsinkompatibilität von den Kalifats-Bananenbiegern des IS auch nicht so wirklich weit entfernt.
Dem Befund ist — wiewohl LePenseur gesteht, daß ihn die Fußball-Befindlichkeiten von »Mitbürgern mit Migrationshintergrund« etwa so interessieren wie die offenkundig ersatzhandlungsbedürftigen Erektionsstörungen von IS-Kämpen — eine gewisse innere Berechtigung nicht abzusprechen ...

Nicht nur in Belgien

... ist der Filz von Politik und Kriminalität der äußerst ungustiösen Sorte dicht. So wasserdicht, daß nix durchkommt — wenigstens jahre- bis jahrzehntelang nicht — auch im angeblich so transparent-unkorrupten Albion ...

Pädophilenring in britischer Politik


Bild: (c) Reuters (PAUL HACKETT) 

Mehr als 100 Dossiers, die schwere Vorwürfe gegen Politiker aus den 1980er- und 1990er-Jahren beinhalten, sind am Wochenende plötzlich verschwunden.
London. Nach der Kirche und den Medien haben die Vorwürfe massiven sexuellen Missbrauchs in der Vergangenheit nun auch die britische Politik erreicht. Das Innenministerium in London musste am Wochenende das Verschwinden von mehr als 100 Dossiers mit schweren Vorwürfen gegen Politiker aus den 1980er- und 1990er-Jahren einräumen. Der Labour-Abgeordnete Simon Danczuk meint: „Die Öffentlichkeit wird glauben, dass hier etwas faul ist.“

Danczuk hat erst vor wenigen Wochen den verstorbenen Liberaldemokraten Cyril Smith als Serientäter entlarvt. Smith soll über Jahrzehnte Buben missbraucht haben, das jüngste seiner Opfer soll acht Jahre alt gewesen sein. Seine Aktivitäten waren kaum zu übersehen: „Sein ungesundes Interesse an Buben war allgemein bekannt“, sagt Danczuk. Doch das Establishment hielt eisern zusammen. Als Smith 2010 starb, war er einer der bekanntesten und angesehensten Parlamentarier des Landes. Smith soll keineswegs ein Einzeltäter gewesen sein. Nach Erkenntnissen des Abgeordneten Tom Watson operierte in den 1980er-Jahren ein organisierter Pädophilenring im Londoner Regierungsviertel Westminster. (Hier weiterlesen)
Eine kriminelle Schicht von Politruks samt Entourage in Medien und Bürokratie, mit Verflechtungen zu Justiz und Polizei, spielt »L'Etat c'est Moi!« ...

Bei diesen ebenso unfähigen wie kriminellen Pfeifen muß man ja zum Anarchisten werden ...

Dienstag, 8. Juli 2014

Urlaubszeit

Auch ein emsiger Blogger möchte zwischendurch Urlaub machen. In den nächsten Wochen wird es daher auf diesem Blog etwas weniger »intensiv« hergehen — zwei oder gar drei Postings an einem Tag werden eher kaum vorkommen, vielleicht nicht einmal jeden Tag eines ...

LePenseur hofft, daß ihm seine Leserschaft darob nicht allzu gram ist — und wenn doch, ist es ihm letztlich auch wurscht. Die eigene Erholung ist ihm irgendwie wichtiger. In diesem Sinne:

Gute Erholung von LePenseur!
 


Montag, 7. Juli 2014

Das angebliche »Leuchtfeuer der Demokratie«

... dürfte ziemlich ausgebrannt sein. Oder wie denn sonst kann man sich Vorgänge wie die folgenden erklären:
NSA speichert intime Details normaler US-Bürger

Neun von zehn Personen, die von der NSA überwacht wurden, waren gewöhnliche Internetnutzer. Dabei macht der Geheimdienst auch nicht vor intimen Details halt.

Monatelange Recherchen der Washington Post verdeutlichen, in welchem Ausmaß gewöhnliche Internetznutzer ausspioniert werden. Die Zeitung wertete tausende elektronische Daten aus der ersten Amtszeit von US-Präsident Barack Obama aus, die ihr vom ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden zugespielt worden waren. [...]

Diese enthielten Dokumente, die von den Beamten zwar "nutzlos" eingestuft, aber dennoch aufbewahrt wurden. Dazu zählten private Informationen über Liebesgeschichten, unerlaubte Beziehungen, psychische Probleme oder finanzielle Sorgen. Auf diese Weise wurde das Leben von mehr als 10.000 US-Bürgern scheinbar grundlos dokumentiert.
In Zeiten wie heute, in denen die Sprachverluderung längst den Unterschied zwischen »scheinbar« und »anscheinend« eingeebnet hat, kann man nicht wissen, ob hier mit feiner Klinge die Verlogenheit der Staatsapparate bekämpft wurde, oder ob der Redakteur einfach auf unbedarft tut (bzw. es ist) und noch dazu nicht Deutsch kann.

Denn ganz richtig: nur scheinbar grundlos wurden »Liebesgeschichten, unerlaubte Beziehungen, psychische Probleme oder finanzielle Sorgen« dokumentiert, denn der Grund liegt in der erhofften späteren Verwertbarkeit dieser illegal erworbenen Erkenntnisse, um jemanden bei Bedarf gezielt zu diskreditieren (oder wenigstens leichter erpressen) zu können.

Wer gegen diese Staatsallmacht aufbegehrt wird — wie z.B. die Tea-Party — durch gelinkte Verfahren und Prüfungen der US-Steuerverwaltung eingeschüchtert und mundtot gemacht. Wer immer noch weiter aufbegehrt, kann jederzeit bspw. durch Einsatz von Drohnen weggebombt werden (inkl. unschuldiger Umgebung), oder landet ohne Prozeß in Foltercamps irgendwo in den Pampas von NATO-Verbündeten ohne  (bzw. mit nur verdammt wenig) Rechtsstaatlichkeit (Türkei, Polen & Co.), und was dergleichen Methoden zur »Disziplinierung« mehr sind.

In meiner Jugendzeit pflegte man dergleichen als »Diktatur« zu bezeichnen. Heute nennt es sich längst »Demokratie« und soll weltweit unter Führung der USA etabliert werden ...

Österreichs proletoide Innenministerin

(... und denen sagen wir: »Her mit dem Zaster! Her mit der Marie!« — man erinnert sich) Mikl-Leitner hat bereits die nächste Schnapsidee auf Lager:
Mikl-Leitner: Ja zu mehr Flüchtlingen

Aufteilung soll nach einem fixen Schlüssel erfolgen. „Das Mittelmeer ist schon viel zu lange eine Todeszone“, sagte die Innenministerin.

Wien. Die Flüchtlingstragödie im Mittelmeer nimmt immer dramatischere Ausmaße an: Seit Jahresbeginn erreichten 66.000 Flüchtlinge Italien, dies sind bereits mehr als im Gesamtjahr 2011 – das bisher die höchste Flüchtlingszahl aufwies. Das Thema steht deshalb zuoberst auf der Agenda des EU-Innenministertreffens am morgigen Dienstag in Mailand.

Österreichs Vertreterin, Johanna Mikl-Leitner, fordert nun europaweite Resettlement-Programme – dies hat die Regierung bisher stets abgelehnt. „Das Mittelmeer ist schon viel zu lange eine Todeszone“, sagte die Innenministerin. Daher müsse die Möglichkeit geschaffen werden, „dass jene Menschen, die vor Verfolgung flüchten und Schutz brauchen, auch die Möglichkeit haben, lebend nach Europa zu kommen“.

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR wirbt seit Jahren für die Resettlement-Programme. Laut UNHCR-Definition handelt es sich dabei um die „dauerhafte Neuansiedlung verletzlicher Flüchtlinge in einem zur Aufnahme bereiten Drittstaat, der ihnen vollumfänglichen Flüchtlingsschutz gewährt und eine Integrationsperspektive eröffnet“. In Österreich müssten die Flüchtlinge keinen Asylantrag stellen, den Behörden stünde es jedoch zu, sie einem Sicherheitscheck zu unterziehen. Die Flüchtlinge sollen laut Mikl-Leitners Vorschlag nach einem fixen Schlüssel, proportional zur Bevölkerungszahl, auf die EU-Staaten aufgeteilt werden. 
.... schreibt »DiePresse« (von APA ab — aber das sind wir längst gewohnt). Wüßte man nicht, wes Geistes Kind diese Politikerin ist (sie wurde einst von ihrem berufsalkoholischen Landeshauptmann als Quotze und Zuträgerin in die ÖVP-Regierungsfraktion reklamiert), bliebe einem einfach der Mund offen stehen über derartige Blödheit. Was soll ein Volk, das mit solchen Politikern geschlagen ist, eigentlich tun? Eine Abwahl ist faktisch unmöglich, da die Parteien sich gegen solche Versuche durch geschickte Legistik weitgehend gesichert haben. Auch Laternen gewinnen nicht an Leuchtwert und Schönheit, wenn Politruks daran baumeln — aber ein Kommentar-Poster der »Presse« hatte den richtigen Einfall:
Was geschieht eigentlich mit den Flüchtlingsbooten wenn die Flüchtlinge gerettet sind?
In ein paar Jahren ist die ÖVP ohnehin Geschichte. Könnten die Boote nicht, wenn sie leer nach Afrika zurückfahren, die Mikl-Leitner mitnehmen?
 Sapristi! C'est une idée!

Hundert notwendige Gedichte XI — Conrad Ferdinand Meyer: »Morgenlied«

  Mit edeln Purpurröten
Und hellem Amselschlag,
Mit Rosen und mit Flöten
Stolziert der junge Tag.
Der Wanderschritt des Lebens
Ist noch ein leichter Tanz,
Ich gehe wie im Reigen
Mit einem frischen Kranz.

  Ihr taubenetzten Kränze
Der neuen Morgenkraft
Geworfen aus den Lüften
Und spielend aufgerafft –
Wohl manchen liess ich welken
Noch vor der Mittagsglut;
Zerrissen hab ich manchen
Aus reinem Übermut!

  Mit edeln Purpurröten
Und hellem Amselschlag
Mit Rosen und mit Flöten
Stolziert der junge Tag –
Hinweg, du dunkle Klage
Aus all dem Licht und Glanz!
Den Schmerz verlorner Tage
Bedeckt ein frischer Kranz.


Conrad Ferdinand Meyer — oft als bloßer Vers-Artist geschmäht — versteht es wie nur ganz wenige Dichter, geradezu erschütternde Inhalte in reine, vollendete Form zu kleiden. Diese Gedichte erinnern mich — man verzeihe den gewagten Vergleich — an Teilnehmer an einer Beerdigung, deren Pietät gegenüber dem Verstorbenen ebenso wie ihre Selbstachtung es ihnen nicht erlaubt, sich in ihrer Trauer gehen zu lassen. Man erschrickt über den Schmerz, den man freilich nicht in lauten Klagen, oder in Gesten, sondern nur in den verschleierten Augen erkennt ...



Sonntag, 6. Juli 2014

Yeah Yeah Yeah

Heute vor fünfzig Jahren, am 6. Juli 1964, hatte der Beatles-Film »Yeah Yeah Yeah« Premiere. Die deutsche Wikipedia informiert darüber hinlänglich, auch über das bekannte Ulbricht-Zitat in diesem Zusammenhang ...



Was immer man von Ulbricht halten mag (und LePenseur hält, wenig überraschend, endenwollend viel von ihm) — aber daß er mit seinem Einwand der »Monotonie des Yeah-Yeah-Yeah« so ganz und gar danebengetroffen hätte, wird man ehrlicherweise wohl nicht behaupten können. 

Ulbricht hörte lieber Beethovens Neunte Symphonie — und wiewohl Beethoven nicht zu LePenseurs Lieblingskomponisten zählt, ist er hier durchaus auf Ulbrichts Seite: des Menschen Leben ist zu kurz, um es mit dem Anhören schlechter Musik zu verplempern! Es gibt allein auf Youtube so viele ausgezeichnete und dabei heutzutage völlig unbekannte Symphonien*) zwischen — sagen wir mal — 1830 und 1860 anzuhören, daß man sich vermutlich ein Jahr lang jeden Tag eine andere anhören könnte. Und jede davon mindestens (!) auf einem musikalischen Niveau eines der bestens Songs der Beatles (die ja ihrerseits schon turmhoch über den meisten ihrer Zeitgenossen aufragten).

Nein — der Herr Staatsratsvorsitzende und Erste Sekretär des ZK der SED hatte schon irgendwie recht mit seiner Wortmeldung ...


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*) nehmen wir bloß ein x-beliebiges Jahr her — mit der Suche »Symphony+1831« erhält man schon auf den ersten Seiten:
Felix Mendelssohn-Bartholdy, Symphonie Nr. 4 (okay, die ist nun alles andere als unbekannt!)
Richard Wagner, Symphonie C-Dur (auch Wagner kennt man — aber seine Symphonie?)
 

Samstag, 5. Juli 2014

Zigeunermúsi, ganz klassisch

Muß man den Komponisten János Lavotta, der heute vor 250 Jahren, am 5. Juli 1764, geboren wurde, kennen? Sicher nicht — aber es schadet auch nicht:


»Zigeunermúsi«, wie man das in meiner Jugend- und frühen Erwachsenenzeit noch nennen durfte. Heute sagt man politisch korrekt und hochwissenschaftlich »Verbunkos« dazu. Na und ...?

Freitag, 4. Juli 2014

Natürlich keineswegs

... um irgendwelche belanglose Bikini-Beauties hier abzubilden, sondern um dem Informationsauftrag eines tagesaktuellen Blogs nachzukommen, ist LePenseur heute veranlaßt, ein paar Photos der neuen

MISS AUSTRIA 2014

zu bringen. Nur deshalb! Nicht etwa, weil sie ziemlich blond ist und eine nette Oberweite (zwei kleine Handvoll) hat, selbstmurmelnd ... Eh voilà:

JULIA FURDEA

einmal stolz in der Brust, siegesbewußt ...
 

dann be-sinnlich hingegossen:


Doch die bloggeristische (blogistische?) Informationspflicht ruft, und so sieht sich LePenseur genötigt, wenigstens einige Vorgängerinnen der neuen Preisträgerin zu zeigen (wie wollte man sonst denn evaluieren, ob der Standard der Missen sich verbessert, verschlechtert oder gleichbleibt) ... ... alsdern, da hätt'ma amal:

Doris Hofmann
(Miss Universe Austria 2013) 


Amina Dagi
(Miss Austria 2012)


Carmen Stamboli
(Miss Austria 2011)


Valentina Schlager
(Miss Austria 2010)


Anna Hammel
(Miss Austria 2009)


dann überspring'ma ein paar Missen und nehmen noch

Silvia Hackl
(Miss Austria 2004)


Nun sind die p.t. Leser (welche selbstverständlich auch die Leserinnen inkludieren — anderes nehmen nur Feministen und Genderisten an) aufgefordert, eine möglichst breite Evaluierung vorzunehmen, und die Kommentarfunktion zu nutzen! Viel Vergnügen — es gibt weitaus unangenehmere Themen, zu denen man sich bisweilen äußern soll oder gar muß ...