Ein Artikel von Walter Eichelburg unter dem hübschen Titel »
Politexitus« hinterläßt den Leser etwas ratlos. Meint Eichelburg es wirklich ernst, wenn er bspw. schreibt:
Ab 1917 haben Revolutionen in Europa
einige Monarchien beseitigt und Republiken oder Diktaturen an deren
Stelle gesetzt: Russland, Österreich-Ungarn, Deutsches Kaiserreich. Die
Ursache für die Revolutionen war der 1. Weltkrieg, die Völker hatten ihn
satt und die unfähigen Kaiser auch. In Wirklichkeit wurden diese
Monarchen aber durch Tricks von US-Finanzinteressen in diesen Krieg
gehetzt, ohne dass sie es durchschauten. Damit und mit dem 2. Weltkrieg
konnten die USA zur Weltmacht aufsteigen.
Jetzt kommt auch wieder eine Revolution,
aber in die Gegenrichtung: hin zu absolutistisch regierenden Kaisern
und Königen. Und zwar zumindest in ganz Europa.
Ach, wirklich? Man weiß nicht, ob man schmunzeln soll, oder — in Kenntnis der Geschichte — mit der Hand entsetzt die Augen bedecken ... will Eichelburg uns wirklich einem »Willy II redivivus« ausliefern? Oder einem Zar Nikolaus? Oder irgendeinem bigotten Habsburger à la Franz Ferdinand? Oder ...
Monarchien sind ja ganz nett, wenn sie von der Operetten-Seite her genommen werden. Wenn es darum geht, daß diese vorgeblichen »Von-Gottes-Gnaden«-Herrscher dann tatsächlich was zu sagen haben, wird es üblicherweise eher unerquicklich. Politik ist ein Geschäft, das den Charakter verdirbt, wissen wir. Solange sich Könige unpolitisch als Galionsfiguren und (bestenfalls) »Legalitätsreserve« betätigen, geht es ja — aber mir kann keiner erklären, warum ein ererbtes Geschäft, das den Charakter verdirbt (und Macht verdirbt den Charakter zweifellos) besser sein soll, als eines, in das man gewählt werden muß.
Auch die Hinweise von Hoppe über die geringere Steuerlast in Monarchien beziehen sich eigentlich nur auf eine eher kurze Periode des herrschenden Liberalismus im späten 19. Jahrhundert — also einer Übergangszeit, als die Monarchen doch schon weitgehend machtlos waren. Sicherlich wären Zustände wie damals durchaus wünschenswert, nur verkennt der Wunsch danach, daß eine solche Übergangszeit, in der die tatsächliche Macht z.B. längst bei einem Bismarck lag, dieser sich aber »mental« noch als loyaler Diener seines Monarchen sah, nur für kurze Zeit Bestand haben konnte. Ein solches System mußte sich entweder zurück in die Bahnen des »persönlichen Regiments«, oder eben in Richtung auf eine parlamentarische Regierungsform entwickeln.
Was parlamentarische Regierungsform bedeutet, wissen wir nur zu genau: die Herrschaft von vielen Apparatschiks und einigen Demagogen zu Lasten der Bürger. Was hingegen die echte, also: die absolute Monarchie bedeutet — nun, das könnte man aus der Geschichte lernen, wenn man das nur wollte. Aber da ist es viel leichter, ein griffiges Schlagwort in die Runde zu werfen und zu hoffen, daß das alles, wenn es bloß anders wird, dann auch besser sein wird.
Eine Hoffnung, die oft betrogen und allzu selten erfüllt wurde ...