Dienstag, 10. September 2013

Osmanenträume

... platzen derzeit, vorerst wenigstens wirtschaftlich:
Vorbei mit dem türkischen Wunder

Die Türkei schlittert in eine handfeste Wirtschaftskrise

Die hochgeschriebene Wirtschaftsmacht Türkei scheint erkrankt. Analysten prognostizieren dem Land am Bosporus den Weg in eine Rezession.

So schreitet der Wertverlust der türkischen Lira unaufhaltsam voran. Das Wall Street Journal berichtet, dass der Istanbul Stock Index seit seinem Rekordhoch im Mai ein Drittel an Wert verloren habe.

Türkische Weltwirtschaftsphantasien

Die Zinsen auf türkische Anleihen seien bislang auf zehn Prozent gestiegen und haben sich somit verdoppelt. Als Maßnahme nutzte die Türkische Zentralbank 15 Prozent der Netto-Dollarreserven.

Noch im vor einem Vierteljahr prahlte Premierminister Recep Tayyip Erdogan, dass die Türkei zu einer Weltwirtschaftsmacht aufsteigen und demnächst zu den Top-Ten gehören werde.

Solche Höhenflügen gehören der Vergangenheit an. „Die Zeiten, in der Türkei als Liebling des Marktes galt, sind vorbei, so der türkische Chefökonom der Burgan Bank Mert Yildiz. Die Türkei werde entweder eine ausgeprägte Krise oder Jahre des langsamen Wachstums, die Rezession zu spüren bekommen.

(Hier weiterlesen)
Nun, wir werden ja sehen, ob die eifrige Schürung des Syrien-Konfliktes durch Ankara die politischen Großmachtträume des GröTAZ verwirklichen wird. Selbst wenn: es wäre ein Koloß auf tönernen Beinen ...

Manch Bild sagt mehr als tausend Worte II


Siehe auch hier.

Montag, 9. September 2013

Zeitlose Wahrheiten

Es geht uns bei Weitem nicht so gut, 
wie das nach außen hin den 
Anschein hat.

Georg Kapsch, Präsident der Industriellen-Vereinigung Österreich

Tess

Gestern war Roman Polanskis großes tragisches Liebesepos »Tess« mit der berückenden Nastassja Kinski im Arte-Abendprogramm zu sehen:


War das Programm eine verspätete Hommage zu Polanskis 80. Geburtstag? Vermutlich, denn zu seinem Geburtstag am 18. August hatte man natürlich weitaus wichtigerer Dinge zu gedenken — so etwa seines internationalen Haftbefehls wegen Kindesmißbrauchs.

Manche werden nun den leicht vernehmlichen Ton der Ironie (der ja nun schwer zu überlesen ist) mißbilligen, und LePenseur der Inkonsequenz, ja der Voreingenommenheit zeihen, wo er doch über die Kinderschänder-Vergangenheit der GrünInnen-Partei durchaus ätzende Worte fand. Dennoch sei gesagt: es gibt hier nicht unerhebliche Unterschiede. Denn es ist eben nicht dasselbe, ob eine Partei einen gesetzlichen Freibrief für »Pädo-Sex« gesamtgesellschaftlich durchsetzen will, und entsprechende Vereinigungen (pun intended) ihrer Mitglieder nicht bloß duldet, sondern aktiv fördert, oder ob ein Mann mit Neigung zu jungen Mädchen dieser Neigung folgte und mit einer damals 13-jährigen Sex hatte, die als Erwachsene mehrfach ausdrücklich keine Bestrafung Polanskis wünschte, sich erleichtert über die Verweigerung seiner Auslieferung seitens der Schweiz zeigte, und angewidert war vom Medienrummel und die ohne Rücksicht auf ihre persönlichen Interessen arbeitende Justiz, welche überaus zweckmäßg den hehren Grundsatz des fiat justitia mit einem erfolgreichen Mediencoup für den damals um seine Wiederwahl bangenden Staatsanwalt zu kombinieren verstand.

Und es macht auch noch einen Unterschied, ob man mit einer frühreifen 13-jährigen ins Bett geht, die in der Schule von unseren staatlichen Verhütungs-Fuzzis problemlos Sexkoffer, Pille, Kondome und Abtreibungen angedient bekommt, oder ob man sich als grüner Kindergärtner — natürlich rein pädagogisch-antirepressiv-emanzipatorisch! — daran erfreut, daß einem die 5-jährigen Bubis und Mädis den Schwanz befummeln.

Doch zurück zum Film. Er ist von der Bildregie und den schauspielerischen Leistungen — nicht nur, aber eben doch vor allem Nastassja Kinskis — ein Meisterwerk. Dennoch hinterläßt er insgesamt einen etwas zwiespältigen Eindruck, wenngleich das Verdikt des einflußreichen Filmkritikers Roger Ebert, die Handlung sei die einer Soap Opera, doch etwas harsch erscheint (Nastassja Kinski lobte er hingegen wegen ihrer Jugend und frischen Naivität) — so gesehen könnte man bspw. auch »Effi Briest« als Herz-Schmerz-Roman abtun. Das Drehbuch wäre aber in der Tat verbesserungsfähig gewesen ... aus dem Thema wäre dann (noch) mehr zu machen gewesen. Und so großartig die Bilder, die Szenerie und v.a. die Lichtregie sind — die Musik wechselt, wenigstens für LePenseurs Geschmack, zwischen stimmig und stellenweise einfach »danebengelungen«. Schade irgendwie.

Insgesamt war's ein Abend von nostalgischer Wiedersehensfreude. 1979/80 war LePenseur zwar im hektischen Abschluß seiner Studien und deshalb für filmische Novitäten eher unabkömmlich. So blickt er nun mit Wehmut in frühere, jugendlichere Jahre zurück und holt damals Versäumtes nach. Oder versucht es wenigstens. Und denkt wie Ottokar Kernstock in seinem Herbst-Gedicht: »Schal ist das Glück und der Genuß / Wenn unsrer Jugend Sonne sank« ...


Die Ratlosigkeit ist im Mainstream angekommen

Eigentlich wollte ich heute ja über ganz was anderes schreiben (vielleicht komme ich später noch dazu), aber dann fiel mein Blick auf einen Artikel Michael Fleischhackers, des ehemaligen Chefredakteurs der »Presse«:
Wer Veränderung will, muss SPÖ und ÖVP die Stimme verweigern

In der Schlussphase des Wahlkampfs konzentriert sich das politmediale Establishment darauf, die Oppositionsparteien als „unwählbar“ zu brandmarken. Hoffentlich funktioniert das nicht.

Derzeit wird allenthalben für die Endphase des Nationalratswahlkampfs klar Schiff gemacht. Damit wird auch das Ziel, das die etablierten Parteien und die etablierten Medien gemeinsam verfolgen, immer deutlicher: Es soll alles so bleiben, wie es ist. Das erklärte Ziel des politmedialen Komplexes ist die Neuauflage der Großen Koalition, eventuell ergänzt um die Grünen. Alles andere käme einem Experiment gleich, und Experimente gelten als gefährlich. Wer weiß, was dabei herauskommt.

Natürlich ist der Wunsch, dass im Wesentlichen alles so bleibt, wie es ist, genauso legitim wie der Wunsch nach Veränderung. Wer vom Istzustand profitiert, hat ein Interesse an seiner Fortsetzung, wer sich durch den Istzustand materiell, ideologisch oder politisch-ästhetisch eingeschränkt fühlt, plädiert für Veränderung. So weit ist das, was wir jetzt sehen, ziemlich gewöhnlich.

Ungewöhnlich ist eher, wie sehr sich die medialen Systemerhalter derzeit für Michael Spindelegger und seine ÖVP ins Zeug werfen. Je deutlicher sich abzeichnet, dass das medial inszenierte Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPÖ und ÖVP, das durch die Umfragerohdaten von Beginn an nicht gedeckt war, nicht stattfinden wird, umso schärfer wird gegen jene beiden neuen Gruppierungen geschossen ...
(Hier weiterlesen)
Wenn sowas — wenngleich etwas versteckt in der Kolumne »Meinung: Fleischhacker am Montag«, und nicht als Leitartikel — sogar in einem klassischen Mainstream-Medium erscheinen kann, dann sind die Verfallserscheinungen des politmedialen Komplexes (der im Artikel auch exakt mit diesen Worten bezeichnet wird!) unübersehbar. Dann wird die für diese SPÖVP-Regierung eisern aufrechterhaltene Loyalität der Systemmedien (ORF, Krone, ProFormaNews, Österreich & Co.) unübersehbarer Ausdruck ihrer korruptiven Käuflichkeit: ein serviles Dankeschön quasi für die über 120 Millionen (!) Euro, die die beiden Regierungsparteien im Jahr 2012 an »ihre« Journaille durch Inseratenkampagnen und sonstige Zuwendungen herabregnen ließen.

Wer hätte gedacht, daß einmal in der »Presse«, dem Hort gutbürgerlicher Staatsgläubigkeit, ganz ähnliche Töne angeschlagen würden wie auf diesem — zwar ditto gutbürgerlichen, doch eklatant staatsungläubigen — Blog ...

Sonntag, 8. September 2013

Hilfe, wen kann man denn wählen? — Teil I

Im September 2013 gibt es sowohl in Deutschland wie auch in Österreich Parlamentswahlen. Aus letzterem Anlaß läßt »Die Presse« Oliver Pink (nomen est omen?) im Kaffesud lesen, und dieser wagt daher folgende Prognose für die österreichische Nationalratswahl am 29. September:
Noch 24 mal-schlafen, dann ist Nationalratswahl. Zeit also für eine erste Prognose. Meine erste Prognose.

Die SPÖ verliert leicht, bleibt aber mit relativ deutlichem Vorsprung auf Platz eins. Das Stammwählerpotential reicht dafür aus.

Die ÖVP verliert wesentlich stärker, bleibt aber auf Platz zwei. Spindelegger muss gehen. Mitterlehner wird Parteichef.

Die FPÖ gewinnt ein wenig hinzu. Für Platz zwei reicht es aber nicht.

Die Grünen erreichen das beste Ergebnis ihrer Geschichte, können die FPÖ aber nicht überholen.

Das Team Stronach holt irgendwas über 7 Prozent, bleibt aber hinter den Grünen. Die Neos kommen in den Nationalrat. Sie wären auch ohne Hans-Peter Haselsteiner hineingekommen. Er birgt möglicherweise die Gefahr, dass die bisher unangreifbaren Neos wegen Strabag-Schmiergeldvorwürfen angreifbar werden. Die Grünen werden darauf im Eigeninteresse nicht hinzuweisen vergessen.

Das BZÖ bleibt knapp, aber doch im Nationalrat. Vom letzten Mal sind 11 Prozent übrig, da sollten sich 4 Prozent irgendwie ausgehen. Allerdings: Von allen Tipps erscheint mir dieser am riskantesten. Wertgegenstände würde ich auf einen BZÖ-Wiedereinzug nicht verwetten.

Habe ich wen vergessen? Ja, die KPÖ. Sie schafft es wieder nicht. Und die Piraten - sie schaffen es auch nicht.
Nun, rosarot (bzw. pink) kann die Brille von Journalisten manchmal sein … die Realität wird — hoffentlich! — anders aussehen. Im Gegensatz zu Oliver Pink nicht mit Prophetengabe ausgestattet, wagt sich LePenseur nicht an solch detailreiche Ausmalung künftiger Kräfteverhältnisse. Ihn interessiert vielmehr, was so ein »Pink’sches Wahlergebnis« in der Praxis bedeuten könnte.

Nun, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit den Verlust der absoluten Mandatsmehrheit für die SPÖVP, und damit die Erweiterung der Koalitionszwillinge auf Koalitionsdrillinge. Und dafür gäbe es zwar theoretisch jede Menge Kandidaten, aber praktisch eben doch höchstens drei, aber genau genommen nur einen. Denn die FPÖ wird weder von der nach der Ära Schüssel von den Sozen handzahm gefütterten ÖVP an Bord geholt werden, noch von den Sozen selbst, weil da jede Menge mit einflußreichen Versorgungsposten versorgte Paddeigenossen wohl vor Schreck tot umfielen. Wird’s also net spielen.

Das BZÖ wird wohl auch nicht in Frage kommen, weil speziell die ÖVP, die ja vor ihrem Wahlfiasko von 2006 mit dem BZÖ eine Koalition bildete, die auch bei ihr bloß schlafenden (und zwar höchst unruhig schafenden Korruptions-)Hunde nicht wecken will. Bleiben also (wenn die pinke Prognose stimmen sollte) noch die NEOS, Stronach und die Grünen.

NEOS und Stronach sind Newcomer, denen eine »alterfahrene« Partei wie die SPÖVP wohl nicht sofort den Einstieg in die Regierung zutrauen wird. Zu unberechenbar wäre ihr Einfluß auf den täglichen mafiosen Filz bei Postenvergaben, Subventionen — überhaupt dem politischen Tauschhandel aller Sorten! Das Team Stronach hätte noch die zusätzliche Belastung, daß ihr allgewaltiger Chef, also Stronach himself, ohne den (und dessen Millionen) die Gruppe einfach inexistent wäre, sicher nicht in eine Regierungsfunktion gehen wird. Somit hätte man quasi eine Kolition mit einem Regierungspartner, dessen Parteichef ganz nach Gusto und halbwegs glaubwürdig zwischendurch auch auf Oppositionspolitiker schalten könnte, um Druck zu machen. Wird die SPÖVP net wollen.

Die NEOS wieder wären eine fußmarode Ansammlung von ehemaligen Liberal-Foris, ang’fressenen ehemaligen Jung-ÖVPlern und ein paar sonstigen linksliberalen Spinnern, denen die Kandidatur Haselsteiners auch nicht etwas wie Seriosität verleihen kann (v.a. wenn man dessen jüngst geäußerten Schnapsideen über 95% Steuersatz für »Superreiche« betrachtet). Will man, kann man mit so jemandem eine Koalition bilden? Ähem ... ...

Bleiben also die GünInnen. Diese sind mittlerweile hinreichend vom politischen Establishment (mit, teils als Staatsaufträge getarnten, teils offenen Subventionen an Unternehmen und Organisationen von GrünInnen — die Chorherr-Family, Langthaler & Co. sind da nur die Spitze des Eisbergs — korrumpiert worden, und in einigen Landesregierungen sowohl mit ÖVP als auch SPÖ verbandelt, daß die SPÖVP sich nach dem Motto »Geben wir denen ein paar Spielwiesen (wie: P.C.-Newspeak, Gender, Ökowahn & Co.), dafür lassen sie uns weiter ungestört um das Big Business mauscheln« mit einer Regierungsbeteiligung eines Dritten abfinden könnten. Womit der korruptive Niedergang unserer Republik noch um die ideologischen Daumenschrauben früher offen linksextremer Fanatiker, die ihre feuchten Träume von Planwirtschaft und Gesellschaftsveränderung jetzt endlich in »ökologischer« Tarnfarbe umsetzen wollen, verschärft würde.

Nun, welche Wählerstrategie könnte diese Entwicklung verhindern, oder wenigstens erschweren?

Jede Stimme für die SPÖVP ist eine für die Verlängerung des für die Politruks und ihr Gefolge — aber eben nur für diese! — profitablen, für den Staat jedoch ruinösen, zunehmend sklerotischen Selbstbedienungsladens genannt »Österreich«. Wer die wählt ist entweder selber schuld, oder er will damit bloß seine Schäfchen ins Trockene bringen.

Jede Stimme für die GrünInnen bewirkt letztlich exakt dasselbe. Und bringt zusätzlich noch eine herbe Note von pseudofortschrittlichem, spaßbremsig-oberlehrerhaftem Unfehlbarkeitsdünkel in unser Leben — als ob wir davon nicht ohnehin schon mehr als genug hätten …!

Auch eine Stimme für Stronach ändert an diesen unerfreulichen Konsequenzen wenig — es sei dann, Stronach schaffte am 29. September einen absolut fulminanten Wahlsieg, mit dem er die GrünInnen hinter sich läßt, und mit der FPÖ gleichzieht oder sogar auch diese überholt. Aber danach sieht’s nach den etwas, sag’ma mal: krausen Diskussionsmeldungen des greisen Polit-Newcomers nicht wirklich aus. ein Stimme für Stronach wäre außerdem zumeist keine Stimme für die FPÖ (oder das BZÖ), würde also nur die präsumptive Opposition zersplittern, ohne deshalb eine Oppositionspartei als Alternative zur Regierungskoalition herauszuheben.

Stimmen für NEOS (das freilich mit Vorbehalt gesagt!) und das BZÖ sind sicherlich nicht von vorneherein kontraproduktiv, können es aber werden, wenn die gewählte Liste den Einzug ins Parlament doch nicht schafft. Und das ist eben bei beiden durchaus möglich, und führte dazu, daß sich bei einem Scheitern beider Gruppen mit jeweils knapp unter 4% eine SPÖVP-Absolute doch noch ausgeht — und Österreich untergeht. Denn das wäre für Faymännchen & Spindi die ersehnte »Bestätigung«, mit der sie weitere fünf Jahre am Sessel kleben.

Wer diese Schrecklichkeiten mit einiger Erfolgsaussicht wenngleich nicht verhindern, so doch wenigstens minimieren will, wird wohl 2013 um eine Stimme für die FPÖ nicht herumkommen. Natürlich, wiss’ma, die sind nicht »liberal« — im rechten, will sagen: nicht linken Sinne des Wortes! — genug, aber sie sind es immer noch mehr, als die anderen (vielleicht mit Ausnahme des BZÖ, wenn sich dort Buchers Kurs durchsetzt, was noch nicht sicher ist). Und natürlich sind sie »populistisch« — so what?! Sind das die SPÖVP mit ihrer primitiven Klientel-Politik der Wahlversprechen, und die GrünInnen mit ihrem Appell ans linke Spießertum der selbsternannten »Guten« nicht ebenso?Nur eben in anderen Populationen ...

Und natürlich gibt es »Ewiggestrign« in der FPÖ, aber die gibt’s ebenso (und in weitaus entscheidenderer Position!) bei den GrünInnen und Sozen — oder sind marxistische Alt68er etwa weniger »ewiggestrig« als Nazi-Nostalgiker? Und es gibt sie wohl auch bei der ÖVP, die ja immer auch noch ein paar »christlich-soziale« Tradi-Katholen anzieht. Diese Fossilien sind doch in Wahrheit sowas von wurtscht … werden aber vom Rotfunk und den sonstigen Systemmedien bei der FPÖ thematisiert. Warum wohl?

Sicherlich: es gibt auch in der FPÖ genug (nein: zu viele!) Sozen. Aber die gibt es inzwischen in jeder Partei im Nationalrat: in der SPÖ sowieso, in der ÖVP aber genauso (das »Her mit dem Zaster!« dieser Prölletin ist uns allen ebenso im Ohr, wie die gewerkschaftlichen Rülpser dieses unsäglichen Herrn Neugebauer), von den Grünen nicht zu reden. Die im Vergleich wenigsten Staatsparasiten sind eigentlich noch immer in der FPÖ-Fraktion zu finden — man sehe sich doch einmal die Berufskarrieren der NR-Abgeordneten an!

Das Vorstehende macht aus der FPÖ sicherlich noch keine Partei, für die man mit vehementer Begeisterung stimmen müßte — aber im Vergleich mit den Blockparteien »SPÖVP + Grüne« gibt es keinerlei Grund, über jene schlechter zu denken, als über diese.Aber doch einige, über sie besser zu denken.

Daß »dank« Stronach (aber nicht nur deshalb) das BZÖ vielleicht bald der Geschichte angehören wird, und ebenso die politisch korrekten Jungs & Mädels der NEOS ihre höchst lauwarme Neuauflage des LiF ab Ende September wohl nur außerparlamentarisch werden weiterpflegen können, dafür aber eine konturlose Protestpartei mit einem Uralt-Spitzenkandidaten für weitere fünf Jahre »Systemstabilisierung« sorgt — ganz im Sinne der Großkoalitionäre (die freilich längst nicht mehr »groß« sind, sondern bestenfalls knapp über der Mandatsmehrheit notieren werden) — ist eigentlich eine Ironie (oder sollte man sagen: ein Treppenwitz?) der Geschichte.

Die Pointe, die dafür irgendwann serviert werden wird, dürfte uns freilich im Hals steckenbleiben …

Samstag, 7. September 2013

So ein Pech!

Jetzt ist er ihnen doch glatt ins Jenseits ausgebüchst, der Rochus Misch, von dem »Die Presse« unter der Schlagzeile
"Der letzte Zeuge": Hitlers Leibwächter ist tot
eher belanglose Textbausteine zum intendierten Erschauern ihrer Leser häckselt:
Der ehemalige Leibwächter von Adolf Hitler, Rochus Misch, ist nach längerer Krankheit in Berlin gestorben. Das gab sein Sprecher, Burkhard Nachtigall, am Freitag bekannt. Der 96-jährige Misch galt als letzter noch lebender Zeuge, der das Ende von Adolf Hitler im "Führerbunker" in Berlin miterlebt hat.

Im Bunker arbeitete der langjährige Leibwächter des Diktators, den er stets als "Chef" bezeichnete, auch als Telefonist. Auf die Frage, wie er dazu gekommen sei, meinte er in einem Gespräch mit dem "Spiegel" im Jahr 2004: "Ich war gar nichts, nur Soldat wie viele Millionen andere auch. Aber ich war Waise, und die warben mit der Aussicht, Beamter zu werden. Und da dachte ich, warum soll ich nicht in den Staatsdienst gehen. So kam ich zur SS-'Leibstandarte Adolf Hitler'."

Hitler selbst sei nicht brutal gewesen, erzählte Misch ein Jahr darauf der Nachrichtenagentur "AP", sondern ein "ganz normaler Mann". "Er war kein Monster. Er war kein Supermann", wurde er zitiert.
(Hier weiterlesen)
Schon allein für diesen letzten Satz wäre es natürlich nur gerecht gewesen, in der Aktion »Operation Last Chance« diesen Unhold, der Hitler nicht als Monster bezeichnet, wegen ... na, wegen ... na, wegen irgendwas halt ... lebenslänglich einzubuchten! Und jetzt? Jetzt schauen der Staatsanwalt und die Wiesenthal-Centristen etwas belämmert aus der Wäsche. Wenigstens bis zu € 25.000,00 an »Belohnung für wertvolle Hinweise« gespart, nach dem Motto: Nix Böses ohne was Gutes ...

Rochus Misch hatte nach dem Zweiten Weltkrieg eine jüdische Frau und mit ihr eine Tochter, die eine Zeit lang in einem Kibbuz lebte, schreibt ein Poster, der's aus einer Dokumentation weiß. Ein anderer Poster entrüstet sich: »Ein Mensch, der Millionen Leute umbringt und den größten Krieg der Welt anzettelt galt für Misch als "normal". Wie krank geht's noch?« — und wieder einer mutmaßt: »Also wurde der Herr in Deutschland nie angeklagt?! Oh, oh, das kostet wieder zwei U-Boote der neuesten Generation.« Beide Postings unter lebhafter Zustimmung und Ablehnung der p.t. »Presse«-Leser ...

Mischs SS-Karriere endete in der schwindelerregend hohen Position eines Oberscharführers, was also im deutschen Heer einem Feldwebel (Österreich: Wachtmeister) entsprach. Er versuchte aus dem Führerbunker am 2. Mai 1945 (zwei Tage davor hatte sich Hitler erschossen) zu flüchten. Dabei wurde er von den Sowjets aufgegriffen und verbrachte mehrere Jahre in Gefangenschaft. Zurück in West-Berlin machte er sich mit einem Malerbetrieb selbstständig. Ein SS-Mann als Maler ...? Ist das nicht bereits eine Form von Wiederbetätigung? Nun, wir wissen's nicht, und Tote können nicht einmal vor der »Operation Last Chance« vor Gericht gestellt werden, sodaß wir darüber wohl nie ein rechtsgültiges Urteil vernehmen werden. Rochus Misch ist tot, der »letzte Zeuge« wurde Geschichte — jetzt gibt's keine Zeugen mehr, da kann man sagen, was man will,  das kann man finden, wie man will ... ... bessergesagt: da kann man finden, was man will!

Seit 5. September 2013 wird zurückerfunden.

Freitag, 6. September 2013

Wahn! Wahn! Überall Wahn!

...Wohin ich forschend blick’
in Stadt- und Weltchronik,
den Grund mir aufzufinden,
warum gar bis aufs Blut
die Leut’ sich quälen und schinden
in unnütz toller Wut!
Hat keiner Lohn noch Dank davon:
in Flucht geschlagen, wähnt er zu jagen.
Hört nicht sein eigen Schmerzgekreisch,
wenn er sich wühlt ins eig’ne Fleisch,
wähnt Lust sich zu erzeigen.
Wer gibt den Namen an?
‘s ist halt der alte Wahn,
ohn’ den nichts mag geschehen,
‘s mag gehen oder stehen!
Steht’s wo im Lauf,
er schläft nur neue Kraft sich an;
gleich wacht er auf,
dann schaut, wer ihn bemeistern kann!
... fängt der große Monolog des Meistersingers Hans Sachs an. Und an diesen Monolog — den zu zitieren im Wagner-Jahr wohl ansteht — fühlt man sich derzeit nur zu lebhaft erinnert.

Einen lesenswerten Artikel zum Wahn unserer selbsternannten »Eliten« findet man auf LewRockwell: »Hubris, Thy Name Is Anglo-American Elite« von Jonathan Goodwin. Lesens- und v.a. nachdenkenswert!

Septemberklänge

... (»Ab .... wird zurückgeschossen«) vernehmen wir aus unseren Systemmedien, die sich in markigen Überschriften ergehen, wie beispielsweise:
Während die Deutschen auch ohne Völkerbund-Mandat zum Einmarsch in Polen bereit sind, lehnt Washington einen Militärschlag ab.

[...] Die Deutschen werfen polnischen Regierungstruppen vor, mit einem Einsatz in Bromberg Angehörige der deutschen Minderheit getötet zu haben. Der Führer bat den Reichstag in Berlin um grünes Licht für einen Militärschlag gegen Polen, um das polnische Regime zu bestrafen. Hitler machte dabei deutlich, daß er auch ohne Völkerbund-Mandat zum Handeln bereit sei. Washington lehnt hingegen einen Militärschlag ab. In Berlin kritisierte man Washington harsch. Die US-Regierung sei der "Schutzherr eines Regimes", das eine "dreiste Attacke" verübt habe. Die USA halte den Völkerbund weiter "als Geisel" ...
Ach, herrje ... da habe ich mich doch glatt im Jahrhundert geirrt! Und natürlich in der Seite ... ... wie konnte sowas bloß passieren! Diesmal wollen doch die Guten einmaschieren und die Pöhsen wegbomben, und das ist ja ganz was anderes! Deshalb schreibt »Die Presse« auch:
Während die USA auch ohne UN-Mandat zum Handeln bereit sind, lehnt Moskau einen Militärschlag ab.
[...] Die USA werfen syrischen Regierungstruppen vor, mit einem Giftgaseinsatz am 21. August in Vororten von Damaskus mehr als 1400 Menschen getötet zu haben. US-Präsident Barack Obama bat den Kongress in Washington um grünes Licht für einen Militärschlag gegen Syrien, um Präsident Baschar al-Assad zu bestrafen. Obama machte dabei deutlich, dass er auch ohne UN-Mandat zum Handeln bereit sei. Moskau lehnt einen Militärschlag ab. In New York kritisierte UN-Botschafterin Powers Moskau harsch. Die russische Regierung sei der "Schutzherr eines Regimes", das eine "dreiste Chemiewaffenattacke" verübt habe. Russland halte den Sicherheitsrat weiter "als Geisel".
Na, Gott sei Dank! Endlich fliegen Raketen für einen guten Zweck, und die infamen Verbündeten der Pöhsen werden hoffentlich auch noch zur Rechenschaft gezogen! Mit ein bisserl Glück wird noch ein ordentlicher Weltkrieg daraus ...

Donnerstag, 5. September 2013

Der Abschluß

... der vierteiligen Artikelserie »Altruismus – Kult der Neurotiker?« auf dem Blog von Susanne Kablitz (Co-Autor: Alphachamber) rückt in gewohnter Prägnanz die Dinge ins Lot:
“Eine furchtbar erschreckend kalte Welt“ haben wir, eine Welt in sich seit Anbeginn der „Finanzkrise“ sogar Menschen umbringen müssen, wenn sie ihren Job verlieren oder das Eigentum der Bank verkaufen müssen.

Sie denken, das ist zynisch? Jawohl, das ist es. Es ist sogar zutiefst zynisch, vor allem mit der Frage im Kopf, wo denn die sorgenvollen Zeitgenossen mit ihrem Betroffenheitsgesicht sind, wenn Menschen nicht medienwirksam und öffentlich in Szene gesetzt keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen und diesem ein Ende setzen? Wenn nicht eine verachtenswerte Menschenkaste wie die „Kapitalisten“ dafür verantwortlich gemacht werden kann? Wenn nicht schmierige Banker, habgierige Unternehmer und noch nicht einmal fiese Vermieter, die auch noch nach der sechsten offenen Monatsmiete Geduld zeigt (zeigen muss!) verantwortlich gemacht werden können?

Nun, dann wird man als Menschenfreund schon etwas finden, irgendetwas, dass in keinem Fall mit dem Scheitern am Leben des Einzelnen zu tun haben darf, sondern definitiv im Außen gesucht werden muss.
(Hier weiterlesen)
Mancher wird sich schwer von vertrauten Denkmustern, ja seit der Schulzeit »fixverdrahteten« Assoziationsketten befreien können, obwohl gerade das so notwendig wäre! Poster »Gutartiges Geschwulst« (welcher bisweilen auch auf LePenseurs Blog Kommentare hinterläßt) faßt den Artikel in wenigen Sätzen perfekt zusammen:
“Kaum einer der Verfechter der Umverteilungsorgien und Altruismus-Jünger kommt auf die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, durch Schaffung von Arbeitsplätzen den Wohlstand auszulösen, den er leidenschaftlich einfordert.”
Dem kann ich nur zustimmen!
Schon lange frage ich mich, warum die Sozialisten-Führer aller Länder sich nicht selbst beim Wort nehmen und eigene Betriebe gründen, mit gerechter Verteilung und nach sozialistischem Vorbild.
Ganz bestimmt würden die unterdrückten Arbeitermassen ihren kapitalistischen Ausbeutern vollständig davon laufen, um in den Genuss dieser Paradiese zu gelangen.
Damit wäre der Kapitalismus endgültig erledigt.
Ein linker Diskussionspartner erklärte mir darauf, dass diese Vision schon längst Wirklichkeit wäre; schließlich gäbe es in Berlin ein gutgehendes Behinderten-Cafe, welches nach diesem sozialistischen Muster geführt würde.
Wenn ich mir vorstelle, dass dieses Cafe demnächst 300 Millionen Kellnern Arbeit und Brot geben wird, könnte ich vor Begeisterung sterben.
Dem ist nichts hinzuzufügen — außer vielleicht den Links zu den Teilen Eins, Zwei und Drei des Artikels. Und natürlichein herzliches »Dankeschön!« an Frau Kablitz & Co. ...

Nachrichten von einem anderen Kriegsschauplatz

... brachte Dr. Klaus Peter Krause vor einigen Tagen in gewohnt sachlicher und informativer Weise auf seinem Blog:
Das amerikanische Steuer-Diktat

Die Schweiz unterliegt ihm. Wo aber bleibt gegenüber dieser Souveränitätsverletzung die Empörung?

Ist denn keiner darüber empört, dass andere Staaten die Schweiz zwingen, sich einer fremden Steuerpolitik zu beugen, die nicht die ihre ist? Will keiner wahrhaben, dass hier schwere Souveränitätsverletzungen begangen werden? Oder sind es etwa keine, wenn die USA den kleinen Staat Schweiz mit Strafandrohungen nötigen, in der Schweiz amerikanische Gesetze exekutieren zu helfen? Gerade wurde bekannt, dass die Schweizer Regierung dem massiven politischen Druck der amerikanischen Regierung hat nachgeben müssen und eine „gemeinsame Erklärung“ in Sachen Steuerflucht amerikanischer Bürger unterzeichnet hat. Das macht es der amerikanischen Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) möglich, jene Amerikaner, die Schweizer Konten haben und daher der Steuerflucht verdächtig sind, aufzuspüren.

Für die Schweiz demütigend

Ein Gesetz dazu („Lex USA“) hatte der Nationalrat, das Schweizer Parlament, aus guten Gründen abgelehnt, nun haben die beiden Regierungen unter sich ein Abkommen geschlossen. Die Schweizer Regierung setzt sich damit über ihr Parlament hinweg, doch sieht es nicht danach aus, dass sich das Parlament dagegen auflehnt, weil es Amerikas Drohungen und Übermacht ebenso fürchtet wie die Regierung. Und ist es nicht demütigend, wenn die Finanzministerin der Schweiz glaubt, äußern zu müssen „Es ist ein Resultat, mit dem wir leben können.“? Die Vereinbarung ist das Ergebnis einer schon drei Jahre dauernden Auseinandersetzung und nichts anderes als ein amerikanisches Diktat. Die Vereinigten Staaten sind Weltmacht wie einst der Hegemon Rom in der Antike, die Schweiz ist ein Kleinstaat. Was sich Amerika herausnimmt, würde sich die kleine Schweiz nicht leisten können.
(Hier weiterlesen)
Es ist eine durch und durch mafiose »Kriegsführung« an mehreren Fronten, die die USA da durchziehen: zunächst, und ganz offensichtlich, durch Waffengewalt und Drohung mit Waffengewalt — die Liste der Bombardierungen, Truppeneinmärsche, Drohneneinsätze etc. ist nur zu wohlbekannt. Dazu kommt die dreiste Erpressung durch die erzwungene Durchsetzung amerikanischen »Rechts«, wodurch jeder, der irgendwelche Geschäftsbeziehungen mit diesem Schurkenstaat USA — man kann ihn inzwischen nicht anders nennen! — unterhält, durch absurde und unnachvollziehbare Prozeßführung in den USA zu Tode geklagt werden kann. Schließlich kommt noch die Durchsetzung der papierenen Schwindelwährung als »Weltreservewährung« (wer dagegen aufmuckt, wird, wie z.B. Gaddafi erleben, aber nicht überleben durfte, plattgemacht) dazu, und zuletzt die hemmungslose Bespitzelung, die der flächendeckenden Erpressung in Politik und Wirtschaft ebenso, wie der Ausspähung von Patenten, Vertriebswegen, Industriegeheimnissen etc. zugunsten der staatsnahen US-Konzerne dient.

Wenn also ein Artikel wie der obige aus der Feder eines ehemaligen FAZ-Wirtschaftsressortleiters erscheint, dann ist die Situation offenbar für den »Rest der Welt« (der nicht USA ist) und sogar für das rückgrat-gebochene Deutschland, schon derartig unerträglich geworden, daß die Sache am explodieren ist ...

»Er lügt, und er weiß, daß er lügt«

... meinte Präsident Putin gestern über den US-Außenminister John »Scull'n'Bones« Kerry, und setzte hinzu: »Es ist traurig.« Putin sieht neben Backaroma auch dementspechend traurig drein (daß Backaroma dafür insgesamt etwas traurig aussieht, wundert ebensowenig ...)



Nun, daß es traurig ist, wenn ein Außenminister lügt, stimmt natürlich! Aber noch viel trauriger ist, daß nicht nur er weiß, daß er lügt, sondern daß wir alle wissen, daß er lügt, vor allem auch alle Medien — jedoch so tun, als lüge Kerry nicht, bzw. wüßten nicht, daß Kerry lügt. Und am traurigsten ist, daß wegen dieser Lügen im Dienst der US-Rüstungsindustrie ein Krieg mit unabsehbaren Folgen losgetreten wird ..

Dienstag, 3. September 2013

»Warum ist es falsch, nach Syrien zu gehen?«

... fragt Robert Spencer auf dem Blog von Michael Mannheimer. Eine durchaus berechtigte Frage, wenn man sich die Folgen eines solchen Schrittes überlegt.
Eine amerikanische Militärintervention in Syrien wird wahrscheinlich in dieser Woche beginnen.

Eine Sache, die wir in der allgemeinen Verwirrung wissen, ist, dass das Ziel nicht darin besteht, Bashar Assad zu stürzen: Sprecher des Weißen Hauses Jay Carney sagte am Dienstag: „Ich möchte deutlich machen, dass die Optionen, die wir betrachten nichts mit Regimewechsel zu tun haben. Es geht um die Reaktion auf eine klare Verletzung internationaler Standards, welche die Verwendung von chemischen Waffen verbieten.“

Wie die Obama-Regierung mit der behaupteten Nutzung von chemischen Waffen umgehen will, ohne dabei Assads Macht herauszufordern, ist unklar.

Inmitten dem ganzen Wirrwarr rund um einen Angriff auf Syrien steht der ehemalige britische Premierminister Tony Blair. Blair sagte, in Rechtfertigung eines Angriffs auf Syrien, dass es notwendig sei, zu verhindern, dass das Land zu einem „Nährboden für Extremismus“ wird.

Nun, damit ist Blair ein paar Monate zu spät. Syrien ist bereits ein Nährboden für „Extremismus“. Die New York Times berichtete bereits am 28. April 2013, dass „nirgendwo im von Rebellen kontrollierten Syrien eine säkulare Kampftruppe existiert.“ Und vor einem Monat sagte der israelische Generalmajor Aviv Kochavi, dass Syrien nun „Tausende von globalen Jihad-Aktivisten und muslimischen Extremisten aus der Region und der ganzen Welt anzieht, die sich in dem Land, nicht nur für die Absetzung Assads, sondern auch für die Vision eines Staates basierend auf dem islamischen Recht einsetzen.“
(Hier weiterlesen)
Wenn man sich die Tiraden der Kriegstreiber so anhört, egal ob es sich dabei um Figuren wie »Obamas Pudel« Cameron, »Scull'n'Bones« Kerry, oder Lobbyisten der Rüstungsindustrie à la McCain handelt, dann bekommt man den Eindruck, daß eigentlich nur mehr deren Schiß vor einer Totalkonfrontation mit Rußland die Zündler davon abhält, gegen den Willen ihrer Völker sofort in einen Krieg zu ziehen, bei dem so gut wie alle — außer ein paar Spekulanten und Rüstungsfirmen — nur verlieren können. Es ist einfach deprimierend ...

Ohne einen Militärschlag gegen Syrien würden die USA ihre Glaubwürdigkeit verlieren

... meint Senator McCain. Mit einem Militärschlag gegen Syrien würden die USA ihre Glaubwürdigkeit ebenso verlieren, meint LePenseur. Oder, eigentlich ... ... welche Glaubwürdigkeit wollen die nach den Brutkästenmorden des Golfkriegs, den Massenvernichtungswaffen des Irakkriegs, und der NSA-Affaire (Liste beliebig verlängerbar) überhaupt noch verlieren ...?

Ach, jetzt hat der Bundesnachrichtendienst

... ein Telefonat aufgezeichnet, in dem ein Hisbollah-Mitglied etwas zugegeben hat (vermutlich waren die Abhör-Protokolle gleich neben den feuerfesten CDs des NSU-Prozesses abgelegt und wurden erst jetzt gefunden ...) »Die Presse« informiert uns:
Die USA erhalten Rückenwind aus Frankreich und Deutschland. Laut Gerhard Schindler, Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) ist Syriens Diktator Bashar al-Assad für den Giftgaseinsatz in Vororten von Damaskus am 21. August verantwortlich. Zwar fehle ein eindeutiger Beweis, so Schindler laut dem Magazin „Der Spiegel", aber nur die Armee würde über Kampfstoffe wie Sarin und jene Raketen verfügen, die bei dem Angriff zum Einsatz kamen. Möglicherweise habe Assad einen Giftgaseinsatz angeordnet, weil er sich in einer Art Endkampf um Damaskus sah. Somit decken sich die Ergebnisse des BND sich mit jenen der USA.

Zudem habe der BND ein Gespräch eines hohen Hisbollah-Vertreters mit der iranischen Botschaft abgehört. Dabei soll der Hisbollah-Mann - die Miliz unterstützt Assad - den Giftgaseinsatz zugegeben haben. Derweil wurde auch die Zusammenfassung französischer Geheimdiensterkenntnisse veröffentlicht. Niemand anders als das Regime komme für diesen Giftgaseinsatz infrage, heißt es in dem Bericht. Für diesen Einsatz habe sich das Regime in den Tagen davor auch vorbereitet. Zudem verfüge die Opposition nicht über die Kapazitäten, „eine Operation dieser Größenordnung mit chemischen Kampfstoffen durchzuführen." Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet zudem unter Berufung auf eine Pariser Regierungskreise von Satellitenaufnahmen, die Assads Verantwortung beweisen sollen. Demnach sollen die Attacken von jenen Regionen ausgegangen sein, die vom Regime kontrolliert werden.
(Hier weiterlesen)
Nun, die Wahrnehmungsfähigkeit von Geheimdiensten ist offenbar selektiv, man könnte auch »beschränkt« dazu sagen: einerseits belauschen BND-Mitarbeiter zwar angebliche Hisbollah-Telefonate im Libanon, andererseits entgeht ihrer Aufmerksamkeit, daß beispielsweise das Youtube-Giftgasvideo blöderweise schon vor dem Zeitpunkt des Angriffs ins Netz gestellt wurde (was die Glaubwürdigkeit doch etwas, sagen wir mal, tropediert).

Die im »Presse«-Artikel zitierten Fragen Assads zeigen so schlüssig die Unsinnigkeit der nun dem aufgeschobenen Angriffsbeschluß nachgereichten angeblichen »Beweise« auf, daß man sich fragt, warum sich die Geheimdienstfuzzis nicht zu Tode schämen, mit derart stümperhaften zusammengestrickten Behauptungen an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber Schamgefühl dürfte bei Geheimdiensten nicht zur job description zu gehören ...

Montag, 2. September 2013

Manch Bild sagt mehr als tausend Worte


... so auch das obige. Selbst wenn der Deckoffizier die Uniform der US-Küstenwache trägt (die wohl eher nicht gen Syrien schiffen wird), wie uns die »Deutschen Wirtschaftsnachrichten« in einem recht informativen Artikel verraten ...

Über einen doch noch einmal hinausgezögerten »bellum praecox«

... (allein für diese Formulierung möchte man Kollegen Bellfrell am liebsten abbusseln!) und anderes aus der Backaroma-Administration macht sich ein kluger Artikel Gedanken. Lesen!

Die Gier nach Macht

... ist nicht nur höchst aktuell die Triebfeder unserer Politiker (und anderer »Big Player« in Bürokratie, Wirtschaft und Medien), sondern auch das Thema eines gedankenreichen Essays von Donald W. Miller, Jr. auf »LewRockwell«:
Wagner's Ring on the Lust for Power

I can’t listen to that much Wagner. I start getting the urge to conquer Poland. Woody Allen

The opera world is celebrating the 200th anniversary of the birth of Richard Wagner (born May 22, 1813) with 15 productions of his four-opera music drama Des Ring der Nibelungen (Ring of the Nibelung) in 2013—10 in Europe, 2 in the UK, 2 in the U.S., and 1 in Australia. Putting on this many productions of The Ring in one year testifies to the growing appreciation of the artistic genius of its composer. [...]

Wagner’s Ring is a story about gods, dwarfs, and giants; a dragon; and several humans, including a young Siegfried, billed as the hero of the piece. It has murders and incest and magic, where a dwarf turns himself into a giant snake and then into a tiny toad. One need not know anything about The Ring to become absorbed in the story and moved by it when attending a good production that has captions of the libretto displayed above the stage (supertitles). As Stephen Wadsworth, director of the Seattle Opera Ring points out, “It’s a fantastic story, a story that resembles a complex modern novel more than a dusty old Norse epic.”

The Ring’s tale comes from Norse mythology, in large part from 13th century Icelandic texts (Poetic and Prose Eddas and Völsunga Saga). Myths reveal the basic truths about human nature. They are a symbolic distillation of human experience, and The Ring is especially important to us today for what it tells us about the pursuit of power.

The two principal components of power in The Ring are an all-powerful ring made of gold and a magical metallic veil the ring’s possessor is empowered to make called the tarnhelm. The tarnhelm can render its wearer invisible and able to watch unobserved everything that is happening. The tarnhelm in myth presages what we now must confront living in the U.S. Surveillance State with its all-seeing National Security Agency (NSA). Apropos the allegorical tarnhelm, power brokers like to call the NSA “No Such Agency.”
(Hier weiterlesen)
Der Autor des Artikels ist Mediziner — und es ist interessant — und eine (wenigstens in Wien) signifikant häufige Tatsache — , daß Mediziner oft eine besonders tiefe Beziehung zu Musik haben. Daß sie darüberhinaus noch über das polit-ökonomische Interesse und Verständnis verfügen, hinter die Fabelwesen einer Opernhandlung zu blicken und sodann die symbolische Handlung in die Sprache der Realität zu übertragen, ist schon weitaus seltener.

Lesenswert!

Sonntag, 1. September 2013

Die Lohnschreiber der transatlantischen Seilschaften

… sind gerade hochbeschäftigt, die »Scharte«, daß das britische Parlament Obamas Pudel Cameron an die Leine nahm, auszuwetzen, und ihre Propagandagranaten mit vollem Rohr unter die Leute zu feuern. Typisches Beispiel dafür ist der Leitartikel, den heute »Die Presse« von ihrem Chefredakteur Rainer Nowak publizieren läßt.

Wäre es nicht so ekelerregend, müßte man sich diesen Artikel fast als Musterbeispiel semantischer Häkelkunst, eines aus glatten Lügen, getarnten Halbwahrheiten und unterbewußt wirken sollenden Insinuationen einen journaillistisch »gelungen« (also zur Zufriedenheit der Besteller ausgefallenen) gedrechselten Leitartikels zu Gemüte führen. Wer will, kann ihn ja hier durchlesen — sicherheitshalber unter Bereithaltung eines Speibsackerls (für Piefkes: »Kotztüte«) …

Schon der Untertitel legt in bewährter Manier Fangschlingen für den arglosen Leser:
Dass es einmal mehr die USA sind, die als Reaktion auf Syriens Giftgasangriff eine militärische Intervention planen, zeigt die Schwäche und Ignoranz des mit sich selbst beschäftigten Europa.
Der große Hans Weigel hätte sofort bemängelt, daß »einmal mehr« ein saublöder Anglizismus — von »once more« — sei, und es auf deutsch »wieder einmal« heißen müsse, aber das nur nebenfüglich … … nun, was steht da gleich in der ersten Zeile? »Syriens Gasangriff«, nicht etwa »Gasangriff in Syrien«. Also wird schon im Untertitel stillschweigend die Linie vorausgesetzt, daß »Syrien«, d.h. also seine Regierung (die natürlich zweckmäßigerweise als bloßes »Regime« zu diffamieren ist), das Giftgas einsetzte. Genau das ist jedoch erstens höchst unplausibel (da es nur wenige Tage nach der Ankunft von UN-Inspektoren, die genau den Einsatz von Giftgas untersuchen sollten, erfolgt wäre), und zweitens noch überhaupt nicht nachgewiesen (weshalb Herr Nowak später im Artikel von einem »mutmaßlichen Giftgasangriff« spricht, aber da ist der Leser schon auf Argumentationsschiene gesetzt, also »schadet« es nicht mehr, jetzt ein bisserl auf journalistische Objektivität zu mimen).

Ach, und zu dem »noch nicht nachgewiesen« kurz dazwischengesagt: das »Wall Street Journal«, also ein Presseorgan des amerikanischen East Coast Establishment, berichtete (vermutlich versehentlich) vor ein paar Tagen:
On Sunday, the U.N. said its inspection team was preparing to start its fact-finding mission on Monday after Syria said it would allow U.N. personnel now in Damascus immediate access to the affected areas.

"The team must be able to conduct a full, thorough and unimpeded investigation," said U.N. Secretary-General Ban Ki-moon on Sunday night. However, the team is only mandated to determine if chemical weapons were used, not who used them, Mr. Ban's spokesman said.
(Hier weiterlesen)
Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: die — für einen Militärschlag gegen die syrische Regierung einzig entscheidende Frage — nämlich: ob sie es war, die Giftgas eingesetzt hat — darf ausdrücklich nicht untersucht werden. Deutlicher könnte die Farce, die hier veranstaltet wird, garnicht zutage treten! Doch zurück zur »Presse« und ihrem Nowak …

Der Artikel fängt mit bewußt schwachen Argumenten darüber an, ob ein Diktator, der die Islamisten mit Terror in Schach hält, nicht etwa das kleinere Übel für den Westen wäre. Es ist ein beliebter rhetorischer Trick, ein Argument, das man bekämpfen will, durch schwache Arumente scheinbar zu verteidigen, bis es völlig diskreditiert ist. Deshalb heißt es dann nach dem Strohpuppen-Gefecht (und selbstmurmeld für die transatlantische Blattlinie):
Die Antwort lautet dennoch: nein. Denn erstens ist die automatische Machtübernahme der Fundamentalisten nach Assad keine ausgemachte Sache, hinter den Kulissen ließe sich wohl verhandeln, und hinter al-Assad müsste es wohl den einen oder anderen einsichtigen Militär geben, der in einer Übergangsphase auftaucht. Zweitens aber ist das nicht die Frage, die gerade maßgeblich sein sollte. Sondern: Wo ist die rote Linie? Massaker? Giftgas? Ethnische Säuberungen?

Der Einsatz von Giftgas überschreitet eine solche rote Linie, darauf nicht mit aller Schärfe zu reagieren würde sich in die Vogel-Strauß-Serie der internationalen Gemeinschaft reihen: Ruanda, Srebrenica und nun eben Syrien.
Ach ja? Die Machtübernahme durch Islamisten in Ägypten war ja bekanntlich auch keine »ausgemachte Sache« (ausgemacht von wem, übrigens?), und voll Überraschung stand die Welt dann vor einem Parlament aus islamofaschistischen Salafisten und Moslembrüdern, die sich gegenseitig überboten, wieviel Scharia sie in in der nächsten Verfassung haben wollen — statt daß die liberale Facebook-Generation El-Baradei zu einem fulminanten Wahlsieg verholfen hätte. Und, pardauz, wer hätte gedacht, daß in Tunesien die radikalen Muselparteien das Sagen haben würden und bei Bedarf einen Oppositionspolitiker ermorden lassen? Und, ei — welche Überraschung noch, daß Libyen in Stammeskriegen versinkt, und auch dort (neben dem Zerfall des Landes) ein Rücksturz ins finsterste Mittelalter bevorsteht.

Und weil Sie gerade von Srebrenica plaudern, Herr Chefredakteur ... ... wie war das denn damals, als die westeuropäischen Zeitung voll waren von den Massakern der Serben im Kosovo — die nur den kleinen Schönheitsfehler hatten, so nicht stattgefunden zu haben? Die aber zur süffigen Begründung des Kosovo-Krieges herangezogen wurden, mit Zerbombung Belgrads und unsäglichem Elend für die ganze serbische Bevölkerung.

Noch etwas, Herr Chefredakteur — haben Sie schon einmal von Khan Al-Assa gehört? Diesbezüglich wird seitens der USA, Großbritanniens und Franreichs schon seit geraumer Zeit eine UNO-Untersuchung des dortigen Giftgas-Einsatzes hintertrieben, den aber, wie selbst CBS zugibt, die in den Westmedien so freundlich als »Rebellen« bezeichneten islamistischen Terrorbanden begangen haben! Es wäre ja irgendwie peinlich, eine Regierung mit der Begründung »Giftgas« wegzubomben, wenn die Terroristen, die sie bekämpfen, es eingesetzt haben.
Stimmt, noch ist der UN-Bericht über den Vorfall nicht fertig. Stimmt, reaktionsschnelle Länder wie Großbritannien winken aus innenpolitischen Gründen auch ab. Stimmt, nicht immer sind US-Beweise vor Gerichten anderer Länder stichhaltig.
... schreiben Sie, Herr Chefredakteur. Übrigens: in der Printausgabe heißt es noch unvorsichtigerweise »nicht immer sind US-Beweise stichhaltig« — aber das hat offenbar der Große Bruder jenseits des Atlantik doch nicht so unverblümt ausgedrückt hören wollen, weil er nur zu genau weiß, daß seine »nicht immer stichhaltigen Beweise« im Falle Syriens erstunken und erlogen sind, so wie es die »Beweise« für die Massenvernichtungswaffen im Irak waren, oder seinerzeit die »Beweise« für den Volksunmut gegen Mosaddegh, die zu seinem Sturz verwendet wurden, oder .... oder ....
Leugnen kann man auch nicht ein grundlegendes Anliegen der USA, nämlich: keinen Präzedenzfall zu schaffen, indem man den Einsatz von Massenvernichtungswaffen hinnimmt.
... schreiben Sie, Herr Chefredakteur. Dieser Satz ist zwar zutreffend, aber leider unvollständig. Er müßte nämlich durch die Worte »... indem man den Einsatz von Massenvernichtungswaffen außer durch die USA oder in ihrem Auftrag hinnimmt« ergänzt werden. Dann stimmt er wieder. Denn was, wenn nicht »Einsatz von Massenvernichtungswaffen« war denn das Flächenbombardement ziviler Ziele und Wohngebiete im Golfkrieg, im Balkankrieg, im Afghanistankrieg, im Irakkrieg ...?
Wenn es den USA nun gelingt, Alliierte für eine gemeinsame Aktion zu finden, kann die Welt Danke sagen, dass jemand die Drecksarbeit erledigt.
... schreiben Sie, Herr Chefredakteur. Danke, Herr Chefredakteur, mich solcherart gleich in Ihre eilfertige Danksagungsfront einzuschließen — aber mein Dank für die Anzettelung eines Militärschlages gegen ein Land und seine Regierung, die den geopolitischen und ökonomischen Interessen der USA und ihrer Machthaber nicht gefügig genug war, ist überschaubar gering!

Wobei Sie mit der »Drecksarbeit«, die Amerika macht, durchaus recht haben. Und selbstmurmelnd müssen wir diese aufopferungsvolle Bereitschaft der Amerikaner anerkennen. Am besten mit den Worten eines Mannes, der wie geschaffen gewesen wäre, Drohnenangriffe zu befehlen, jenseits der Staatsgrenzen (und damit gegen lästige Gerichte immunisiert) Lager zu errichten, oder durch seine Geheimdienste die Bespitzelung aller Menschen (egal ob schuldig, verdächtig oder nicht), wenn er unsere heutigen gloriosen Zeiten bloß erlebt hätte — und der in tiefer Einsicht in die psychische Belastung solcherart unbedankten Wirkens vor beinahe siebzig Jahren die folgenden Worte fand:
Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei — abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwäche — anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt."
Danke, Herr Chefredakteur, daß Sie uns mit Ihrem Leitartikel so klar und deutlich gezeigt haben, wessen Sie fähig sind ...

Samstag, 31. August 2013

Ginge es gerecht zu auf dieser Welt …

… dann müßte das Territorium der Vereinigten Staaten bereits flächendeckend von über sechs Milliarden unserer Menschheit vollgekotzt sein, die sich ob der Heuchelei dieser Nation schlicht und einfach anspeiben — einer Nation, die (wie eben auf Teletext zu lesen) wegen zweier kleiner Katzen, die sich gestern in eine New Yorker U-Bahn-Station verirrt hatten, Notalarm gab und das U-Bahnnetz einer Millionenmetropole auf Stunden lahmlegte, deren (ach so »demokratische« und in Umfragen mehrheitlich unterstützte) Politiker sich jedoch nicht scheuen, einen Krieg auf Basis offenkundig gefälschter und zurechtmanipulierter »Beweise« vom Zaun zu brechen, der hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen das Leben kosten wird.

Die Verlogenheit, mit der nach den — mittlerweile längst aufgedeckten — dreisten Fälschungen der Kriegsgründe im Irakkrieg, hier nach demselben Muster ein Überfall auf einen Staat inszeniert wird, nur weil dessen Regierung der US-Politik nicht paßt, ist so flagrant, daß man sich fragt: für wie vertrottelt halten die eigentlich die ihre eigenen Bürger und restliche Menschheit? Wollen sie uns doch einreden, Syrien würde quasi unter den Augen der eigens angereisten UN-Beobachter Giftgasangriffe starten, die den von gewissen US-Kreisen dringlich herbeigesehnten Kriegsgrund auf dem Silbertablett servieren würden!

Wenn man freilich in die Gazetten der Systempresse blickt, die Progagandasendungen auf CNN & Co. ansieht, dann drängt sich freilich eine andere Frage auf: wie letztklassig ist unsere Journaille, wie zahnlos die angebliche »Pressefreiheit«, daß sie sich zum willigen Handlanger einer verbrecherischen Kriegstreiberei machen läßt! Kaum ein Wort des Zweifels an den vorgeblichen Beweisen, obwohl die stinken wie die sprichwörtliche latrina maxima, höchstens ein paar abwiegelnde Hinweise, daß man besser die Auswertung der Ergebnisse der UNO-Untersuchungen abwarten solle, bevor man mit Syrien ratzfatz macht. Daß aber die syrische Regierung schließlich doch gestürzt wird, wie das Obama-Regime ständig droht — Sie haben sicher den kleinen semantischen Trick erkannt, mit dem Delegitimation subtil ausgedrückt werden soll —, wird nicht einmal ansatzweise hinterfragt.

Selten wurde das eng-gemauschelte Beziehungsgeflecht zwischen Politik, staatsnaher Groß- (d.h. Rüstungs-)Industrie und Medien so offensichtlich erkennbar. Egal, ob man in den Boulevard, oder in selbsternannte »Qualitätsmedien« blickt — die Einstimmigkeit, mit der auf einen Krieg eingestimmt wird, ist verblüffend — freilich nur dann, wenn man davon ausgeht, daß die Zeitungen eine eigene Meinung vertreten, und nicht bloß das Sprachrohr der Drahtzieher im Hintergrund sind. Und in der Tat haben diese jeden Grund, ein möglichst einstimmiges Medienecho für diese Aktion zu bekommen — nur so können sie hoffen, die durch frühere dreiste Machinationen mißtrauische Bevölkerung doch irgendwie zu »überzeugen«, daß es wenigstens diesmal für die »gerechte Sache« ginge …

Tut es natürlich nicht. Es geht um Geopolitik, um Ausweitung der Einflußzonen für die East Coast und ihre Verbündeten (recte: Satrapen), um endliche Etablierung des New-World-Order, dem unilateralen feuchten Traum der Washingtoner und New Yorker Polit- & Finanzmachthaber, die solcherart Stück für Stück, Staat um Staat, der ewigen Etablierung ihres Systems der globalen Ausplünderung zugunsten ihrer Taschen näherkommen wollen.

Winston Churchill — selbst ein letztklassig opportunistisch-chauvinistisches Charakterschwein der Extraklasse! — meinte bald nach dem Krieg in (freilich verspäteter) Einsicht, daß die Alliierten »im großen Schweinschlachten vermutlich das falsche Schwein geschlachtet hätten«. Man weiß angesichts des fanatischen Deutschen-Hasses von Churchill nicht, ob er mit dem »falschen Schwein« nun speziell Hitler (im Verhältnis zu Stalin), die Nazis (im Verhältnis zu den Bolschewiken), oder gleich das ganze deutsche Volk gemeint hat. Nun wird also wieder ein Schweineschlachten angestellt, und von ebensolchen Schweinen — »Animal Farm« konnte so eben nur im angelsächsischen »Kultur«bereich geschrieben werden! — wie seinerzeit. Und es werden wieder die falschen Schweine geschlachtet werden.

Ginge es gerecht zu auf dieser Welt, dann müßten Backaroma, Kerrygold & Co. wegen Anzettelung eines Angriffskrieges und wegen Beteiligung an Völkermord zum Tode verurteilt werden, wie seinerzeit Göring, Ribbentrop & Co. — wobei es schon klar ist, daß es das nicht spielen wird. Obwohl der Gedanke, einen abgeurteilten Kerry am Strang baumeln zu sehen, durchaus seine Reize verspricht, findet wenigstens die zivilisierte Welt mittlerweile Todesurteile auch für Kriegsverbrecher nicht mehr ganz so toll. Nun ja, es würde schon ein Zeichen setzen, wenn die obgannten Herrschaften sich mit Handschellen und im Kreuzverhör vor einem internationalen Tribunal wiederfänden, selbst wenn das Urteil sich dann darauf beschränkte, sie — symbolisch —mit Katzendreck zuzuscheißen (wie es im Wiener Volksmund deftig-treffend heißt). Die beiden Kätzchen aus der New Yorker U-Bahn würden dafür freilich nicht ausreichen. Aber es wäre ein Anfang. Und wir können sicher sein: viel mehr Katzen würden begeistert mitmachen. Syrische beispielsweise …