Freitag, 29. Juni 2012

Das Tönnchen ist umgefallen, oder: Veitstanz in den Untergang

Es war ja wirklich keine Überraschung: das Tönnchen ist umgefallen. Rechtzeitig vor dem Fest des Hl. Vitus, zu Deutsch: St. Veit, tanzt Europa und allen voran Deutschland seinen Veitstanz in den Untergang.
Der Ausdruck Tanzwut (lat. Epilepsia saltatoria), auch Tanzkrankheit oder Choreomania genannt, bezeichnet eine Erscheinung im 14. und 15. Jahrhundert, die von den Schriftstellern als Tanzwut oder Tanzplage beschrieben worden ist. Sie wurde als eine epidemische Volkskrankheit des Mittelalters bezeichnet. Menschen tanzten, bis ihnen Schaum aus dem Mund quoll, Wunden auftraten und sie z.T. erschöpft zusammenbrachen. (...)

Während der Zeit des Schwarzen Todes im vierzehnten Jahrhundert war eine Art der Tanzwut ein vielfach aus Verzweiflung beschrittener Weg, dem Bewusstsein der Bedrohung durch die Pest zu entgehen. Die Menschen tanzten so lange, bis sie in Ekstase verfielen, die ihr Müdigkeits- oder Erschöpfungsgefühl ausschaltete. Dadurch konnten sie so lange fortfahren, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen oder sogar starben.
... weiß Wikipedia zu informieren. Die Parallelen liegen auf der Hand: der Pest des Bevormundungsstaates, die uns alle — und jetzt eben sogar die ungestörten Sinekuren unserer »Eliten« — existentiell bedroht, wird durch ekstatische Beschwörungen einer »alternativlosen« EUdSSR begegnet, welche das Müdigkeits- oder Erschöpfungsgefühl ausschalten soll. Mitunter stirbt man daran. Wie damals ...

Beim vorigen Artikel fragte ein Poster, warum denn keine optimistischen Kommentare zu lesen seien. Nun, da ist die Antwort recht einfach: weil es keinen Grund dafür gibt. Ortner zitiert auf »Ortner Online den früheren VolksEU-Kommissar Verheugen mit dem Zitat »Die Krise droht uns zu verschlingen«, welches dieser als Begründung angibt, die Quisquilien einer Verfassungsdebatte beiseitezuschieben, um desto entschlossener »die Krise« zu bekämpfen. Hat dieser Politruk einmal bedacht, daß eigentlich er und seinesgleichen der Hauptgrund für diese Krisie sind. Sie sind Hauptteil des Problems, aber sicher nicht seiner Lösung!

Blogger-Kollege FDominicus charakterisiert Verheugen und seine — wie sagt man heute so schön? — »kruden Ansichten« treffend:
Klar wir haben keine Zeit also versuchen wir es doch mit Diktatur die wie dann ganz bestimmt wieder aufheben. Verheugen ist ein Soziopath.
Und Kollege Morgenländer bringt es auf den schmerzlich getroffenen Punkt:
Der anvisierte europäischen Superstaat wird ein niemandem verantwortlicher und durch niemanden zu kontrollierender Maßnahmestaat sein.
Natürlich wird auch das Eurokraten-Europa noch ein Honiglecken sein, verglichen mit der Nazizeit, dem Stalinismus, der Eroberung Indiens durch den Islam, oder dem Dreißigjährigen Krieg — nur: soll ich mich freuen, wenn mein Arzt »bloß« einen beginnenden Prostatakrebs diagnostiziert, statt eines Melanoms im Endstadium?

Die EU wird mehr und mehr ihrem alten Spitznamen EUdSSR gerecht werden, soviel kann man bereits unbesorgt prophezeien. Staatsnahe Absahner, mit der sozialistischen Polit-Nomenklatura aller Blockparteien engstens verflochten und in ihrer Verachtung von Konkurrenz und Moral handelseinig, werden im Gleichschritt mit eurokratischen Apparatschiks uns in eine — natürlich behübschte — Planwirtschaft führen. In der Zentralbank bestimmt, was das Geld wert sein darf. In der die EU-Kommissare beschließen, was uns, unserer Gesundheit, unserer Wirtschaft, unserer Freiheit guttut — und was nicht.

»Schöne neue Welt ...« zitierte Huxley einstens. Wer Barroso & Co. sieht, sieht die aktualisierte Version von Mustafa Mannesmann (wie er in der deutschen Übersetzung höchst treffend genannt wird). Wir werden auch den Rest der Geschichte erleben.

Unsere Medien verteilen schon mal Soma ...

Montag, 25. Juni 2012

Quousque tandem abutere patientia nostra?

Diese Frage richtet sich an unsere Eurokraten-Mafia in Brüssel und verteilt über die »Hauptstädte« (recte: »Satrapensitze«) in ganz Europa.

Wie lange glaubt dieses machtbesoffene Geschmeiß unserer Polit-Nomenklatura, die Bevölkerung noch für blöd verkaufen zu können und dabei ungeniert auszusackeln, was das Zeug hält? Halten sie sich wirklich, wie einst Catilina, für unbesiegbar, daß sie, wie einst Catilina, durch ein Programm zugunsten der Schuldner und zulasten der Gläubiger, zu reussieren hoffen?

Mit welcher Frechheit mittlerweile für die Einführung einer autokratischen Oligarchie geworben wird, die von Brüssel aus, ebenso unverfolgbar wie faktisch unabsetzbar, die misera plebs der noch steuerzahlenden Idioten zugunsten ihrer Klientel, des Prekariats-Stimmviehs ausbeuten, und durch gezielte Entnationalisierung der Bevölkerung einen nach Belieben formbaren Bevölkerungsbrei schaffen soll, von dem unsere selbsternannten »Eliten«, deren Elitarität sich auf die Benutzung protziger Dienstwägen und beflissener steuerfinanzierter Mitarbeiterstäbe beschränkt, nie mehr zu fürchten brauchen, aus ihren Pfründen vertrieben zu werden.

Eine Schmarotzerklasse, gegen welche die Umtriebe von Voslensky's UdSSR-Nomenklatura wie harmlosen Bubenstreiche erscheinen. Unsere Politruks sollten sich nicht täuschen: die Stimmung, die sie jetzt mit Kriegs- und Notpropaganda zu manipulieren versuchen, kann umschlagen — und zwar in eine ganz andere Richtung!

Nicht auf Dauer wird es den Brüsseler Mafiaclans gelingen, Pseudo-Oppositionen à la »Piraten«, »Occupy« & Co. aus der Retorte zu destillieren. Und den Geist, der ihnen aus der Flasche entwichen ist, werden sie auch nicht zurückzaubern können. Und sie werden sich wünschen, rechtzeitig vor der Verleihung jener Auszeichnung für korrupte Politiker, die traditionell am Bande von der Laterne verliehen wird, ihr Treiben beendet zu haben. Damit mich einige Flachdenker nicht mißverstehen: das ist nicht die Gutheißung einer Straftat, sondern die Warnung vor einer möglicherweise bald existierenden Realität. Wer die Geschichte kennt, der weiß, daß auch Führerbefehle nicht vor dem Nürnberger Gerichtshof schützten. Den Freizeichnungsklauseln des ESM-Vertrags wird es wohl nicht anders ergehen ...

Samstag, 23. Juni 2012

Intermezzo 5: Hellas spart bei Änderungen!

Beispielsweise an ihrer seit Jahrzehnten EU-bewährten Strategie, welche der österreichisch-jiddische Volksmund in die treffenden Worte kleidet: »Wann ma dir gibt, so nimm — wann ma dir nimmt, so schrei!«.
Die Regierung in Athen beansprucht zwei Jahre mehr Zeit für die Umsetzung der Sparauflagen. Zudem sollen weniger Beamte entlassen und das Arbeitslosengeld erhöht werden.

[...]

Ziel sei es, ohne neue Kürzungen bei Löhnen, Pensionen und öffentlichen Investitionen das Haushaltsdefizit abzubauen. Die Regierung wolle zudem die Entlassung von fest angestellten Staatsdienern vermeiden und stattdessen durch den Abbau von Bürokratie sparen. Das Arbeitslosengeld solle wieder erhöht werden. Auch die Kürzung des Mindestlohnes sowie die Anfang des Jahres beschlossenen erleichterten Kündigungsmöglichkeiten durch private Arbeitgeber sollen nach dem Willen der neuen Regierung auf den Prüfstand kommen.
weiß Tante »Presse« zu vermelden. Ja, das klingt gut und völlig plausibel, fast so plausibel wie M. Hollandes Wahlprogramm. So schaffen sie's! Und so schaffen wir's alle — ganz sicher!

Fragt sich nur: was ...?

Dienstag, 19. Juni 2012

Intermezzo 4: »Polen und Russen«

... nannte Andreas Unterberger vor ein paar Tagen eine seiner »Fußnoten«. Und auch bei Unterberger kommt es vor, daß ein Kommentarposting besser ist als der Artikel selbst (was in den Mainstream-Medien eigentlich die Regel, nicht die Ausnahme ist). Diesmal hat Kommentarposter Helmut Oswald einen so faktenreichen Kommentar verfaßt und den handelsüblichen Geschichtslügen unserer Systempresse von ihnen die verschwiegene bzw. zu Tode beschönigte Wahrheit ins Gesicht geschleudert, daß dieser Kommentar nicht verdient, im Orkus der Archivfunktion Unterbergers sang- und klanglos unterzugehen. Daher hier wieder einmal ein Vollzitat, denn jede Auswahl wäre Informationsverlust:

Das Verständnis des Verhältnisses der Polen zu ihren Nachbarn (Wk 'die haben dann kräftig aufgeholt') ist gegenwärtig noch immer geprägt von Klischees, welche die Nachkriegs-propaganda in Umlauf gesetzt hat.

Die Polen gelten - vereinfacht gesagt - ganz allgemein als Opfer böser Russen und unentwegt stets noch viel böserer Deutscher. Sie kommen ('Jakobowsky und der Oberst') entweder als liebenswerte Tolpatsche und Biedermänner, oder als Opfer perfider Verschwörungen gegen ihre Freiheit (Sender Gleiwitz) in Geschichtsbüchern und der veröffentlichten Meinung weg. Der politische Katholizismus des sogenannten 'konservativen Lagers' leistet dazu seinen täglichen Beitrag.

Dieses Trugbild wird in Polen selbst nur von einem Teil der politischen Klasse befördert (Kaczinski Brüder), der große Teil der Polen ist längst weit realistischer im Selbstbild, als das seine Umgebung leistet. Die Wegblendung maßgeblicher, freilich in der Berichterstattung unerwünschter, weil unbequemer historischer Fakten ist - wie stets in derartigen Fällen - Grundlage dieser, freilich politisch korrekter, Vorstellungswelten. Dabei werden - nur auszugsweise - folgende historische Tatsachen verschwiegen, ihre Verbreitung unterdrückt oder diese nur zugelassen, wenn sie bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wurden.

1) das heutige polnische Staatsgebiet besteht heute zu einem erheblichen Anteil an geraubtem Land, das durch Völkermord und ethnische Säuberungen 1945 - 48 zwangspolonisiert wurde

2) obwohl es Deutschland und Österreich Ungarn waren, die im 1. Weltkrieg für Polen die Wiederherstellung eines eigenen Staates leisteten, schwenkten die unter dem späteren Diktator Pilsudski gegründete und gegen die Russen eingesetzte polnische Legion, nachdem sich das Kriegsglück gewendet hatte, rasch auf die Seite der Entente um und beteiligten sich die Mehrheit der Exilpolen mit großer Begeisterung an der Annexion deutscher Territorien von denen nicht nur völlig klar war, das in diesen zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit für den Anschluß an Polen zu finden war, weshalb unter Bruch des Versprechens von Wilson dort sicherheitshalber gar keine Abstimmung sondern bloß eine gewaltsame Annexion stattfand. Die Wiederherstellung eines eigenen polnischen Staates ist somit historisch betrachtet, keineswegs ein Verdienst der westlichen Alliierten - gedankt wurde die Wiederherstellung Polens den ehemaligen Mittelmächten aber zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil - im Gegenzug wurde mit Annexion und bewaffneter Expansion, die erst, wie auch in Kärnten 1920 durch örtliche Gegenwehr gestoppt werden konnte, das polnische Staatsgebiet aller Orten zu Lasten anderer Völker - inbesondere der deutschen - ausgeweitet.

3) der polnische Staat der zwanziger und dreißiger Jahre war ein Vielvölkerstaat - anders aber als die Monarchie - die von den Siegern als 'Völkerkerker' zwar denunziert wurde, behandelte Polen diesen Umstand mit massivster staatlicher Repression. Wenig bekannt ist, das Auschwitz und andere später so berüchtigte Orte ihre Genesis in genuin polnischen Konzentrationslagern hatten. Sie waren zwar ursprünglich keine Orte der Massenvernichtung, wie später durch die NS Führung betrieben, aber sie waren Orte massivster polizeistaatlicher Unterdrückung und Entrechtung für: Deutsche, Juden, Ukrainer, Litauer, Weissrussen und anderer der polnischen 'Staatsidee' hinderlicher Völker.

4) der polnische Staat hat, nachdem er Teil des Versailler Systems wurde, mit Entrechtung (Zwangsenteignungen) und systematischem Terror, der besonders Brandstiftung, aber auch Mordaktionen und staatliche Diskriminierung zum immanenten Bestandteil eines Gesamtsystems ethnischer Säuberungen machte, die erste Welle an Ostflüchtlingen ausgelöst, die in den zwanziger und dreißiger Jahren Deutschland erreichte und aus den ehemaligen kaiserlich-deutschen Provinzen Posen und Westpreussen versucht, polnisches Land zu machen. Dabei wird in der Ideologiediskussion übersehen, daß es nicht nur in deutschen Nationalistenkreisen das gab, was man den 'Drang nach Osten' nannte und damit die Zwangsgermanisierung zur Erlangung neuen 'Lebensraumes' meinte, sondern es gab auch das entsprechende polnische Gegenstück. Wielko Polski - Großpolen (so hieß übrigens auch eine polnische Truppe, die 1939 in den Krieg zog) - mit großpolnischer Propaganda, die unter absurder Verdrehung historischer Tatsachen eine Westausdehnung Polens unter Einschluß des Ruhrgebietes und der Stadt Hamburg - als polnische Hafenstadt - forderte.

5) Wenn sich Polen - 1939 keineswegs ein demokratisches Land - der Zustimmung seiner Staatsbürger so sicher war, warum vermochte es eigentlich keiner Abstimmung über das Schicksal des sogenannten Korridors zuzustimmen - unter internationaler Kontrolle? Stattdessen besorgte sich Polen aussenpolitische Rückendeckung bei 'Groß'britannien, Frankreich und den Vereinigten Staaten. Als letztere Macht der Regierung Rydz-Smigly (O Ton von 1939: er werde auf einem Schimmel in Berlin siegreich einreiten und den Deutschen bei lebendigem Leib die Gedärme herausreissen) die Garantie eines Kriegseintrittes an Seite Polens gab, setzte die zunächst pogromartige und schließlich massiv lebensbedrohliche Verfolgung der noch im Land befindlichen deutschen Zivilbevölkerung ein. Die zunächst noch vereinzelten Mordaktionen an Deutschen - diese waren seit sie polnische Statasbürger waren ohnehin Menschen zweiter Klasse in ihrer Heimat gewesen - setzten ab Juli 1939 ein und steigerten sich bis hin zum sogenannten 'Bromberger Blutsonntag' am 5. September, einer Mordaktion die im Laufe eines Wochenendes etwa 5.000 deutsche Menschen das Leben kostete, die pauschal als Verräter, Spione und Saboteure vom aufgebrachten und bewaffneten polnischen Mob unter aktiver Teilnahme der polnischen Exekutive (Gendarmerie und Militär) unterschiedslos getötet wurden - Männer, Frauen , Kinder. Das die Nazipropaganda die Opferzahlen später übertrieben hat, wird an diesen bedauerlichen aber heute zumeist unbekannten Fakten nichts ändern. Und Bromberg war kein 'Betriebsunfall' der polnischen Politik - es war bewußte und gewollte ethnische Säuberung.

Dies und noch viele ander Tatsachen bleiben in der politisch veröffentlichten Geschichte gegenwärtig zumeist unerwähnt - stattdessen wird die NS - Lügenaktion rund um den Sender Gleiwitz breit berichtet. Aber niemand fragt sich, wie beispielsweise ein amerikanischer oder israelischer Staat heute daruf reagieren würde, wenn seine Volkszugehörigen in einem Nachbarland Opfer massivster Entrechtung und zunehmender physischer Gewaltanwendung unter staatlicher Duldung und Förderung bis hin zu organisierten Mordaktionen wären.

Stattdessen setzt die historisch präzise Betrachtung zumeist erst ein, wenn es gilt den widerwärtigen NS Besatzungsterror gegen Polen ab 1939 in allen seinen Formen zu beschreiben. Auch wenn es keiner Vorgeschichte bedarf, um diesen kategorisch abzulehnen und die beteiligten Täter zu verurteilen - aber mit Verlaub, die ganze Geschichte muß schon erzeählt werden dürfen. Denn die Wahrheit, und zwar auch dieser Teil, ist den Menschen zuzumuten.

Ich beziehe tatsächlich viele Nachrichten aus Polen - einerseits regelmäßige zweisprachige (polnisch-englische) Publikationen eines renommierten Warschauer Militärverlages und anderseits stehe ich in Kontakt zur kleinen polnischen Gemeinschaft in Wien. Anders als bei rückwärtsgewandten linken Nachkriegswiderständlern kann ich nur zwei Feststellungen festhalten: die polnischen militärhistorischen Publikationen sind frei von jeglicher Propagandaattitüde, sie schüren keinerlei Ressentiments oder Hass und nicht einmal in Ansätzen so etwas wie Revanchismus. Sie sind von bestechender Objektivität und behandeln die ehemalige deutsche Wehrmacht unvoreingenommen und teilweise mit erkennbarem Respekt. Eine Haltung, die in usneren Breiten mittlerweile von schicksalhafter Gefährlichkeit für die bürgerliche Existenz sein kann. Zweitens: die überwiegende Zahl an Exilpolen ist ressentimentfrei, unvoreingenommen und weiß zum Teil viel genauer über den eigenen Beitrag an der historischen 'Gedächtnislast' Bescheid, als die Meisten der bei uns in allen Rängen vertretenen Buß- und Bittgänger. Ein Umstand, der auf eine versöhnliche Zukunft hoffen läßt.


Jetzt werden natürlich die üblichen Verdächtigen in den Systemmedien und die professionellen Geschichtsfälscher auf staatlichen Universitäts-Leerstühlen (die ob der Substanzlosigkeit ihres »Output« nicht anders geschrieben werden können) laut »Autobahn« aufheulen. So, wie noch vor einigen Jahrzehnten sowjetische Geschichtsforscherfälscher die stalinistischen Massaker von Katyn als faschistisch-imperialistische Propagandalüge zu verkaufen trachteten. Wer derzeit die politischen Verwerfungen, die durch das sich ankündigende Platzen des »Friedensprojektes Euro« ausgelöst und befördert werden, beobachtet, kann davon ausgehen, daß jahrzehntelage Geschichtslügen auch gegenüber den Deutschen, die doch heute im Grunde noch immer »lauter Nazis« seien, der Wahrheit weichen müssen.

Eben zerbricht an seiner Unfinanziertbarkeit der Gründungsmythos Europas: daß nach der Zeit der Dunkelheit des »Faschismus« dank angelsächsischer »Demokratie« das goldene Zeitalter der Völkerfreundschaft und Gerechtigkeit anbrach, in dem die Deutschen ihr, selbstmurmelnd nicht kollektivschuldiges, aber unauslöschliches Unrecht gegenüber dem Rest der Welt durch fleißiges Subventionieren aller anderen allmählich abtragen dürfen, und irgendwann einmal (aber nie schon jetzt) als geläuterte Mitglieder der Menschengemeinschaft akzeptiert werden können. Oder wenigstens darauf hoffen können, akzeptiert zu werden.

Irgendwann kann Deutschland nicht mehr finanzieren. Irgendwann ist nicht bloß »Schluß mit lustig«, sondern auch »Schluß mit zerknirscht«. Und dieses »irgendwann« könnte schneller eintreten, als es sich die Profiteure des Gründungsmythos Europas derzeit noch träumen lassen ...

Donnerstag, 14. Juni 2012

Intermezzo 3: ESM dank EM

... wird es später wohl heißen. Der Rettungsschirm wird unter dem großen Medienschirm der Fußball-Groupies gaaanz diskret (und auch weniger diskret, wenn's nicht anders geht) aufgespannt. Wie »Die Presse« heute zu berichten weiß, kam es wegen der unverschämten Durchwinke-Aktion der ESM-Verfassungsänderung durch die SPÖVP-Regierung und ihre grüne Blockpartei zu einem Eklat, weil sich die Blauen und Orangen (als — derzeit noch — nicht völlig gleichgeschaltete Blockparteien) doch etwas überfahren vorkamen:
Die Sitzung des Nationalrats ist Donnerstagvormittag von einem Eklat überschattet worden. FPÖ und BZÖ verließen das Plenum wegen eines Streits über den Europäischen Rettungsschirm (ESM). In den vergangenen Wochen bemühte sich die Koalition um die Stimmen der Opposition, um den EU-Stabilitätspakt mit der nötigen Verfassungsmehrheit zu ratifizieren. In den Grünen hat die Koalition nun offenbar einen Partner gefunden. FPÖ und BZÖ wussten davon nichts und fühlten sich deshalb übergangen.

Der entsprechende Antrag wurde von SPÖ, ÖVP und den Grünen kurzfristig auf die Tagesordnung genommen und wird gegen Ende der Sitzung als letzter Tagesordnungspunkt in so genannter "Erster Lesung" diskutiert. In der Folge wird er in den Verfassungsausschuss wandern und entweder bei der Sondersitzung zum Transparenzpaket Ende Juni oder in der Juli-Plenarwoche beschlossen werden. FPÖ und BZÖ sprachen von einer "Nacht&Nebelaktion".
Ja, das ist unsere Demokratie. Wenn der Wähler schon einmal gewählt hat, kann man ihm künftige lästige Wahlen ersparen, indem man ihm die Wahl läßt zwischen Wahlenthaltung und Zettelfalten ... denn nachdem die EMS-Sache durch ist, braucht man das Parlament eigentlich nur als Dekoration — man könnte es durch die Generalversammlung des Tierschutzvereins ersetzen. Denn ein Parlament, das faktisch keine Budgethoheit mehr hat, ist keines mehr — weil der Rat der Unions-Volkskommissare jederzeit zentrale Vorgaben über Wirtschafts- und Fiskalpolitik machen kann, und die ESM-Paten, gegen jegliche zivil- und strafrechtliche Überprüfung ihres ihrer (Un-)Taten geschützt, jeden Staat der EU durch Drohung mit einer ESM-Geldanforderung nach Belieben fernsteuern können.

Die Maske der vorgeblichen »Demokratie« wird in Europa immer ungenierter als längst entbehrlich weggeworfen. Es herrscht die Diktatur einer Nomenklatur, die sich selbst »wählt« (recte: kooptiert) und »kontrolliert« (recte: gegen Verfolgung immunisiert). Ein längst schon totalitäres System, das jeden Abweichler höchst effizient ausgrenzt und zwar — noch — nicht mundtot macht, aber ihm so nachhaltig isoliert, daß er von der Öffentlichkeit praktisch nicht mehr gehört werden kann. Es ist dasselbe System, mit dem Honni & Co. Kritik am DDR-Sozialismus als »Rowdytum« und »Boykotthetze« kriminalisierten.

Und klammheimlich werden immer weitere Kreise gezogen, um die Opfer, nämlich die nicht der Nomenklatur angehörenden Leistungsträger unserer Gesellschaft (die privatwirtschaftlichen Unternehmer und Dienstnehmer), am Widerstand zu hindern. Die OECD plant beispielsweise, das Delikt der Steuerhinterziehung als Geldwäsche-Tatbestand in den Verbotskatalog aufzunehmen. Was natürlich von der Neidgenossenschaft derer, die ohnehin (fast) keine Steuern zahlen, mit wohlwollendem Geheul aufgenommen wird, aber zugleich bedeuten, daß der Rechtsanwalt oder Steuerberater, der seinem Klienten Tipps zur Minderung der mittlerweile konfiskatorische Höhen erreichenden Steuerlast gibt, bereits als Mittäter mit einem Fuß im Gefängnis steht, und eigentlich — sollte ein Klient mit solchen Ideen zu ihm kommen — verpflichtet wäre, seinen eigenen Klienten unverzüglich anzuzeigen.

Das war schon das Strickmuster, nach dem die »Strafverteidiger« in der DDR und der Sowjetunion die »sozialistische Rechtspflege« zu fördern hatten (statt die Rechte ihrer Mandanten zu verteidigen). In Kombination mit Steuergesetzen, die so kompliziert sind, daß eigentlich jeder — inklusive ausgewiesener Steuerexperten — sich permanent schuldig macht, der nicht als Dienstnehmer sein Geld verdient, oder in einem Administrationswust erstickt, der ihm seine Arbeit eigentlich verunmöglicht. Das alles führt zu einem Bürger, der nur durch die Gnade der Behörde nicht verfolgt, sozial geächtet und wirtschaftlich ruiniert wird. Wo, bitteschön, ist hier noch der Unterschied zu den Verhältnissen in der DDR — mit Ausnahme der Tatsache, daß man aus dieser wenigstens theoretisch noch flüchten konnte, aus dem OECD-Regulierungsbereich hingegen eher nicht, außer man will eine Karriere als Schafhirte in Afghanistan oder als Erdnußbauer in Obervolta starten.

Die letzte Hoffnung, die uns noch bleibt, ist wohl, daß der Totalcrash der Finanzmärkte schneller kommt, als die Omnipotenzphantasien unserer Politmafiosi sich verwirklichen lassen. Eine geringe Hoffnung, freilich. Und getrübt durch die Aussicht auf Jahre bitterer Armut für viele, ja die meisten von uns. Einer Armut, die umso bitterer sein wird, als sie die ungesühnt ihre gutdotierten Ruhebzüge genießenden Mitglieder und Günstinge der Nomenklatura vor Augen haben wird, die es sich dank ihrer Gesetzgebungsprivilegien »richten« konnten. Außer, es kommt zu einem Bürgerkrieg, der allerdings mangels youth bulge ebenso unwahrscheinlich ist, wie in seinen unabsehbaren Folgen wohl auch nicht zu übertriebenen Hoffnungen Anlaß gibt, wenn er doch kommen sollte.

Montag, 11. Juni 2012

Intermezzo 2: Wikinger sind einfach klüger ...

Schrecklich, so'n rassistischer Titel (von wegen »Wikinger-Rasse«)! LePenseur errötet auch sofort über diese Entgleisung, schon die zweite in kurzer Zeit, wie die Einforderer unantastbarer Vergewaltiger-Würden leidgeprüft feststellen müssen. Wäre LePenseur auch nur halb so prominent wie der Stahlhelm-Sager, türmten sich auf Google bereits die Verweisseiten zu Abertausenden ...

In der »PAZ« (die im Gegensatz zur »FAZ« keine Zeitung für »mainstream-linige« FAZkes ist, dafür aber auch deutlich weniger journalistische PA(t)Zer macht) findet sich eine »Verschwiegene Erfolgsgeschichte«:
Nach dem Zusammenbruch dreier Großbanken hat Island einen wirtschaftlichen Absturz erlebt wie die Euro-Krisenländer Irland und Griechenland. Während diese allerdings immer tiefer in der Krise versinken, ist Island längst wieder auf Erfolgskurs.

Von „massiven Erschütterungen“ bis zum „unkalkulierbaren Risiko“: So klingen Warnungen vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone üblicherweise. Etwas anders lautet die langfristige Prognose des Chefs des weltgrößten Devisenhandelsunternehmens ICAP, Michael Spencer: „Sobald ein Land austritt und davon profitiert, werden einige andere das auch für vernünftig halten. Die ganze Dürftigkeit des Euro-Experiments wäre dann so klar zu sehen, wie des Kaisers neue Kleider.“ Ein Griechenland, das nach Rückkehr zur Drachme den Weg aus der Krise schafft, könnte in der Tat Nachahmer wie Portugal und Irland finden. Auf der Strecke bleiben würden dabei Brüsseler Träume von einer noch stärkeren europäischen Integration als scheinbare Konsequenz der Krisenbekämpfung.
Es erhebt sich die — selbstverständlich wegen flagranten Rassismus-Verdachts autobahnmäßig verbotene Frage: was haben die WikingerIsländer, was der Club Med nicht hat? Was Island nicht hat, das wissen wir: warme Meereswogen, beispielsweise (wer will schon bei Reykjavik im Atlantik baden, brrrr!). Aber was hat Island, was der Club Med nicht hat ...? Könnten die Antwort »Hirn«, »Eigenverantwortung« und »Selbständigkeit« lauten? Nur so mal hypothetisch gefragt ...

Intermezzo: Eine Herausforderung für den gesunden Menschenverstand

... präsentierte uns vor einigen Tagen »Die Welt«:
Es fordert schon den gesunden Menschenverstand heraus, zu verstehen, warum für Staatsschulden Dritter, die über 60 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen, gemeinsam getilgt, gehaftet und mit Bundesbank-Gold garantiert werden soll. Das lädt andere Euro-Staaten geradezu ein, sich erneut zu verschulden.

Während der Franzose Hollande und natürlich die SPD begeistert diesen Vorschlag aufnahmen (im Hinterkopf der "keynesianische Endpunkt"), scheint beiden die Historie der DDR-Staatsschulden entgangen zu sein.

Außer einer Einmalzahlung in diesen Erblastentilgungsfond (durch UMTS-Einnahmen) und der jährlichen Zuführung durch die Bundesbank (Teils des Bankgewinnes) war das vereinte Deutschland fiskalisch völlig unfähig auch nur einen Euro zu tilgen. Faktisch fand eine simple Überführung in die allgemeine Bundesschuld statt.

Von der ursprünglichen Schuld von über 170 Milliarden Euro sind 22 Jahre nach Ende der DDR im finanzpolitischen Sinne noch immer über 100 Milliarden Euro abzubezahlen. Wie sollen denn wirtschaftlich angeschlagene Euro-Staaten ihrem Tilgungsversprechen nachkommen? Und warum muss der deutsche Steuerzahler, den niemand fragt, dafür seinen Kopf hinhalten?
Gute Fragen. Nur leider solche, für deren wahrheitsgemäße Beantwortung man einen ebenso schnellen (in der Sanktionierung) wie langsamen (in der Dauer der Ausgrenzung) sozialen Tod stirbt. Wer immer daran denkt, in einer verantwortlichen Position diese Fragen öffentlich zu relevieren, wird sich bald mit Angeboten, die er nicht ablehnen kann, konfrontiert wissen — oder seine verantwortliche Position verloren haben. Wie es eben in Demokratien unseres Strickmusters üblich ist. Resp. in Bananenrepubliken. Und Europäischen Bananenunionen ...

Freitag, 8. Juni 2012

»Die Würde des Vergewaltigers ist unantastbar«

... findet Blogger Karl Eduard. Auch dies paßt trefflich zur thematisierten Fragestellung Gerechtigkeit und Freiheit. Mit genau jenem stimulierenden Quentchen an bitterem Sarkasmus, den wir von Kollegen Karl Eduard gewöhnt sind, und mit dem man unsere realexistierende demokratische Grundordnung betrachten muß.

Lesen!

Gedanken über Freiheit und Gerechtigkeit — Teil II

Stimmengewichtung und Steuergerechtigkeit


Wer würde es wohl als »gerecht« bezeichnen, wenn er im Restaurant (weil er nicht so viel ausgeben will bzw. kann, oder weil er einfach nur wenig Hunger hat — ganz egal!) bloß eine Kleinigkeit ißt, und dann beim Bezahlen genausoviel verrechnet bekommt wie der Nachbar, der sich über ein fünfgängiges Degustationsmenü hergemacht hat. Vermutlich niemand. Es wäre vielmehr eklatant unfair — und eine völlig absurde Idee, die jenen Gastwirt wohl blitzartig in einen Rattenschwanz von Prozessen verwickeln und in die schnelle Pleite führen würde. Denn welcher Kunde ließe es sich mehr als einmal (wenn überhaupt!) gefallen, für wenig Leistung viel blechen zu müssen.

Nur: im »Gasthof zur Wohlfahrtsdemokratie« findet diese Absurdität regelmäßig statt. Bei jeder »Wahl« gilt die Stimme dessen, der auf Kosten der Allgemeinheit lebt (Sozialhilfeempfänger, Beamte, Politiker etc.) exakt gleichviel wie die der Realsteuerzahler, die mit ihren Zahlungen das ganze überhaupt erst ermöglichen und in Gang halten. Gerecht? Fair? Die Frage zu stellen heißt zugleich, sie zu verneinen ...

Der Staat ist ja kein »höheres Wesen«, keine »Weltanschauungsgemeinschaft«, der man (sofern man von derlei Dingen beeindruckbar ist) in ehrfürchtiger Devotionsbücke naht und dem man dankbar zu sein hätte für alle Wohltaten und ohne den man nichts wäre, sondern er ist (wie das Restaurant) ein Mittel zum Zweck — und dieser Zweck ist für jeden von uns ganz konkret nur einer: uns jene Dinge, die für das eigene Überleben lebenswichtig sind, die man selbst nicht herstellen oder bewirken kann, und die auch durch wirtschaftlichen Austausch (also den vielgescholtenen »Markt«) nicht adäquat bereitgestellt werden, zur Verfügung zu stellen. Als da wären: ein an Maßstäben der Gerechtigkeit orientiertes Rechtssystem. Die Durchsetzung von Sicherheit gegenüber Rechtsbrechern. Die Unterhaltung einer Basis-Infrastruktur von Verkehrswegen, Energieversorgung, Information etc. (spätestens hier wird die Sache natürlich schwammig und gerät schnell in Gefahr, in Dirigismus und Zwangsbeglückung auszuarten — allein: »abusus non tollit usum« ...)

All das kostet natürlich Geld, und es ist völlig klar, daß dieses Geld im Umlagenwege, also durch Gebühren und Steuern, irgendwie hereingebracht werden muß. Es ist müßig, wenn nun Anhänger des ebenso verdienstvollen wie weltfremden Prof. Hoppe jetzt den Beweis anzutreten versuchen, daß all das Vorgenannte durch »Sicherheitsagenturen« und »Rechtsagenturen« ebensogut, aber viel billiger und besser ... geschenkt! Die Realität belehrt uns: es hat so noch nie funktioniert, und wird daher vermutlich auch in Zukunft nicht so funktionieren. Und wenn es wirklich einmal irgendwo und -wann so zu funktionieren schien, dann nur deshalb, weil dahinter eine staatliche Organisation quasi als »Einsatzreserve« verfügbar war. Natürlich funktioniert im Welthandel eine Schiedsgerichtsbarkeit. Aber eben nur deshalb, weil ihre Sprüche letztendlich und schlimmstenfalls durch ganz ordinäre staatliche Exekutionsmaßnahmen durchgesetzt werden können. Wo dies nicht der Fall ist (und das wäre es z.B. bei einem Schiedsspruch über Ansprüche gegen ein somalisches Piraterieunternehmen), dort wird ein Schiedsgericht wegen der offenkundigen Sinnlosigkeit garnicht bemüht. Doch zurück zum Thema ...

Wäre es daher nicht eine Forderung der Gerechtigkeit, jene, die die materiellen Grundlagen für all die obenstehenden notwendigen Staatsaufgaben überhaupt erst schaffen, also die Steuerzahler, nach Maßgabe ihres Beitrags zu diesen Mitteln mit Mitbestimmungsrechten zu versehen? Es kann doch wohl nicht gerecht sein, wenn die, die wenig oder nichts zu irgendwelchen öffentlich-finanzierten Wohltaten beitragen, ebensoviel darüber zu bestimmen haben wie die, die das alles berappen müssen!

Schnell erkennt man jedoch bei näherer Betrachtung, daß dem Problem der Stimmengewichtung ein noch fundamentaleres Problem vorgelagert ist: das der Steuergerechtigkeit.

Daß es zur Finanzierung notwendiger Staatsaufgaben der Erhebung von Abgaben (welcher Form auch immer) bedarf, ist so evident, daß es wohl kaum begründet werden muß. Doch schon bei der Frage, welche Abgaben in welcher Form eingehoben werden sollen, ergeben sich bei den heute als selbstverständlich hingenommenen Erhebungsformen, die sich vielfach nur aus reichlich dubiosen Traditionen »begründen« lassen (welche großartige Kriegsflotte wird bspw. heute über die Sektsteuer finanziert?), erhebliche Ungereimtheiten.

Nach einem Grundprinzip der Gerechtigkeit, daß der Nutznießer einer Sache auch für damit verbundene Kosten aufzukommen habe, müßte ein steuerliches Grundprinzip eigentlich die (in der heutigen Realität, außer in der Sozialversicherung, eher untergeordnet bedeutsamen) »Gebühren« und »Beiträge« als wichtigste Einnahmen anführen. Wo immer der Nutznießer einer Leistung und sein effektiver Nutzen mit vertretbarem Aufwand feststellbar ist, dort muß konsequent eine nutzungsadäquate Gebühr denjenigen treffen, dem auch der Nutzen zugutekommt. Zugleich bedeutet dies aber auch, daß alle diese Gebühren somit keinen nachgängigen Einfluß auf das Stimmrecht ausüben können — denn durch Nutzungsbereitstellung und Bezahlung für diese Nutzung sind die Konten quasi ausgeglichen, ist ein (zwar unvollkommener, doch wenigstens teilweiser) »Markt« entstanden.

Nun wird es in einer Reihe von Fällen entweder per se unmöglich, oder wenigstens mit vertretbaren Mitteln nicht feststellbar bleiben, wer welchen Nutzen aus einer Staatstätigkeit zieht. Daß Gerichtsprozesse Gerichtskosten verursachen, das ist jedem klar. Daß dies umgekehrt nicht dazu führen soll, daß Unbemittelten keinerlei Möglichkeiten zur Rechtsdurchsetzung gegen Wohlhabende gegeben sind, wohl ebenso. Nur: wer (außer den Unbemittelten) »profitiert« von der »Verfahrenshilfe« (früher weitaus plastischer »Armenrecht« genannt)? Nun — in gewissem Sinne die Allgemeinheit, in deren Interesse es liegt, daß das Recht auch von Armen gegenüber Wohlhabenden durchsetzbar bleibt. Andererseits ein Verbrechensopfer mit den Internierungskosten des in vielen Fällen eher mittellosen Täters zu belasten, wäre wohl ein Hohn gegenüber dem ohnehin bereits Geschädigten. Einen Täter jedoch einfach unsanktioniert zu lassen, weil seine Bestrafung nicht durch ihn finanziert werden kann, ist ebenso unbefriedigend! So ergibt schon ein relativ kleines und überschaubares Ressort wie das der Justiz eine bunte Gemengelage von Teilen einerseits, bei denen eine nutzungsorientierte Gebührenfinanzierung angebracht erscheint, und anderen, die wohl immer über Steuern im engeren Sinne zu finanzieren sein werden.

Im folgenden III. Teil werde ich — natürlich wieder unter dem Aspekt der Gerechtigkeit — auf die »Steuern im engeren Sinne« zu sprechen kommen, also jene Abgaben, die ohne konkretisierbare Nutzung durch den jeweiligen Steuerzahler zu entrichten sind.

Freitag, 1. Juni 2012

Gedanken über Freiheit und Gerechtigkeit — Teil I

Wie mehrfach angekündigt, werden sich die nächsten Artikel dieses Blogs mit dem Thema (und den Themen) »Freiheit und Gerechtigkeit« auseinandersetzen. Eher in Form essayistischer Betrachtungen und Überlegungen als in lehrmäßig-systematischer Aufeinanderfolge freilich — Lexika und Fachbücher, in
denen man derlei fände, gibt es bereits zu genüge. Wozu also ein weiteres Mal ...

Dennoch: am Beginn sollten doch einige Begriffsbestimmungen nicht fehlen (schon um mögliche Fehldeutungen durch oder gar Irreführungen der Leser zu verhindern).

1. Gerechtigkeit:
Dasjenige, was an Ehre, Achtung, Förderung, Eigentum, Freiheit, Verfügungsrecht, Schonung, Rücksichtnahme usw. einem geschaffenen Geiste »zukommt«, damit er sein Leben leben und seine natürliche und übernatürliche Aufgabe vor Gott erfüllen kann, bildet »sein Recht«.
... definiert das vom Herder-Verlag 1927 verlegte »Staatslexikon« (Hsgr. von Hermann Sacher, Bd. 2, 548 ff.)
unter dem Stichwort »Gerechtigkeit«. Nun, Herder ist (oder bessergesagt: war damals im Vergleich zu heute) ein »katholisches« Verlagshaus, und so verwundert es nicht, religiöse Bezüge durchaus erkennbar katholischer Anschauungen bei einem doch eindeutig »weltanschaulichen« Begriff vorzufinden. Machen wir uns also zunächst ans »Abspecken« um diese Definitionsteile, um auch Atheisten und Agnostikern einen Begriff, bei dem ihnen nicht der Schaum vor den Mund tritt, vorlegen zu können:
Dasjenige, was an Ehre, Achtung, Förderung, Eigentum, Freiheit, Verfügungsrecht, Schonung, Rücksichtnahme usw. einem Menschen »zukommt«, damit er sein Leben leben und die von seiner Natur vorgegebenen wie auch die selbst gewählten Ziele erfüllen kann, bildet »sein Recht«.
Diese Definition erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, soll aber vorerst als Vehikel für anschließende Betrachtungen ausreichen.

Es fällt auf, daß auch »Freiheit« als Teil dessen, was einem Menschen aus Gerechtigkeit zusteht, ausdrücklich genannt ist. Und in der Tat: Gerechtigkeit enthält stets das Element der Freiheit, ohne welches es ebensowenig den Namen verdient, wie eine »Gerechtigkeit«, die die Ehre, das Eigentum etc. unbeachtet ließe. Die

Freiheit:

.. ist im Vergleich zur Gerechtigkeit noch »schillernder« und durch Definitionen unfaßbarer. Der Begriff reicht von der »Freiheit des sinnvoll motivierten Aktes«, über die »Willensfreiheit« (im engeren Sinne) bis hin zur »sittlichen Freiheit« des Menschen. Vorallem von letzterer wird in der Folge die Rede sein — und sie bedeutet,
kurz gesagt, daß der Mensch den als vernünftig und sittlich gut erkannten Werten frei gegenübersteht, indem er in einer doppelten Unabhängigkeit (nämlich einerseits der von äußerem und/oder innerem Zwang wie andererseits der der Möglichkeit der Gesetzeserfüllung gegenüber anderen Motivationen) ihnen gegenübersteht.

Dieser — äußerst abstrakte im Sinne von »unkonkretisierte« — Freiheitsbegriff wird nun in weiterer Folge durch die Begriffe der »rechtlichen«, der »staatsbürgerlichen«, »wirtschaftlichen« usw. Freiheit näher bestimmt — wobei hier wie so oft das Ganze mehr ist als seine Teile: »Freiheit« ist letztlich ein den Teilbegriffen vorgängiger Grundsatz, der verwirklicht wird, oder eben auch nicht — und dann sind alle gegebenen
»Teilfreiheiten« letztlich nur ornamentale Behübschung einer existenziellen Unfreiheit, die vorallem durch die (seit den Tagen der französischen Revolution scheints unausrottbar in den Hirnen verankerte) Vorstellung, daß »Freiheit« und »Gleichheit« nur gemeinsam verwirklichbar seien (auf die unsprünglich
dazugehörende »Brüderlichkeit« wurde ob ihres nur allzu erkennbar phantasmagorischen Charakters schnell verzichtet)! Nun, Freiheit und Gleichheit gehören nicht nur nicht notwendigerweise zusammen, sondern schließen einander sogar weitgehend aus — anders übrigens als Freiheit und Gerechtigkeit, die einander wirklich wechselseitig bedingen. Nur ist Gerechtigkeit sicherlich alles mögliche — nur nicht (oder bloß in seltenen Fällen) »Gleichheit« ...

So: nach diesen Präliminarien möchte ich mich in den nächsten Artikeln konkreten Problemstellungen zuwenden, wobei ich als Jurist und Ökonom natürlich eine gewisse »Schlagseite« in der Auswahl nicht verleugnen kann. Der erste »Problemfall« wird sich mit der Frage »gerechter Willensbildung« im Gemeinwesen beschäftigen: mittlerweile sind die Zweifel am hierorts herrschenden System von »Demokratie« schon weithin
vernehmlich (was vor, sagen wir, zwanzig Jahren noch einigermaßen unvorstellbar gewesen wäre!) und reichen von bloß »technischen« Alternativvorstellungen in Wahlrechtsfragen bis hin zur »großen Systemkritik«, die sich die Frage stellt, ob eine in Form politischer Parteien betriebene »repräsentative Demokratie« überhaupt in der Lage ist, ein Staatswesen dauerhaft zu führen. »Bleiben Sie dran!«, wie es immer vor der Werbepause (die es auf diesem Blog, Gott sei Dank!, so freilich nicht gibt) so schön heißt ...

Sonntag, 27. Mai 2012

Prolegomenon zu einigen Gedanken über Freiheit und Gerechtigkeit

Wie die Leser dieses Blogs schon mitbekommen haben: das österreichische Gesetz über die Vorratsdatenspeicherung, welches seit 1. April 2012 der Staatsanwaltschaft (und damit faktisch auch der Polizei) praktisch uneingeschränkten Zugriff auf die Verbindungsdaten im Internet ermöglicht hat ebenso wie der — wenigstens für mich — unnachvollziehbare Ratschluß »Google-Bloggers«, seine Blogschreiber mit Hinterlist zur Übernahme von programmtechnischen Neuerungen zu drängen, die sie nicht brauchen, hat den LePenseur-Blog einigermaßen zum Erliegen gebracht. Dennoch: es geht weiter. Etwas anders als bisher, aber doch nicht unvergleichbar. Schwerpunkt der — seltener als früher verfaßten — Artikel werden Hintergrundsbetrachtungen über Themen sein, die nicht nur dem Blogautor am Herzen liegen, sondern in den Diskussionen in unserer Systempresse weitgehend ignoriert werden — oder mit Stehsätzchen aus der Gutmenschen-Stanze »beantwortet« werden ...

In den nächsten Wochen wird es also, wie schon angekündigt, um die Begriffe »Freiheit« und »Gerechtigkeit« gehen, sowohl um jeden dieser beiden für sich allein als auch in ihrem inhärenten Spannungsverhältnis. Ich plane da keine »Lexikonartikel« (hoffentlich wenigstens!), sondern mehr oder weniger kurze Betrachtungen, nicht gerade Aphorismen (die ihren Reiz meist der Unbestimmtheit ihres Inhalts verdanken — aber davon geht das Netz ohnehin über!), eher Fragen als Antworten, immer mit einem kleinen Montaigne'schen »Que sais-je?« in der Hinterhandf.

Und als kleiner Vorgeschmack dazu heute eine — vielen Lesern vermutlich ohnehin bekannten — kleine Anekdote aus der Zeit Friedrichs II (den ich als Österreicher noch immer nicht den »Großen« nennen mag) über Johann Friedrich Adolf von der Marwitz, welcher bekanntlich »Ungnade wählte, wo Gehorsam nicht Ehre brachte«. Man kann die Geschichte in Fontanes »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« nachlesen — sicher in brillanterem Stil, als ihn LePenseur je zuwege brächte.

Marwitz also ... ... was hätte dieser Fall mit »Gerechtigkeit« und »Freiheit« zu tun? Nun, Gerechtigkeit ist irgendwie nachvollziehbar: der Befehl zur Plünderung von Schloß Hubertusburg ist wohl ungerecht zu nennen — aber »Freiheit« ...? Welche Freiheit hatte schon ein Offizier unter einem absolutistisch regierenden König? Und genau hier setzt meine Überlegung an: Freiheit muß man sich nehmen, und auch bereit sein, ihre Folgen zu tragen. Freiheit, die im Wählen von Beliebigkeiten besteht (ob ich bspw. in meinem Stammlokal ein Rindschnitzel oder einen Schweinsbraten bestelle ist nicht »Freiheit« — nur: wenn ich es nicht mehr darf, weil z.B. Schweinefleisch verpönt wird, um niemanden zu »verletzen«, dann herrscht freilich Unfreiheit!), ist eben nicht »Freiheit«, sondern — Beliebigkeit.

Oberst von Marwitz wählte die Freiheit (und die Gerechtigkeit). Und hatte in einem tendenziell unfreien Staatsgebilde wie dem Preußen Friedrichs II durchaus unangenehme Folgen zu tragen. Wobei das Ausmaß der negativen Folgen zugleich ein Gradmesser für Freiheit und Gerechtigkeit unter diesem König, unter dieser Staatsform war: wer ähnliches z.b. gegenüber Stalin oder Hitler versuchen hätte wollen, war wohl ungleich härteren Repressalien ausgesetzt.

Meine ich also, daß Freiheit nur wenn gegen Nachteile »erkauft«, ihren Namen verdient? Nein, aber doch, daß die »Beliebigkeit«, also die mit keinerlei Nachteilen verbundene Wahlmöglichkeit, zwar eine Grundlage, in gewissem sinne eine Vorbedingung von Freiheit ist — aber allein noch nicht Freiheit bedeutet. Was Freiheit ist, darüber hat dieser Offizier und Landadelige mit seinem Verhalten eine Lehre erteilt. Und sich seinen Epitaph, den ich oben zitierte, damit mehr als redlich verdient ...

Mittwoch, 23. Mai 2012

Sarrazins Thesen

... finden bei »Experten« (welche ja teilweise sogar wirklich welche sind) durchaus Zustimmung. Natürlich nicht seine gaaanz pöhse (um nicht zu sagen: »krude«) These, warum deutsche Politiker sich wie die Lakaien submissest bücken, sobald es darum geht, etwas eklatant gegen die Interessen ihres Volkes und Staates gerichtetes auszuführen. Das geht natürlich garnicht! Einfach Autobahn, wie es autobahner nicht geht ... man kann sich die hyperventilierenden Reaktionen direkt auf der Zunge zergehen lassen:
Aus der Politik kam Kritik an Sarrazin. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hält die Thesen des Autors für "erbärmlich" und wirft ihm "D-Mark-Chauvinismus" vor. "Sarrazin rutscht immer weiter nach rechts ins Abseits. Es ist erbärmlich, dass er den Holocaust heranzieht, um seinen Thesen zu Eurobonds größtmögliche Aufmerksamkeit zu sichern", sagte Trittin "Welt Online".
Sarrazin rutscht also nach rechts in ein Abseits, wo geschätzte 80% der autochthonen deutschen Bevölkerung ihm zustimmen.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) urteilte in der "Bild am Sonntag": "Entweder redet und schreibt Sarrazin aus Überzeugung einen himmelschreienden Blödsinn oder er macht es mit einem verachtenswerten Kalkül."
Man sollte über arme Krüppel, v.a. wenn sie Verbrechensopfer sind, nichts Böses sprechen — aber wenn einer wie Schäuble mit dem verachtenswerten Kalkül, sich bei den Brüsseler Macht»eliten« (man könnte auch »Euromafia« dazu sagen) einzuschleimen, wahrheitsgemäße Tatsachenfeststellungen als himmelschreienden Blödsinn denunziert, dann darf man das schon kritisieren. Könnte der Hehler im Rollstuhl nicht zur Abwechslung mal die Schnauze halten?
FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte derselben Zeitung, Sarrazin verknüpfe "die Frage der historischen Verantwortung Deutschlands unzulässig mit der aktuellen währungspolitischen Debatte".
Mut und Grundsatztreue sind in der Politik keine Kategorien. Und unter »Liberalen«, die sich im Mainstream aalen, schon garnicht ...
Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider warf Sarrazin Unwissenheit vor. "Herr Sarrazin versucht es mal wieder mit den üblichen Provokationen. Seine Kritik am Euro ist nationalistisch und reaktionär", sagte Schneider der "Passauer Neuen Presse".

Schleswig-Holsteins SPD-Landeschef Ralf Stegner forderte Sarrazin zum Parteiaustritt auf. "Sein einzig wertvolles Buch ist das Parteibuch. Er täte sich und der SPD einen großen Gefallen, wenn er dieses zurückgibt", sagte Stegner zu "Handelsblatt Online".
Ich könnte ein weiteres Mal meinen seligen Herrn Papa zitieren, lasse es aber — solche Sozen sind mir die Mühe nicht wert ...
Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sagte: "Wäre ich Sozialdemokrat, würde ich diesen Hetzer nicht in meiner Partei dulden." Empört reagierte er darauf, dass Sarrazin in seinem neuen Buch den Holocaust und die europäische Währung in einen Zusammenhang stellt: "Offenbar kann Sarrazin den Juden den Holocaust nicht verzeihen", sagte Beck dem Online-Portal.
Un offenbar kann Beck Herrn Sarrazin nicht verzeihen, daß er einfach rechthat.
Der frühere SPD-Finanzminister Peer Steinbrück hatte den Berliner Ex-SPD-Finanzsenator bereits am Sonntagabend öffentlich in die Schranken gewiesen. In der ARD-Talkshow "Günther Jauch" trat Steinbrück entschieden Sarrazins Verknüpfung von Holocaust und Euro-Krise entgegen.

Steinbrück warf Sarrazin "Geschichtsvergessenheit und Geschichtsblindheit" vor. Vor dem Hintergrund der Katastrophen des 20. Jahrhunderts habe Deutschland eine europapolitische Verantwortung, die EU zu stabilisieren. Sarrazins biete in seinem Buch dagegen lediglich "eine sehr platte ökonomistische Analyse" ...
Ach Gottchen, von wegen »öffentlich in die Schranken gewiesen« ... Steinbrück erwies sich als substanzloser Laberer, der sich mit emotionell gefärbten Worthülsen um Fakten und Zahlen zu drücken versuchte.

Wer diese Wortmeldungen so Revue passieren läßt, weiß eines mit Sicherheit: Sarrazin hat mit seiner begeiferten These völlig recht. Denn nur an einer empfindlichen Stelle getretene Hunde kläffen derart laut und unisono.

Hunde? Ich sehe schon bedenkentragende Leser bedächtig ihr Haupt schütteln. Aber man kann doch deutsche Systempolitiker nicht mit Hunden vergleichen! Ganz richtig — dieser Vergleich ist eindeutig unfair zu Hunden. Womit hätten diese treuen, braven Geschöpfe verdient, mit derlei Geschmeiß in einem Satz genannt zu werden ...?

Dienstag, 22. Mai 2012

Doch nun zu etwas ganz anderem!

Vorab ein Hinweis an alle (bisher) regelmäßigen Leser meines Blogs: es wird weitergehen. Meinen Verzweiflungsausbruch angesichts der ungewünschten »Neugestaltung« habe ich verwunden, was allerdings — leider! — noch nicht heißt, daß ich deshalb schon Zeit gefunden hätte, meine geplante Artikelserie zum Thema »Gerechtigkeit & Freiheit« zur Publikationsreife gedeihen zu lassen. Aber wait and see ...

Doch nun, wie angekündigt, zu etwas ganz anderem:

Der ebenso hochwürdige wie auch sonst schätzenswerte Herr Alipius berichtet wohlwollend über eine »launige« Wortspende aus dem zwar exzellenten, doch m.E. nicht eben berufenen Munde des Salzburger Weihbischofs und zitiert dazu folgende Passage:
Was zieht die Menschen am Buddhismus an? Mein Verdacht: Es ist eine Weltanschauung, die zu nichts verpflichtet, sie kennt keine Gebote Gottes, für die der Mensch einmal Rechenschaft ablegen müsste!
Nun mag Weihbischof Laun sicherlich einige Ahnung von katholischen Dogmen und christlichem Glauben haben — aber vom Buddhismus versteht er offensichtlich nicht allzu viel.

Das wird, wenn man sicherheitshalber seinen ganzen Artikel auf kath.net durchliest, jedem, der sich nur ein wenig mit dieser Religion (sollte man dazu nicht besser »Religionsphilosophie« sagen?) auseinandergesetzt hat, beinahe schmerzhaft bewußt: mit einem Wort — er hat zwar keine Ahnung, davon aber jede Menge, wie der schnoddrige Schlußabsatz beweist:
Gott verhält sich wie ein richtig programmiertes GPS: Der Mensch kann hunderte Male einen anderen, falschen Weg einschlagen, Gott „berechnet die Route immer wieder neu“ und führt den, der sich führen lässt, hin zum Ziel aller Sehnsüchte, zu Gott. Auch die Buddhisten.
Wie schön, wenn hier jemand das Ziel »richtig programmiert« hat. Und Buddhisten dorthin führen läßt, wohin sie vielleicht garnicht wollten. Geführt von einem Laun-GPS, das das Ziel »aller« Sehnsüchte kennt. Wird eigentlich nur mir als libertärem Freiheitsfreund angesichts der dadurch vermittelten Unausweichlichkeit der Zielvorgabe etwas mulmig zumute? Und (ketzerische Frage, ich weiß!): wo ist hier eigentlich der Unterschied zur »Mentalität des vorgegeben richtigen Zieles«, wie wir es z.B. aus dem Munde geeichter Marxisten kennen ...?

Mittwoch, 16. Mai 2012

Meine Motivation sinkt rapide

... diesen Blog weiterzuführen. Soeben hat Blogger mein über die Jahre aufgebautes Design mit Zitatleisten etc. unwiderruflich — wenigstens ich wüßte nicht, wie ich es wieder herstellen sollte — zerstört, da ein Anklicken des »Vorlage«-Fensters, in dem man bisher in der »alten« Blogger-Oberfläche »watscheneinfach«, wie der Österreicher sagt, das Design anpassen konnte, mich ins Nirvana des ursprünglichen Minima-Designs führte.


Nun, das war's dann vermutlich. Ich weiß nicht, ob ich mir nochmals die Arbeit antue, all das irgendwie zu rekonstruieren. Falls ja, werden es meine Leser ja sehen. Falls nein, ebenso.


Adieu!

Der ESM — Europas neues Ermächtigungsgesetz.

In der ECHO-Ausgabe 1.2012 (bitte im PDF-File bis Seite 20 runterscrollen) findet sich ein keineswegs erbaulich zu lesender Artikel von Dozent Friedrich Romig unter dem Titel »Der geplante Verfassungs-Putsch im Mai«. Was dem Artikel an Erbaulichkeit fehlt, wird freilich durch seinen Informationsgehalt mehr als wettgemacht. Manchmal ist es von Vorteil, von kommendem Unheil wenigstens zu wissen, wenn man sich dagegen auch nur höchst unvollkommen (nämlich durch Auswanderung — aber wohin?) schützen kann.

Man mag Romig mögen oder nicht (ich mag ihn in vielen Bereichen, offen gesagt, nur recht schaumgebremst) — aberhier hat er leider völlig recht:
Wenn wir diesen geplanten Putsch nicht verhindern, wird die ESM-Mega- Bad Bank sich auf uns legen wie eine Krake und mit ihren Fangarmen noch den letzten Blutstropfen aus unseren Adern saugen, bevor wir endgültig im Schuldensumpf versinken..
LESEN!

Freitag, 4. Mai 2012

In den nächsten Tagen

... wird es auf diesem Blog vermutlich noch etwas ruhiger werden, als seit dem 1. April 2012. Der Grund ist einfach, daß ich eine Reihe längerer Artikel über grundlegende Fragen der Gerechtigkeit und Freiheit, der Demokratie und der Rechtstaatlichkeit und was dergleichen mehr an ungelösten Problemen (und unter den derzeitigen Verhältnissen wohl auch unlösbaren) unserer realexistierenden »demokratischen« Rechtsordnung sind.

Warum ich darüber dann überhaupt schreibe? Wohl nur, um mir in einigen Jahren nicht sagen zu müssen: als du sowas noch schreiben konntest/durftest, warst du zu bequem dazu. Jetzt ist es zu spät. Es wird nichts ändern, das ist mir bewußt. Außer für mich. Und das ist mir wichtig — trotz allem.

Donnerstag, 3. Mai 2012

»Das multikulturelle Modell wird hinterfragt«

Meint in höchst alarmiertem Ton der gestern vorgestellte Jahresbericht der »Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz« (ECRI), einer der vielen Tarn- und Vorfeldorganisationen des Europarats.
Die Krise habe nicht nur die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Zuwanderern und unterprivilegierten Minderheiten eingeschränkt. Durch Kürzungen von Sozialleistungen würden diese Gruppen nun auch vermehrt in die Armut abgedrängt. Und diese soziale Kluft „führt zu verstärkten Aggressionen auf beiden Seiten“, so der Bericht. „Das multikulturelle Modell wird hinterfragt.“ (Die Presse)
Seltsam, mir sind eigentlich die Verfolgungsjagden gegen arme Zuwanderer und »unterprivilegierte Minderheiten« (sind damit etwa bettelnde und ladendiebische Zigeunerbanden gemeint?) durch die autochthone Bevölkerung eher unbekannt. Also dürfte das Gesülze von »verstärkten Aggressionen auf beiden Seiten« sich — gutmenschlicher Vernebelungstaktik geschuldet — eigentlich nur auf eine Seite beziehen.

Und wenn dieses »multikulturelle Modell« nun hinterfragt wird, demzufolge wir Steuern und Sozialversicherung zahlenden Staatsbürger von Heerscharen von Scheinasylanten abgezockt werden und uns ohne mit der Wimper zu zucken mit den Segnungen neuester balkanesischer, kaukasischer, nordafrikanischer und kleinasiatischer Kriminalitätsmethoden vertraut machen lassen sollen, dann finde ich, daß der einzige Alarmismus, der da angebracht wäre, sich auf die Frage beschränkt, warum das alles nicht schon viel früher erkannt und bekämpft wurde, sondern erst jetzt, wo ein Gegensteuern mühsam, riskant und kostspielig ist.

Mittwoch, 2. Mai 2012

Axel Cäsar Springer

... ja, so hieß der tatsächlich mit vollem Namen, wurde heute vor hundert Jahren in Altona (heute Hamburg) geboren. Und ein Cäsar des Zeitungswesens in Deutschland nach 1945 war er ja, kein Zweifel. Mit der dazugehörigen Portion Größenwahn, wie seine ergebnislose Privatdiplomatie (Treffen mit Chruschtschow 1958) und sein ständiges Bemühen um politische Einflußnahme in der BRD bewiesen.

An Springer rieben sich die Linken ebenso wie die, die Deutschland nicht bloß als eine suzeräne Satrapie der Westalliierten definieren wollten. Springer konnte wohl nicht anders: als Patriziersohn eines Verlegers und Politikers konnte er die Linken nicht ausstehen (was ebenso begreiflich wie ehrenwert ist), als Zeitungslizenzinhaber von Gnaden der britischen Besatzer konnte er ein wirklich unanbhängiges Deutschland nicht wünschen (was ebenso begreiflich wie unehrenhaft ist). So schwankt sein Charakterbild, um Schiller zu bemühen, nicht in der Geschichte, sondern zeigt vielmehr die klare Kontur eines ebenso nach unten machtbewußten wie nach oben beflissenen Dieners seiner Herren. Und die saßen eben nicht in Deutschland (dessen heimlicher Gouverneur er wohl gerne gewesen wäre).

Seine berühmt-berüchtigten »redaktionellen Grundsätze« (1. Das unbedingte Eintreten für die friedliche Wiederherstellung der Deutschen Einheit in Freiheit - 2. Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes - 3. Die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus - 4. Die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft, nach seinem Tod um die »Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika« erweitert), nach denen Meinungsfreiheit in »seinen« Zeitungen gestaltet werden durfte, sprechen für sich. Als Libertärer befürworte ich natürlich das Recht eines Zeitungseigners, sein ihm gehöriges Medium nach Belieben zu gestalten — mir stößt es nur etwas gallig auf, wenn dieser Zeitungseigner seine konzentrierte Medienmacht erst auf der Basis einer Lizenzerteilung aufbauen konnte, die jeden nicht-lizensierten, und daher später Kommenden automatisch benachteiligte.

Wie ein Patriziersohn es mit seiner Lebenssicht vereinbaren konnte, ein letztklassiges Schundblatt wie »Bild« zu lancieren und zur — wie man zuletzt bei Wulff drastisch demonstriert bekam — machtarroganten Revolverpostille auszubauen, wird wohl auch für immer ein Geheimnis bleiben. Axel Springer, der sich immer so gerne groß- und bildungsbürgerlich gab, hatte wohl den altrömischen Grundsatz »non olet« tief internalisiert. Mußte ihn es deshalb wundern, wenn der Gestank, den dieses sein Erfolgsmedium verbreitete, und den er nicht wahrhaben wollte, dann doch an ihm hängenblieb?

Axel Springers größter Vorteil war wohl, daß seine verbissensten Gegner selbst zumeist mehr als dubiose Gestalten waren (man denke etwa an »IM Wagner«), sodaß er gegenüber solchen Subjekten noch immer als Saubermann mit korrekt geknöpfter Weste dastand. Aber es ist eben bloß die relative Überlegenheit, mit der der sprichwörtliche Einäugige unter den Blinden König ist. Und Einäugigkeit wird man Axel Springer ebensowenig absprechen können.

Ist dieser Hunderter also ein Gedenktag? Ja, aber wohl nicht in dem Sinne, den ihm die Springer-Presse zu geben versucht. Springer war nicht der Grand Old Man der deutschen Zeitungsszene. Er war der Marionettenspieler hinter manchen Kulissen der BRD. Aber einer, der selbst an Fäden hing. An (fast) unsichtbaren. Aber desto straffer gespannten ...

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P.S.: der empörte Aufschrei der Springer-Apologeten (mindestens 7-8 emp auf der nach oben offenen PPQ-Skala) zeigt an, daß die Charakteristik dieses Mannes wohl nicht so weit von der Realität geraten sein dürfte. Nun, das freut einen doch irgendwie.

Freitag, 27. April 2012

Die Neidgenossen

... sind lernresistent. Obwohl die Erfahrung mit der in Großbritannien durch die Labour-Regierung Brown eingeführte »Reichensteuer« ein Schlag ins Wasser war (nicht einmal die bewußt niedrig budgetierte 1 Milliarde Pfund — von 596 Mrd. Steueraufkommen — kam herein!), ergab eine Umfrage des linken (»liberalen«) »Guardian« ergab, daß 79,5 % für den Erhalt der Steuer sind. Abschaffen wollen die derzeitige Spitzensteuer nur 21 %. Wohl in Kenntnis dieser Umfrage erklärte Labourführer Ed Miliband in einem BBC-Interview, er würde als Premierminister die „50p Tax Rate“ wieder einführen, auch wenn er damit die Staatsfinanzen nicht sanieren könnte. Schlagender kann der sozialistische Reflex »eat the rich« nicht demonstriert werden! »Wir nehmen Leuten was weg, weil wir es ihnen neidig sind«, lautet die Devise.

Was diesseits des Ärmelkanals in Gestalt Hollandes auf uns wirtschaftspolitisch zukommt, ist zwar Aberwitz (weniger arbeiten, früher in Pension gehen, Lohnnebenkosten erhöhen, um den Aufschwung herbeizuführen — was nimmt Hollande ein, um sowas zu glauben?!), aber es entbehrt doch irgendwie der dadaistisch-destruktiven Nuance, eine Steuer, die durch Vermeidungs- und Standorteffekte zu weniger Einnahmen führt und deshalb geringfügig entschärft werden soll, in alter Höhe wieder einführen zu wollen.

Mein seliger Vater — ich zitierte ihn auf diesem Blog schon mehrfach, aber selten begründeter als heute — pflegte einst zu sagen: »Man muß nicht unbedingt ein Volltrottel sein, um die Sozis zu wählen, aber es erleichtert's einem beträchtlich!« Angesichts obiger Steuerpläne neige ich dazu (bei aller Pietät gegenüber Zitaten meines Erzeugers), dahingehend umzuformulieren, daß man offenbar doch ein Volltrottel sein muß, um die Sozen zu wählen. Den Debilitätsgrad festzustellen, ab dem man bei den Sozen dann sogar bereit ist, aktives Mitglied zu werden, kann man sich demgemäß auszumalen. Die bittere Realität — auf jedem Gewerkschaftskongreß zu besichtigen — sieht etwa so aus:

Donnerstag, 26. April 2012

Am 26. April 1872

... also heute vor 140 Jahren, wurde der deutsche Essayist und Romanist Josef Hofmiller geboren. Auch einer derer, die in der allgemeinen Kultur- und Traditionsvergessenheit nach 1945 (und 1968) ins Dunkel der Geschichte abgedrängt wurden. Es war einfach unmodern, sich mit einem der bedeutendsten Literaturkritiker der Zeit zwischen 1900 und den 20er-Jahren zu beschäftigen. Dabei war Hofmiller ja nicht einmal ein »Nazi«, sondern einfach ein in vielen Sprachen, vorzugsweise den romanischen, ungemein belesener und für alle Zeitströmungen hellwach empfänglicher — doch eben kein unkritisch »fortschrittlicher« Geist. Und das ist eigentlich Grund genug, ihn auf diesem Blog kurz in Erinnerung zu rufen.

Die biographischen Daten sind schnell erwähnt: geboren am 26. April 1872 in Kranzegg im Allgäu, gestorben am 11. Oktober 1933 in Rosenheim, hauptberuflich Gymnasialllehrer in Freising, München und Rosenheim; eine angetragene Berufung nach Köln als Professor für Romanistik lehnte er ab, und auch als geschätzter Kritiker wollte er doch nicht nach Berlin übersiedeln. So macht man eben keine Karriere ...

Ein auf den ersten Blick also »kleines« Leben. Aber nur auf den ersten, denn selbst wenn man bei Wikipedia bloß die lapidare Aufzählung seines Wirkens liest, wird man eines Besseren belehrt:
- Hofmiller verfasste Essays, Musik-, Theater- und Literaturkritiken (z.T. als ständiger Mitarbeiter) in Zeitungen und Zeitschriften wie Münchner Allgemeine Zeitung, Münchner Neueste Nachrichten, Die Zukunft, Der Kunstwart.
- Er war Mitbegründer und Herausgeber der Süddeutschen Monatshefte.
- Er wirkte als Herausgeber von Anthologien deutscher und fremdsprachiger Dichtungen
- In den Reihen Bücher der Bildung und Schönste Erzählungen des Langen-Verlages gab er 16 Einzelbände heraus.
- Er arbeitete mit an den Altöttinger Heimatbüchern.
- Er verfasste Übersetzungen aus dem Französischen und dem Englischen, sowie Briefe, pädagogische, historische und politische Abhandlungen u.v.m.
Eine überregionale Bekanntheit errang er nicht nur durch seine stilistisch geschliffenen und ungemein treffsicher fomrulierten Theaterkritiken und Buchrezensionen (die 1927 in einem köstlich zu lesenden Werk »Über den Umgang mit Büchern« ihre reife Synthese fanden), sondern v.a. durch seinen großen Nietzsche-Essay, den er 1931, als die Übermenschelei und Großmannssucht der Nazis schon stark im Schwange war, in einer Sondernummer der Süddeutschen Monatshefte veröffentlichte. Wikipedia spendet Hofmiller dazu das zweideutige Lob, von Kurt Tucholsky hiefür positiv erwähnt worden zu sein, »... obwohl er schon wegen deren politischer Rechtslastigkeit weder von den Süddeutschen Monatsheften noch von Hofmiller viel hielt«. Ist es gestattet, die Relevanz solchen viel-oder-weniger-viel-Haltens angesichts der nur allzu evidenten politischen Scheuklappen Tucholskys mit einem locker dahingesetzten »Nebbich!« ein wenig zu relativieren? Wer Josef Hofmillers Nietzsche-Essay gelesen hat, wird es verstehen.

Bekannt und zitiert wurden aus diesem v.a. die hellsichtigen Schlußsätze:
Was bleibt dann von Nietzsche? Es bleibt genug. Es bleibt mehr und Wertvolleres als ein System, das nie eines war. Es bleibt der Kritiker und Diagnostiker der Zeit. Es bleibt, nicht im deutschen Wortgebrauch, sondern im französischen, der Moralist: der Miniaturist und Außenseiter der Philosophie, der Aphoristiker. Bleiben werden am längsten die drei mittleren Werke: „Menschliches, Allzumenschliches“, „Morgenröte“, „Die fröhliche Wissenschaft“. Bleiben werden les plus belles pages, wie die Franzosen ihre feinen Auswahlen nennen. Bleiben werden Einzelheiten: Beobachtungen, Einfälle, Gedanken, Stimmungen, Maximen und Reflexionen, insoweit und weil sie unabhängig sind von seinem vermeintlichen System. Bleiben wird der Künstler, bleiben der Dichter.
Das war 1931 nun wirklich alles andere als »zeitgeistkonform«! Entweder mußte man, sei es als aussterbender »Weimarer Republikaner« und Demokrat, sei es als strammer Linker Nietzsche verteufeln, oder aber ihn frenetisch bejubeln — egal ob man als Nostalgiker eines vergangenen oder auch als Prophet eines neuen »Herrenmenschentums« unterwegs war, das im ersteren Fall meist auf den schnarrenden Kasernenhof-Ton preußischer Reserveleutnants gestimmt war, in zweiterem hingegen auf eine unbekömmliche Melange von zeitgeistigem Kulturpessimismus mit schneidiger Schlägertruppen-Uniform hinauslief.

Hofmiller ist — obwohl viel zu früh, an einem Schlaganfall nach einer Bergwanderung — doch irgendwie rechtzeitig gestorben, daß er als aufrechter »fortschrittlicher Konservativer« die Zerrüttungen des deutschen Geisteslebens während der Nazizeit (fast) nicht miterleben mußte. Nach 1945 war sein Typus nicht mehr gefragt. Ja, man hat ein Gymnasium nach ihm benannt — aber das sind Dutzend-Ehrungen ohne echten Wert. Sein klarer, feindifferenzierter Geist hingegen ist passé. Und das sagt eigentlich alles über den heutigen Zustand deutschen — nein: europäischen — Geisteslebens aus.

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P.S.: Im Gutenberg-Projekt gibt es einige Texte Hofmillers, leider nicht den erwähnten Nietzsche-Essay von 1931, sondern in der Essay-Sammlung »Versuche« nur einen Aufsatz aus Hofmillers noch deutlich »Nietzsche-unkritischerer« Frühzeit.