Als stolzer Abonnent des Deutschland-Abenteuer-Ticket, der zwischen Hannover und dem Niederrhein pendelt, wundere ich mich über die Explosion der Zugstörungen. Wenn z.B. ganze Stellwerke an kritischen Stellen ausfallen, dann vibriert mein Aluhut ganz heftig.
Ich bezweifele die Erklärung, dass alles auf den Wartungssparer Mehdorn und seine Genossen zurückzuführen ist. Ich glaube eher an "Die Antwort könnte sie verunsichern" (Lothar de Maizière). Ein Teil der Störungsmeldungen der Bahn ist verdächtig nichtssagend.
Jüngst fuhr ich bei Unwetter nach Hannover. Die Worte des angolanischen multilingualen und charmanten Schaffners vor Dortmund, dass in Hamm alles stehen bliebe. habe ich nicht glauben wollen. Um 2:30 hatte ich in Hamm den Glauben an den Schienersatzverkehr verloren. 300 Fahrgäste drängelten sich vor dem Eingang des Gliederbusses. Das hatte so Duisburger Loveparade-Charakter ...
Und so kam es, dass ich in einen ICE stieg, den der Lokführer dankenswerterweise als Aufenthaltsraum umdeklariert hatte. Ich fand einen Schlafplatz auf dem Boden eines Gepäckfachs zwische den Sitzen. Die Leute lagen auf und unter den Sitzen, andere quer über den Gang.
Im Sommer ist die Mitnahme einer Thermoskanne mit kühlem Wasser Pflicht für mich bei jede Bahnfahrt. Eine Toilettenrolle in der Reisetasche gehört auch immer dazu.
Mein Beileid. Auch ich habe das Asülanten-Ticket. Man staunt ja, wie reisefreudig unsere Bereicherer sind. Nicht immer ist ihr Fahrschein gültig oder gehört er auch zu ihnen. Dann wird die Sache (laustark) am nächsten Bahnhof geklärt, was natürlich dauert, und wenn der Anschluß knapp ist, tscha, Pech gehabt. Einige male erlebt. Ich habe wohl das Glück, zumeist etwas abseits der Ballungszentren unterwegs zu sein aber dennoch bereits reichlich Abenteuer erlebt. Da ich gerne mit den Schaffnerinnen (jederlei Genders) plaudere, erfahre ich auch einige Interna. So lernte ich auch jenen Schaffner kennen, dem ich zwei zusätzliche Stunden frostigen Wartens in Stuttgart verdanke. Der Kerl hatte sich doch tatsächlich mit einer abgebrochenen Flasche piksen lassen. Notaufnahme, lange Krankenhaus, Reha. Ein netter Kerl, der blösinnigerweise seinen Beruf liebt. Aber das war ein Extremfall, sonst sind die vielfältigen Abenteuer fast romantisch. Man hat Erfahrung und richtet sich darauf ein. Besonders haben sich meine detektivischen Fähigkeiten entwickelt, die eratischen Abfahrzeiten zu erschnüffeln. Wer sklavisch den empfohlenen Bahnsteig anstrebt, hat oft verloren. Auge, Ohren, Nase, siebter Sinn helfen dabei, den Zug, der eigentlich schon weg sein sollte, doch noch zu erhaschen. Manchmal auf die Sekunde, machmal nur mit Zuruf an einen Mitreisenden: "halten Sie die Tür auf!". Gut für den Kreislauf! Die Ausländer sind da meist hilfreicher als die bräsigen Deutschen. Überhaupt: Ich kann nur wenig Schlechtes über diese, zumeist Muslime, sagen. Zu mir betagten, leicht pummeligen alten Mann sind sie erstaunlich entgegenkommend, bieten mir oft einen Sitzplatz an und helfen mir auf der Treppe mit meinem zumeist heftigen Gepäck - öfter als die Biodeutschen. Unvergeßlich bleibt mir ein Komplimnet türkischer Jugendlicher. Ich war nachts auf dem Heimweg, von einem Volkstanztreffen: herausgeputzt, mit Janker, Haferlschuhe, Hut etc. Ich saß auf dem Kinderwagenplatz, wo man die Beine schön ausstrecken kann und nickerte vor mich hin. Eine Gruppe junger Türken schnatterte am anderen Ende der Fläche vor sich hin. Einmal öffnet ich die Augen und einer von ihnen lächelte mich freundlich an und bedeutet mir, daß ich schick gekleidet wäre. Ist mir noch nie passiert. Er bot mir noch an, mich zu wecken, damit ich meine Halte nicht verpaßte ...
AntwortenLöschenIch sehe schon, "Paranoia" ist ein ausgewiesener Abenteurer :)
AntwortenLöschenDieser Mut fehlt mir und fahre deshalb lieber mit dem Auto.
MfG Michael!
Mehr oder weniger geplant/gewollt - sehr gut möglich. Aber andererseits, wenn Sozialisten in der Sahara regieren, wird schnell der Sand knapp. Auch ohne Sabotage.
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