Der casus cnactus dabei ist, dass hier systematisch die verfassungsmäßigen Grundrechte attackiert oder gar ignoriert werden, mit Wissen von Brüssel. Die EU-Führung aber schweigt dazu, weil Rumänien zu den kritiklosen Vasallenstaaten gehört, die Vorbereitungen für den Krieg gegen Russland in aller Form mitmacht (Transit sowie Unterbringung von fremden Soldaten der NATO, sowie Einberufung der eigenen Soldaten zum Wehrdienst), und auch sonst zu den überzeugten Abnickern aller Maßnahmen in Brüssel gehört.
Anders ist Orban in Ungarn, der sich auf die Interessen des eigenen
Volkes konzentriert und deshalb ein Dorn im Auge der EU ist. Man stelle
sich einmal vor, dass derartige Rechtsbrüche wie in Rumänien in Ungarn
ablaufen würden, wie groß dann der Aufschrei in Brüssel wäre. So aber
wird da kommentarlos darüber hinweg gegangen.
Ich aber fühle mich da genötigt, zu handeln. Henryk Broder hatte ja so
treffend zu den Jugendlichen in einer Diskussion gesagt, als sie gefragt
haben, wie das denn im 3. Reich überhaupt möglich war, dass man ein
ganzes Volk systematisch in den Abgrund führen konnte. Er erklärte es
mit seiner Antwort:
„Weil sie damals so waren, wie Ihr heute seid“
Ich sehe das genauso und wehre mich gegen die Anfänge. Deshalb lehne ich mich immer wieder aus dem Fenster, auch, wenn es für mich nicht gerade ungefährlich ist. Aber das Wort „Angst“ ist mir fremd. Meine Aktion von gestern, und die likes sowie positiven Kommentare sind in Windeseile auf ein hohes Niveau gelangt (im rumänischen Facebook, übersetzt auf deutsch):
WO SIND DIE WÄHLER VON HORATIU POTRA? AUFRUF ZUR DEMO!
Wer sich an die letzte Kommunalwahl erinnert, weiß, dass es nur wenige Stimmen waren, die Potra (Bürger-meisterkandidat) angeblich hinter Roman (amtierender Bürgermeister) gelegen hat. Ich gehe davon aus, dass sich jeder, der damals Potra gewählt hat, über seine Gründe der Wahl im Klaren war.
Es hat sich aber so entwickelt, dass man diesen Mann, der mit den Unregelmäßigkeiten und der Korruption in Mediasch (Stadt in Siebenbürgen) aufräumen wollte, mit Hilfe der PNL (eine Partei der Regierungskoalition) als Staatsfeind eingestuft hat.
Mit Hilfe von immer noch nicht bewiesenen Anschuldigungen, unter völliger Missachtung des Strafrechts-paragraphen, wurde dieser Mann verfolgt. Er gilt als politisch Verfolgter in Rumänien.
Da die Staatsanwälte krampfhaft versuchen, hier irgendwelche Mosaiksteine herauszufinden, die eine Anklage zum Erfolg führen könnten, was ihnen aber bis jetzt nicht gelungen ist, verhängte man den präventiven Arrest (= Untersuchungshaft) über diesen Mann. Natürlich auch über seine Verwandten, was aber mit dem heutigen Tag für diese Verwandten aufgehoben wurde. Für ihn selbst aber besteht dieser präventive Arrest seit seiner freiwilligen Rückkehr nach Rumänien weiter.
Jedem, der in der Lage ist, das Strafrecht zu lesen, wird klar sein, dass hier gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Der Artikel 223, aus dem die Begründung für den präventiven Arrest hervorgeht, enthält keinen einzigen Punkt, der für Potra für die weitere Arrestierung eine juristische Begründung darstellt.
Der Zweck dieses präventiven Arrestes ist zweierlei:
- Man versucht bei der Staatsanwaltschaft, Zeit zu schinden, um irgendwelche imaginären Beweise zu finden, die man beim anschließenden Prozeß verwenden kann. Aber das läuft ins Leere.
- Der andere Grund ist, Herrn Potra nach den vielen Wochen des Arrests psychisch zu brechen, was aber mit Sicherheit nicht gelingt, weil Potra aus einem ganz anderen Holz geschnitzt ist.
Nun ist mir aus der Geschichte bekannt, wie man in anderen totalitären Regimen in der Vergangenheit das Recht missbraucht hat, um politische Ziele zu erreichen oder — wie in diesem Falle — zu wahren.
Ein berühmter Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime und berühmter Schriftsteller Deutschlands, Bertholt Brecht, hat einmal ganz treffend gesagt:
„Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht, Gehorsam aber zum Verbrechen“
Mein Großvater hat das im Nationalsozialismus ernst genommen und dafür mit dem Leben bezahlt. Aber ich sehe mich in der Erbfolge der Verantwortung und werde mich genauso für Leute, die unschuldig eingekerkert wurden, einsetzen. Ich mache das nicht für mich persönlich, sondern für die Bevölkerung in Rumänien. Dieses Land ist es einfach wert, dass ich mich dafür einsetze.
Aber jeder soll sich darüber im Klaren sein, dass es für alles einen Anfang gibt. Dieser Anfang war bereits im Dezember 2024 mit Georgescu (illegale Annullierung der Präsidentenwahl), und er nimmt immer mehr Formen an. Deutlich wurde es in dem Report: DOCUMENTAR RECORDER. Justiție capturată. (investigative Jour-nalisten haben die illegale Verbindung zwischen Regierung und Justiz aufgedeckt)
Das bedeutet im Klartext: Für Potra auf die Straße zu gehen und für seine Freilassung zu demonstrieren, ist keine Art von Gefälligkeit für Potra, sondern es ist ein Manifest dafür, dass man nicht bereit ist, juristische Willkür aus politischen Gründen hinzunehmen.
Diese Willkür kann jeden treffen, heute, morgen, oder irgendwann. Mich, Dich, den Nachbarn — und wenn wir schweigen, dann interpretieren das diejenigen, die über uns Politik machen, immer als Zustimmung.
Deshalb ist das Eintreten für die Freiheit für Potra auch das Eintreten für unsere zukünftige Freiheit, für uns selbst, für unsere Kinder und Enkel. Denn sonst wären die Leute im Dezember 1989 umsonst gestorben.
Brecht als Widerstandskämpfer???
AntwortenLöschenAnonym23 Januar, 2026 09:00:
AntwortenLöschenAm einfachsten geht es, wenn man KI fragt. Die Antwort:
Zunächst suchte er Zuflucht in Dänemark und wohnte bei der Schriftstellerin Karin Michaëlis, bevor er sich in Svendborg niederließ. Von 1933 bis 1939 war er Mitherausgeber der antinazistischen Zeitschrift „Das Wort“ und schrieb weiterhin Theaterstücke, darunter „Angst und Elend des Dritten Reiches“, das sich direkt mit der bedrückenden Atmosphäre Nazi-Deutschlands auseinandersetzte .
"Kämpfer" ist trotzdem was anderes.
AntwortenLöschenCher (chère?) Anonym,
AntwortenLöschen"Kämpfer" ist bei vielen Widerstandskämpfern nur metaphorisch gemeint. Die meisten haben Widerstand geleistet, wo sie ihn (sich) leisten konnten. Und nicht unbedingt mit der Waffe in der Hand.
Die Geschwister Scholl werden sicher gemeinhin als "Widerstandskämpfer" eingestuft werden, obwohl sie "nur" Flugblätter verteilt haben (was sie dann das Leben kostete). Da es allerdings nicht zwingendes Erfordernis für eine Einstufung als Widerstandskämpfer ist, von den Nazis umgebracht worden zu sein, ist Brecht wohl nicht wirklich so völlig anders zu einzustufen als die Geschwister Scholl.
Kampf muss nicht mit der Waffe sein, das ist richtig. Aber es suggeriert zumindest Mühe oder Leiden, jedenfalls hohen persönlichen Einsatz. Die Scholls würde ich darum auch gelten lassen, weil sie im Land blieben. Aber das war bei Brecht nicht der Fall, er agierte von einem sicheren Land aus.
AntwortenLöschenNatürlich kann man über den Lebensablauf von Brecht unterschiedlicher Meinung sein. Auch Willy Brandt hat sich ja nach Norwegen abgesetzt, nachdem es um den Tod eines SA-Mannes gegangen ist, der ihm zur Last gelegt und bis heute nicht aufgeklärt wurde. Was für mich bei Brecht im Vordergrund stand, das war der berühmte Ausspruch, obwohl man auch hier gerne andere Verfasser dafür zitiert. Ähnlich wie Voltaire und Beatrice Hall. Aber die Weltanschauung sowie die generellen Ansichten sprechen für Brecht als Verfasser. Meine ich zumindest.
LöschenIm Zusammenhang mit "Das Leben des Galilei" verlangt Brecht nicht mehr und nicht weniger, als dass man sich für seine Überzeugungen ausgiebig und lange foltern lassen und letztlich lebend grillen lassen soll. Ließ sich aber mit österreichischer Staatsbürgerschaft und Schweizer Bankkonto von den Ostberliner Kommunicken den Aasch pudern. Auch unterschlägt er bei seinem Spruch von den drei Kriegen, die Karthago führte, schamlos die Tatsache, dass die Karthager auf den Dritten Punischen Krieg alles andere als heiß waren: Sie mussten sich die fiesesten Bosheiten gefallen lassen, bis zuletzt gar nichts mehr ging, als Verzweiflungskampf.
AntwortenLöschenNa, sowas hätten die Scholls mal währen des Krieges bei den ach-so-edlen Engländern machen sollen, ein Flugblatt gegen Churchill verteilen. Seltsamerweise weiß kaum einer darüber, obwohl Agatha Christie davon in ihrem Romanen verrät. Stefan Zweig wußte ganz genau, warum er, trotz britischem Paß!, das sichere England floh ...
AntwortenLöschenSei gepriesen für diese Anmerkung.
LöschenSophie Scholl hinzurichten, war idiotisch. Aber Militärangehörige, die in Kriegszeiten gegen die eigene Truppe wirkten, hatten nun mal zu allen Zeiten sehr schlechte Karten quoad vitam, ganz unabhängig von eventueller moralischer Berechtigung.
Um dieses Thema "Widerstandskämpfer" zum Abschluss zu bringen: Mein Großvater war Gewerkschafter und setzte sich aktiv für zu Unrecht
AntwortenLöschenVerurteilte im Nazi-Regime ein. Er nannte auch die Dinge öffentlich beim Namen, die dort falsch gelaufen sind. Bei einem Betriebsausflug auf einem Donauschiff haben ihn die SA-Leute ertränkt wie eine Ratte. Offiziell hat man das als Selbstmord hingestellt. Ist resp. war er nun ein Widerstandskämpfer oder nicht? Meiner Großmutter wurde nach einem Besuch von hohen Beamten des damaligen Regimes aufgegeben, zu schweigen, und sie erhielt eine ansehliche Pension, mit der sie ihre drei Kinder, darunter meinen Vater, durchbringen und mit der sie leben konnte. Einsichten bei der PV in die Hintergründe dieser Pensionsentscheidung wurden mir verwehrt, aus Gründen des Datenschutzes. Vermutlich lebt derjenige noch, der diese Entscheidung damals unterschrieben hat, obwohl es unwahrscheinlich ist.
Ich setze mich auch hier in Rumänien gegen das Unrecht ein, ich prangere öffentlich an, wenn die Verfassung und prinzipielle Regeln im Strafgesetzbuch für politische Zwecke ausgehebelt werden. Meine Frau hat immer Angst, dass ich mal um 5 Uhr früh unerwarteten Besuch bekommen könnte. Bin ich nun ein Widerstandskämpfer? Nein. Ich betrachte mich als mündigen Bürger.
Ich freue mich, wenn mein Artikel positive oder auch negative Kommentare bewirkt, keine Frage. Wenn mich etwas stört, dann ist es, wenn die Kommentare sich mit absolut sekundären Problematiken beschäftigen und die eigentiche Quintessenz, was ich mit meinem Artikel nahebringen wollte, dabei verloren geht. Übrigens eine beliebte Methode der amtierenden Politiker. Deshalb werde ich im nachfolgenden Kommentar das nochmals hervorheben, worums mir eigentlich geht. Hoffentlich allgemeinverständlich.
Einverstanden, Zustimmung. Nur ging der Krieg eben gegen ALLE Deutschen, und diente mitnichten zur Befreiung derer von den Natzis.
Löschen>> Mein Großvater war Gewerkschafter und setzte sich aktiv für zu Unrecht
AntwortenLöschenVerurteilte im Nazi-Regime ein. <<
Ich möchte Ihren Einsatz nicht schmälern, denn jeder Widerstand gegen Unrecht ist der Ehren wert.
Nur haben Sie selbst jemals jene geehrt, die in Kampf gegen Denk- und Forschungsverbote des BRD-Regimes (und des österreichischen) vernichtet wurden? Jene, die auf Zions Altar geopfert wurden? Was da läuft ist ja nicht ganz neu und nicht ganz originell. Das Unrecht, welches ihr bislang duldetet hat nun Metastasen gebildet.