Mittwoch, 10. Oktober 2018

Ein Zitat



aus Anlaß der 45. Wiederkehr des Todestages von Ludwig von Mises. Passenderweise für unsere Zeit über eine jener Geisteskrankheiten, für deren Therapie sie sich halten — den Sozialismus:
Der Neurotiker kann das Leben in seiner wahren Gestalt nicht ertragen. Es ist ihm zu roh, zu grob, zu schlecht. Um es sich erträglich zu gestalten, will er nicht wie der Gesunde „allen Gewalten zum Trutz sich erhalten“; das wäre seiner Schwäche fremd. Er flüchtet in eine Wahnidee. Die Wahnidee ist, nach Freud, „selbst etwas Erwünschtes, eine Art Tröstung“; sie ist gekennzeichnet durch „ihre Resistenz gegen logische und reale Angriffe“. Es genügt daher keineswegs, sie dem Kranken durch überzeugende Beweise ihrer Unsinnigkeit ausreden zu wollen; um zu genesen, muß der Kranke selbst sie überwinden, er muß verstehen lernen, warum er die Wahrheit nicht ertragen will und zum Wahne seine Zuflucht nahm …

Auch der Marxismus kann das Bild der sozialistischen Gesellschaft nicht anders konstruieren als durch zwei schon von Fourier gemachte Annahmen, die aller Erfahrung und aller Vernunft widersprechen. Auf der einen Seite die Annahme, daß das „materielle Substrat“ der Produktion, das „ohne Zutun des Menschen von Natur vorhanden ist“, so reichlich zur Verfügung steht, daß mit ihm nicht gewirtschaftet werden muß; daraus ergibt sich dann der Glauben an eine „praktisch schrankenlose Steigerung der Produktion“. Auf der anderen Seite die Annahme, daß im sozialistischen Gemeinwesen die Arbeit „aus einer Last eine Lust“, ja, daß sie „das erste Lebensbedürfnis“ werden wird. Wo alle Güter im Überfluß zur Hand sind und die Arbeit Lust ist, kann man freilich unschwer das Schlaraffenland einrichten …

Im Leben des Neurotikers kommt der Lebenslüge eine doppelte Aufgabe zu. Sie tröstet über den Mißerfolg und stellt kommende Erfolge in Aussicht. In dem Falle des sozialen Mißerfolges, der uns hier allein angeht, liegt der Trost in dem Glauben, daß das Nichterreichen der angestrebten hohen Ziele nicht der eigenen Unzulänglichkeit, sondern der Mangelhaftigkeit der gesellschaftlichen Ordnung zuzuschreiben ist. Von dem Umsturz der Gesellschaftsordnung erhofft der Unbefriedigte den Erfolg, den ihm die bestehende Ordnung vorenthalten hat. Da ist es nun ganz vergebens, ihm begreiflich zu machen, daß der geträumte Zukunftsstaat undurchführbar ist und daß die arbeitsteilige Gesellschaft anders als auf Grundlage des Sondereigentums an den Produktionsmitteln nicht bestehen kann. Der Neurotiker klammert sich an seine Lebenslüge, und wenn er vor die Wahl gestellt wird, entweder ihr oder dem logischen Denken zu entsagen, zieht er es vor, die Logik zu opfern. Denn das Leben wäre ihm unerträglich ohne den Trost, den er in der sozialistischen Idee findet. Sie zeigt ihm, daß die Fehler, die seinen Mißerfolg verschuldet haben, nicht in seiner Person, sondern in dem Gang der Welt liegen, hebt damit sein gesunkenes Selbstbewußtsein und befreit ihn vom quälenden Minderwertigkeitsgefühl. Wie der gläubige Christ das Mißgeschick, das ihm auf Erden widerfuhr, leichter hinnehmen konnte, weil er an eine Fortsetzung der individuellen Existenz in einem besseren Jenseits hoffte, in dem die, die auf Erden die Ersten gewesen waren, die Letzten sein werden und die Letzten die Ersten, so ward für den modernen Menschen der Sozialismus zum Elixier gegen irdisches Ungemach.
(Dank an Oliver Janich, auf dessen Website diese und weitere Zitate zu finden sind)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Immer mehr Wirtschaftsunternehmen, zumal jetzt in Bayern kurz vor der Wahl, warnen eindringlich vor den Populisten. Heute MTU in einem Brief an die gesamte Belegschaft, wo glasklar gesagt wird, dass die AfD-Ausländerfeinlichkeit wirtschaftsfeindlich ist.

Mal sehen, wie es jetzt mit der "Wirtschaftsfreundlichkeit" bestellt ist, die der Populist Le Penseur wie eine Monstranz vor sich her trägt... :-)

Anonym hat gesagt…

Eine wunderbar zutreffende Definition der Neurose samt ihrer Genese!
Kann es sein, daß dies auch das Vorhandensein von 80% Geschlitzten in jeder Psychiatrie erklärt?

Katholiban hat gesagt…

Der Papst hat heute festgestellt, dass Frauen, die abtreiben, Auftragskillerinnen sind.
Na, das ist doch mal in Form und Inhalt ganz im Sinne des (vielleicht doch zu früh) abgefallenen Ex-Katholiken Penseur. 😁

Le Penseur hat gesagt…

Cher (chère?) "Anonym" (10. Oktober 2018 um 19:42),

die mit der Politik nur allzu gut vernetzten Großbetriebe fürchten natürlich, ihre langerprobten korruptiven Netzwerke zu verlieren, sollte es zu einem politischen Erdbeben in Bayern (und danach in ganz deutschland) kommen. That's it.

Das hat mit "Wirtschaft" etwa so viel zu tun, wie umgekehrt das Verständnis, das Mafia-nahen Bauunternehmen in Sizilien von bestimmten Lokalpolitikern entgegengebracht wird ...

Beim Massenimport am Arbeitsmarkt unvermittelbarer, weil strunzdummer, ungebildeter, teils analphabetischer, religionsfanatischer, aus Steinzeitkulturen entsprungener Dach-der-Welt-Bewohner oder subsaharischer Neger fragt man sich schon, was "die Wirtschaft" mit solchen, auf unabsehbare Zeit von Steuergelder zu alimentierenden Eindringlingen am Hut haben sollte.

Eine ökonomische Antwort darauf fällt mir jedenfalls nicht ein. Ihnen etwa?


Le Penseur hat gesagt…

Cher "Katholiban",

eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer, und angesichts des teilweise gemeingefährlichen Unsinns, den Papst Franz sonst so verbreitet (und seiner sonstigen Handlungsweisen), fällt es mir irgendwie schwer, ihn zu loben.

Mal davon abgesehen, daß m.E. die pauschale Bezeichnung von abtreibenden Frauen als "Auftragskillerinnen" (hat er das wirklich exakt so gesagt?) so auch ziemlich daneben ist — aber das nur nebenfüglich bemerkt ...

Und über die Rechtzeitigkeit meines Kirchenaustritts, denke ich, brauch Sie sich keine Sorgen zu machen. Ich würde sagen: er erfolgte eher zu spät, als zu früh.