Mittwoch, 30. November 2016

"Papst-Kritikern droht Wegnahme des Kardinalshuts"

... titelt DiePresse mit merklicher Genugtuung. Nun, man wird sehen, ob Papa Buonasera wirklich so weit zu gehen wagt ...

DiePresse jedenfalls kramt in kirchenhistorischem Halbwissen und meint:
Erinnerungen an die Causa Groër werden wach.

 (Die Presse


Vatikanstadt. Franziskus überlegt offenbar, jenen vier Kardinälen, die ihn zuletzt öffentlich kritisiert haben, eine deutliche Antwort zu geben. Er könnte ihnen die Kardinalswürde aberkennen, ihnen ihre „roten Hüte wegnehmen“, wie es der Chef des obersten Zivil- und Strafgerichts des Vatikans, Rota, Pio Vito Pinto, formuliert.


Die Vorgeschichte: Der frühere Kölner Erzbischof Joachim Meisner, Ex-Vatikan-Geschichtsinstitutsleiter Walter Brandmüller, der strafversetzte Protektor des Malteserordens, Leo Raymond Burke, und der Alterzbischof von Bologna, Carlo Caffarra, hatten das päpstliche Schreiben „Amoris laetitia“ kritisiert. 
Nein, da werden keine Erinnerungen wach, sondern hier werden die sprichwörtlichen Äpfel mit Birnen (oder eigentlich, von der Verschiedenartigkeit her, eher mit Smartphones) verglichen.

In der "Causa Groër" ging es um (angebliche oder wirkliche, eine eingehende Klärung unterblieb hiezu bis heute) sittliche Verfehlungen eines Kardinals, dem aber nicht der Kardinalsrang aberkannt wurde, sondern der als Erzbischof von Wien schnell "resigniert wurde", worauf sein Koadjutor Schönborn nachrückte. Als Schönborn einige Zeit später selbst Kardinal wurde, trat Groër in Rom sehr wohl im Kardinalspurpur auf (was linke "Wir sind Kirche"-Funktionäre zur Rotglut erhitzte).

Auch die beiden anderen im Artikel genannten Fälle (Billot und O'Brien) sind nicht vergleichbar: bei dem ersteren war es seine pronocierte Unterstützung einer recht militant politischen Organisation, die Pius XI zum Ziehen einer "Notbremse" veranlaßte, beim anderen ging es um Mißbrauchsvorwürfe ähnlich dem Falle Groër. Es gehört aber schon viel Phantasie dazu, zwischen Mißbrauchsvorwürfen oder politischer Agitation einerseits, und Kritik an einer Änderung von innerkirchlichen Normen zum Sakramentenempfang einen Vergleich herzustellen.

Außer der "Vergleich" läge darin, daß die Grundnorm der Katholischen Kirche (wie deren Kritiker ja behaupten) darin läge, daß der Papst ein über jeden Einwand erhabener Diktator sei, bei dem Kritik als Majestätsverbrechen (oder warum nicht gleich: Gotteslästerung) schärfste Sanktionen nach sich zieht.

Franziskus sollte sich im Fall eines so drastischen Entschlusses, der in der Vergangenheit der letzten Jahrhunderte, wenigstens seit der Zeit nach dem Abendländischen Schisma, kein Vorbild hätte, allerdings besser umbenennen auf Papst Joseph I. 

Nicht zu Ehren des Nährvaters, sondern vielmehr des Kirchenvaters aller rücksichtslosen Diktatoren, Joseph Wissarioniwitsch Dschugaschwili, a.k.a. Josef Stalin.

Ich bin alt genug, mich persönlich noch des Dokumentes einer Gruppe von Kardinälen unter Führung von Ottaviani zu entsinnen, welche damals gegen verschiedene Neuerungen im Novus Ordo Missae schwerwiegende Vorbehalte anmeldeten. Paul VI reagierte darauf nicht mit einer Absetzung der betreffenden Kardinäle. Zu Zeiten Pius XII (dem mangelnde Wertschätzung für die Position des Päpstlichen Stuhles fürwahr nicht vorgeworfen werden kann!) gab es einen Kardinal, welche aus Protest gegen Pius' XII Kirchenpolitik den Vatikan nie betrat. Auch er wurde seines Kardinalates nicht entkleidet.

Bloße Kritiker ihrer Ämter und Ränge zu berauben, ist stets das Zeichen diktatorischen Vorgehens. Die vier Kardinäle haben ja nicht mit einem Schisma gedroht, oder ihrerseits den Papst zum Rücktritt aufgefordert, oder gar einen Kardinalsputsch unter dem Vorhalt einer Geisteskrankheit oder sonstigen Amtsunfähigkeit des derzeitigen Papstes angezettelt. Sie haben in offenen Worten ihrer Sorge Ausdruck verliehen, und das muß auch in einem Autoritätsapparat, der nicht zu einer totalitären Maschinerie à la KPdSU verkommen will, möglich und zulässig sein.

Sollte Papa Buonasera tatsächlich zu dem Mittel greifen, Kardinäle wegen einer Kritik an seinen Neuerungen zu degradieren, werde ich für meine Person jedenfalls die Konsequenz daraus ziehen, und aus der Kirche austreten. Es wird dem Papst zwar herzlich egal sein, ob ein Schäfchen aus der Herde von mehr als einer Milliarde davongeht, aber irgendwie wäre dieser Schritt für einen Freiheitsfreund wie mich dann ebenso logisch wie unaufschiebbar. Einer Organisation anzugehören, die mit solchen Mitteln ihre "Disziplin" wahren muß, ist nicht nach meinem Geschmack. 

Was die jetzt unter Beschuß geratenen Kardinäle betrifft, wünsche ich ihnen, der Kirche und uns allen, daß sie suaviter in modo, doch fortiter in re dem Papst durch ihre Verhalten zeigen, daß auch seine kanonisierte "Unfehlbarkeit" nicht mit schrankenloser Willkür und Alphatier-Gehabe identisch ist. Im Fall der drei bereits emeritierten Kardinäle Meisner, Brandmüller und Caffarra wäre die Drohung mit einem vollständigen "Rausschmiß" darüberhinaus das Anzeichen bodenloser Menschenverachtung: es gibt Pietätspflichten gegenüber alten, langgedienten und verdienten Mitarbeitern auch für einen Papst, auch für einen kurialen Apparat! Im Falle von Kardinal Burke hat dieser bereits die schnell erregbare Ungnade des derzeitigen Papstes zu spüren bekommen, indem er faktisch schon in die Wüste geschickt, und auf eine bloße Titularfunktion abgeschoben wurde.

Ich wünsche den betroffenen Kardinälen den Mut, vor den unverhohlenen Drohungen und der seitens "geschmeidigerer" Kurialer einsetzenden sozialen Ausgrenzung nicht einzuknicken. Alles andere wäre Verrat an Geschichte und Geist des Kollegiums, dem sie (noch) angehören. Dieser Geist war wenigstens vor einigen Jahrzehnten noch lebendig, damals, als die Reform des Kardinalskollegiums alle über 80-jährigen Kardinäle des Papstwahlrechts beraubte; auch das schon ein beispielloser Eingriff in die Rechte der Kardinäle, in Gang gesetzt aus dem Bestreben Pauls VI, sich ein ihm erwünschtes Wahlorgan für seine Nachfolge schneller ernennen zu können. Gleichzeitig wurde die bisher immer vom ältesten Kardinal-Bischof ausgeübte Würde des Kardinal-Dekans (als formellem primus inter pares des Kollegiums) zu einer gewählten Funktion umgebaut, und der Papst-Günstling und damalige Staatssekretär Villot im Blitzverfahren zum Kardinalbischof ernannt: ein Wink mit dem Zaunpfahl, nach dem Ableben von Kardinal Tisserant diesen noch relativ jungen Kardinal gefälligst zum Dekan zu wählen!

Die Eminenzen entschieden anders: sie wählte Amleto Kardinal Cicognani zu ihrem neuen Dekan. Den Ältesten unter ihnen. Gegen den der Papst jedoch, da er selbst ihn wegen seiner außerordentlichen Fähigkeiten und seines Elans weit über die von ihm verfügte Altersgrenze von 75 als Staatssekretär im Amt verlängert hatte, keinen Einwand erheben konnte.

Paul VI soll damals, so raunen eingeweihte Kreise, über diesen klugen und souveränen Schachzug der Purpurträger vor Wut geschäumt haben. Daß er sie wegen dieser symbolischen Ohrfeige jedoch ihrer Ämter enthoben hätte, war nicht der Fall. Nun ist zwar Paul VI jener Papst, an den ich meine ersten klaren Erinnerungen bis ins junge Erwachsenenalter hinein habe (denn ich habe zwar schon Pius XII "erlebt", aber schon Johannes XXIII ist mir nur in confuso im Gedächtnis geblieben, genau erinnere ich mich eigentlich nur mehr an die Fernsehübertragung seines Requiems); dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, war ich nie wirklich ein "Fan" Pauls VI, muß ihm jedoch konzedieren, hier korrekt reagiert zu haben.

Sollte der derzeitige Papst jedoch die Stirn haben, auf eine bloße Kritik mit Degradierung höchster kirchlicher Würdenträger zu reagieren, dann wäre das nicht bloß für ihn die blamable Enttarnung als rachsüchtiger Kleingeist (nun, dies wäre, wenigstens für mich, nicht überraschend ...), sondern für die gesamte Kirchenleitung ein fatales Signal eines bedenkenlosen Agierens par ordre du mufti, der ungute Assoziationen in Richtung auf eine doch recht andere "abrahamitische Religion" aufsteigen ließe ...


Heute vor 155 Jahren

... wurde der österreichische Komponist und Musiktheoretiker Ludwig Thuille, enger Freund des etwas jüngeren Richard Strauss, zu Bozen geboren. Und viel zu früh, 1907, erst im 46. Lebensjahr stehend, ist er an plötzlichem Herzversagen in Müchen, wo er Professor für Kompositionslehre und Musiktheorie an der Königlichen Musikschule war, verstorben.

Die Schar seiner Schüler liest sich wie ein Who is Who der deutschen und internationalen Musikszene der Jahrhundertwende; in der Tat war seine ausgeprägte stilistische Eigenart für viele von ihnen durchaus prägend, sodaß man geradezu von einer "Münchener Schule" spricht, die er begründete.

Sein sicherlich bis heute bekanntestes Werk (neben einer Reihe von Liedern) ist das meisterhafte Sextett für Klavier und Bläser. Doch soll  zu seinem Gedächtnis das ebenso großartiges Konzert für Klavier und Orchester in D-Dur aus dem Jahre 1886 vorgestellt werden, das mit seiner schwungvollen Thematik ebenso fesselt, wie mit der meisterhaften Instrumentation und der formalen Geschlossenheit, mit der die Themen sich entwickeln und mit einander verwoben werden:



Obwohl zu Lebzeiten als Komponist durchaus be- und anerkannt, verschwanden wohl durch seinen frühen Tod die Werke allmählich von den Opernbühnen und aus den Konzertprogrammen; erst in den 90er-Jahren kam es wieder zu einer kleinen Wiederentdeckung eines zu Unrecht vergessenen Großen, den ein tragisches Schicksal gehindert hatte, in die Reihe der ganz Großen einzutreten ...

Dienstag, 29. November 2016

Und schon wieder ein Lügeng'schichterl unserer Systemmedien aufgeflogen! Was heißt da: "EIN Lügeng'schichterl"? TAUSENDE!


Fake News Alert: CNN Finally Admits White Helmets Staged Fake Video 

November 27, 2016 (Tony Cartalucci - LD) - CNN, among many other establishment media platforms, has long promoted the US-European funded "Syrian Civil Defence" also known as the "White Helmets."


Yet on November 25, they published an article titled, "Syria's White Helmets apologize for Mannequin Challenge video," in which they admit:
It's a familiar scene: Syria Civil Defence, also known as the "White Helmets," rushing to rescue a man covered in rubble, but unlike thousands of other videos from Aleppo, this one is staged.
(Hier weiterlesen)

CNN & Co. veranstalten "Infotaiment", lassen sich als Medienhuren nur zu gerne von Militärs und Geheimdiensten "embedden", mit einem Wort: sie machen alles ... außer eben: seriöse, wenigstens ansatzweise (man wird heute bescheiden!) faktentreue Berichterstattung.

Und dann wundern sie sich noch, wenn sie (je nach dem Verärgerungslevel des Zusehers bzw. Lesers) als "Lügenpresse" oder "Lückenpresse" bezeichnet werden.

Prostituierte haben den Presstituierten gegenüber den Vorteil, daß sie wenigstens selbst nicht an ihre engelsgleiche Unschuld glauben, und sich auch lächerlich vorkämen, wollten sie diese ihren Kunden als Märchen vorgaukeln.

Die Presstituierten hingegen sind entweder bereits so pathologische Lügner, daß sie glauben, mit ihrer vorgeblichen Aufdecker-Masche bei hinreichender Wiederholung ihrer Lügen das Publikum schon rumkriegen zu können, oder sie sind so doof, ihre Lügen selbst zu glauben.

Beide Erklärungen reichen allerdings nicht aus, Leuten dafür ein Geld abzuverlangen. Denn verarschen können wir uns genausogut kostenfrei ...

2 x Winter in Zypern

So:


... oder so:




Montag, 28. November 2016

Gastkommentar: Auf nach Japan!

von Rumar Druzdnar 

Da können wir uns ein Beispiel nehmen.
Die Nippons sind anders.

Die Japaner wollen ihre Kultur erhalten. Aus diesem Grund hat bisher kein politischer Führer oder ein Premierminister aus einem islamischen Land Japan besucht. Weder ein Ayatollah aus Iran, noch ein König von Saudi-Arabien oder ein saudischer Prinz. Japan ist ein Land, in dem es strenge Regeln und Beschränkungen für den Islam und alle Muslime gibt.

1) Japan ist die einzige Nation, in der Muslime die Staatsbürgerschaft nicht erhalten.
2) Muslime können in Japan keinen ständigen Wohnsitz erhalten.
3) In Japan ist es verboten den Islam zu verbreiten oder zu missionieren.
4) Japanische Universitäten lehren weder Arabisch oder eine andere islamische Sprache.
5) Der Koran darf nicht in einer arabischen Sprache eingeführt und veröffentlicht werden.
6) Die japanische Regierung erteilt befristete Aufenthalte für maximal 200.000 Muslime. Das sind etwa 1,5 ‰ der Bevölkerung. Sie müssen die die Gesetze des Landes befolgen, sollen japanisch sprechen und müssen ihre religiösen Rituale in ihren Häusern ausüben.
7) Japan ist das einzige Land in der Welt, das eine zu vernachlässigende Zahl von Botschaften in islamischen Ländern unterhält.
8) Muslime mit Wohnsitz in Japan sind in der Regel Mitarbeiter von ausländischen Unternehmen.
9) Bis heute werden keine Visa an muslimische Ärzte, Ingenieure oder Manager von ausländischen Unternehmen ausgestellt.
10) Die meisten Unternehmen in Japan haben Bestimmungen, in denen festgelegt ist, dass Muslime sich nicht für einen Job bewerben dürfen.
11) Die japanische Regierung ist der Meinung, dass Muslime Fundamentalisten sind und selbst im Zeitalter der Globalisierung nicht bereit sind, ihre muslimischen Gesetze zu ändern.
12) Muslime können in Japan nicht einmal ein Haus mieten.
13) Wenn jemand erfährt, dass sein Nachbar ein Muslim ist, versetzt das die ganze Nachbarschaft in Alarmbereitschaft.
14) Niemand darf eine islamische Zelle oder Koranschule gründen oder betreiben.
15) In Japan gibt es kein Scharia-Gesetz.
16) Wenn eine japanische Frau einen Muslim heiratet, wird sie wie eine Ausgestoßene behandelt.
17) Laut Herrn Kumiko Yagi, Professor für arabisch- und Islamwissenschaften an der Tokyo University of Foreign Studies: "Es ist die allgemeine japanische Geisteshaltung, dass der Islam eine sehr eng- stirnige Religion ist und man sich von ihr fernhalten sollte."
18) Die Japaner haben zwar den Krieg verloren, aber die Verantwortung für ihr eigenes Land ist ihnen bewusst.

Bisher gibt es keine Bombenattentate in Einkaufszentren, keine sogenannten Ehrenmorde, es sind auch keine unschuldigen Kinder oder sonst jemand getötet worden.

Etwas zum Nachdenken. 

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P.S. (von LePenseur): vieles aus der obigen Aufzählung (die ursprünglich als Kommentarposting in Unterbergers Tagebuch veröffentlicht wurde) trifft in Japan nicht bloß auf Muselmanen zu, sondern auf Ausländer überhaupt. Was die offenkundige Richtigkeit der japanischen Herangehensweise freilich nicht schmälert. Denn es ist doch ziemlich egal, ob mich ein in seiner "Ehre" gekränkt fühlender muselmanischer oder subsaharischer Strolch auf der Straße mit seinen Stiefeln zu Matsch tritt, und ebenso, ob es orientalischer, kaukasischer, ukrainischer oder balkanesischer Einbrecher ist, der mein Landhaus ausräumt. Die statistische Wahrscheinlichkeit ist jedenfalls bei all den genannten Gruppen signifikant höher als bei echten Österreichern ...

Solon Michaelides

Während mein Mann sich auf Zypern vergnügt (☺) habe ich den vermutlich einzigen "klassischen" Komponisten der Insel auf Youtube entdeckt — Solon Michaelides (1905–1979):






Sonntag, 27. November 2016

Großartiger Nachruf!

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zum Tod von Fidel Castro:

„Mit dem Tod von Fidel Castro verliert die Welt einen Staatsführer, der, wie viele andere, bei dem Versuch, seinem Volk mittels staatlicher Planwirtschaft zum Wohlstand zu führen, gescheitert ist. Kuba wird heute oft als gutes Beispiel für ein Land mit einem funktionierenden Sozialsystem genannt, weil es staatlich finanzierte, also „kostenlose“ Schulbildung und Gesundheitsversorgung für die ganze Bevölkerung hat. Diese Sicht auf Kuba unterschlägt aber die katastrophale Versorgung der Bevölkerung mit ihren Grundbedürfnissen, und dass diese Mängel längst auch das Schul- und Gesundheitssystem erfasst haben. ...
(Unbedingt hier weiterlesen - es lohnt sich!)
GENIAL!

Wort zum Sonntag: "The Old Story", Predigt zum 1. Adventsonntag von Rev. Paul Sprecher, Bridgewater, MA




Samstag, 26. November 2016

De mortuis nil nisi bene ...

... also über den kubanische Diktator daher: nichts.

Oder halt ... eines war (wenigstens für mich) positiv: durch seine Handelsbeziehungen in den Ostblock und das Handelsembargo der USA (welche uns sonst alle guten Havannas weggeraucht hätten!) gab er mir in früheren Jahren die Möglichkeit, in Ungarn recht preisgünstig kubanische Zigarren zu erstehen, die ich im Rahmen der damals großzügigeren Reisefreigrenzen zollfrei nach Österreich mitnehmen konnte. LaPenseuse rauchte damals so gut wie überhaupt nicht, also waren bei jedem Besuch in Ödenburg 4 Kisten à 25 Zigarren drin, und (da's längst verjährt ist, kann ich es ja schreiben) bisweilen auch mehr ... 

Vielleicht wird ihm das bei der Bemessung der jenseitigen Strafen mildernd angerechnet ...

Er wird jedenfalls, hörte ich, verbrannt, was für einen langjährigen Zigarrenraucher auch irgendwie angemessen erscheint. Was immer er tat (bzw. untat) ...

Friede seiner Asche!

Denn nur selbstgerechte, siegesberauschte Kriegsverbrecher wie die von Nürnberg waren so pietätlos, die Asche ihrer Hingerichteten anonym irgendwo in einem Gewässer zu verklappen ...


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P.S.: ich muß mich korrigieren! Auch das alliierte Satrapenregime in Berlin war dazu im Falle Rudolf Heß imstande. Nun ja ... "ein Bund Hadern"*), wie der Wiener in solchen Fällen sagt ...


*) für Piefkes: "Hadern" = "Lumpen" im ursprünglichen Sinne von zerlumpten Textilien.


Heut ist Advent, ein Lichtlein brennt ...



Ad I Vesperas Dom. I Adventus (daß mir keiner vorwirft, ich hätte mich im Datum geirrt ...)

Sergej Tanejew

Heute vor 150 Jahren wurde der russische Komponist Sergej Tanejew geboren:


Freitag, 25. November 2016

Mach mal Pause!

Leider wird mich heute abend nicht diese junge Dame in schwarzen Dessous (nebenbei bemerkt, meine Damen: den Slip unter dem garter belt zu tragen ist für den Fall des Falles sehr unpraktisch)

Maria Morarou, Miss Cyprus 2015

... im Hotel erwarten, sondern eine Runde schwarz beanzugter, gesetzterer Herren, die sich mit mir über Finanzierungsmöglichkeiten für ein nettes Investitionsprojekt beraten wollen. Nun, auch die Insel der Aphrodite kann nicht nur von Luft und Liebe leben!

In den Tagen bis zum 3. Dezember wird's wegen meiner Zypernreise auf meinem Blog daher etwas ruhiger zugehen, vielleicht noch ein Bild, oder so halt ... Es sei denn, Mutti fällt ein Dachziegel auf den Kopf, oder Trump wird als Lesbe geoutet. Oder Clinton. Obwohl: bei der weiß man's eh schon ...


¡Hasta la vista!


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P.S.: So, jetzt geht's schnell ans Kofferpacken! LaPenseuse hat mir gerade versprochen, in meinem Namen vielleicht ein oder zwei Bilder oder Musikvideos einzustellen (Artikelschreiben ist weniger ihre Sache), also die Versorgungslage ist halbwegs gerettet ...

P.P.S.: ob die Moderation der Kommentare funktioniert, werden wir noch sehen. Ich bitte ggf. um etwas Geduld ...

Donnerstag, 24. November 2016

Am 24. November 1766

... also heute vor 250 Jahren verstarb der englische Komponist und Organist Thomas Chilcot. Sein nicht gerade ergiebiger Artikel auf der deutschen Wikipedia könnte eine kleine Übersetzungsübung aus der englischen Wikipedia-Version vertragen ...



"Nun hat das ZK der alternativlosen antifaschistischen Einheitsfront vor einigen Tagen bekanntgegeben ...

... daß es einen "überzeugten Internationalisten" für das Amt des BGA* erwählt hat."

Das Sternchen führt zur Fußnote "* Bundes-Grüß-August" und zeigt an, daß der geschätzte Blogger-Kollege Superpelliceum nicht so ganz amused über die jüngsten ParteienkungeleienKandidaturen ist.

Lesenswert!

"Seitdem der Leibhaftige in Amerika die Wahl gewonnen hat, steigert sich die Journaille in einen Rausch der rasanten Selbstverblödung."

Exakt auf den Punkt gebrachte Diagnose des derzeitigen (und wohl auch künftigen) Geisteszustandes unserer Presstituierten in allen Mainstream-Redaktionen:

Elitenüberlastung


18. November 2016


Drei Tage keine Beiträge auf dem Diarium. Das dürfte seit über einem Jahr die längste Pause sein. Auch davor eher kleine Miszellen seit dem Guareschi-Beitrag. Was ist passiert?

Der Löwe ist ein wenig überfordert ob all des Dickichts im Dschungel der Quantitätsmedien.
 Chapeau! Touché!




Mittwoch, 23. November 2016

Kulturkampf von oben


Kolumne: Grauzone. 

Die neue Elite hat eine Koalition mit der akademischen Linken gebildet. Man rümpft die Nase über die angeblich Zurückgebliebenen und die enge Welt der Eltern und Großeltern. Tatsächlich aber ist diese Perspektive verengt.

Falls sich einer über den Link wundert: warum nicht auch mal wieder den "Cicero" zitieren, wenn's darin ausnahmsweise mal was halbwegs vernünftiges zu lesen gibt ... 



"Die Rebellion gegen den Intellektuellen-Idioten hat eben erst begonnen."

Gestern wurde der NZZ-Artikel bereits kurz anzitiert. Und machte Gusto auf mehr, finde ich ...

Die Wohlwissenden

von Nicholas Taleb
Die Rebellion gegen den Intellektuellen-Idioten hat eben erst begonnen. Dieser weiss stets, wie sich sein Tun und Handeln auf seine Reputation auswirkt. Aber: Er stemmt keine Gewichte.


Weltweit, von Indien über Grossbritannien bis zu den Vereinigten Staaten, findet derzeit eine Rebellion statt. Sie richtet sich gegen die Clique der Bloss-die-eigene-Haut-nicht-aufs-Spiel-setzen-Regierungsbeamten (skin in the game) und geistesverwandten Insider-Journalisten – gegen jene Klasse überheblicher, semi-intellektueller Experten mit dem Gütesiegel irgendeiner Ivy-League- oder Oxford-Cambridge-Universität, die unsereinem vorschreiben, 1) was wir tun sollen, 2) was wir essen sollen, 3) wie wir reden sollen, 4) wie wir denken sollen . . ., und 5) wen wir wählen sollen.

Das Problem ist aber, dass da der Blinde des Einäugigen Führer ist: Diese selbst-ernannten Mitglieder der «Intelligenzia» sähen einen Bären nicht einmal, wenn er ihnen auf die Nase gebunden würde.
Touché! Chapeau!


Dienstag, 22. November 2016

SPÖ-Kanzler Christian Kern

... meint in einem Interview für die Sonntags-Ausgabe des "KURIER" in markigem Alarmismus:

"Le Pen würde ganz Europa ärmer machen"


Nun, das gälte es freilich noch abzuwarten! Was wir inzwischen allerdings schon wissen, ist, daß die hohlen Phrasen des Bundeskanzlers Christian Kern Europa sicherlich nicht reicher gemacht haben ...


Bereicherung in Hameln

HAMELN. Ein Mann (38) hat am  Sonntag abend im niedersächsischen Hameln eine Frau (28) an einem Strick mit seinem Auto durch die Stadt geschleift. Der Täter wurde festgenommen. Das Opfer liegt in der Klinik. Der 38jährige bindete in der Königstraße dem späteren Opfer einen Strick um den Hals, dann befestigt er das Seilende an der Anhängerkupplung seines Fahrzeugs und gab Gas. [...]

Täter und Opfer haben einen kurdischen Einwanderungshintergrund, stammen aus zwei verschiedenen Familien und haben die Deutsche Staatsbürgerschaft, berichtet die Polizei.
In den 1960er-Jahren gab's einen sehr erfolgreichen Film "Scheidung auf Italienisch" mit Marcello Mastroianni und Daniella Rocca. In Hameln wurde offenbar ein Remake unter dem Titel "Scheidung auf Kurdisch" versucht ...

DerStandard (bisweilen auch DieStandard benannt) ist immer eine Quelle subtiler Erheiterung für den genießerischen Connaisseur verschmockter Intellektualität

... und ließ deshalb in seiner Wochenendausgabe den US-Schriftsteller John Irving zutiefst erschüttert über die jüngste US-Präsidentenwahl sinnieren:
John Irving: Das große Ungeheuer hat gesprochen 
Essay

Schon im vergangenen Mai machte ich mir Sorgen darüber, wie viele Sanders-Anhänger wohl Clinton wählen würden, wenn er nicht nominiert würde. Nicht genügend, wie wir jetzt wissen.

Im November 2012 befand ich mich auf einer Lesereise durch Deutschland. Am Abend des Wahlsiegs von Obama über Mitt Romney waren meine Frau Janet und ich in München. Wegen der Zeitverschiebung gingen wir schlafen, bevor wir das Ergebnis kannten. Am frühen Morgen, im Dämmerlicht, wurde ich von Gesang geweckt. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster. Auf der Straße sah ich deutsche Studenten singen. Ich legte mich wieder hin. "Mach mal den Fernseher an", sagte Janet. "Keine Sorge", antwortete ich, "die Studenten singen bestimmt nicht für Romney." Nun ja, das war eine ganz andere Wahlnacht als die jüngste.

Mein Vater ist Historiker. Als er das Ergebnis der diesjährigen Wahl beklagte, erzählte er mir, als was Alexander Hamilton die wahlberechtigte Bevölkerung einst bezeichnet hatte: als das "große Ungeheuer". Wie es aussieht, hat dieses "große Ungeheuer" jetzt gesprochen. 
Nun ja, Irving hat schon bessere Texte verfaßt, aber was soll's ... ... Sogar die Standard-Foristen sind (ganz gegen die sonstige Gewohnheit, jedem links-verschwurbelten Blödsinn begeistert zuzustimmen) nur schaumgebremst von dieser Philippika gegen das tumbe Volk der deplorables (auf Deutsch so zirka das Pack zu übersetzen) zu überzeugen gewesen. Oder, wie es ein Poster mit einem Zitat ausdrückte:
Nassim Nicholas Taleb in der NZZ über "Intellektuellen-Idioten", die "Wohlwissenden": 

"Weltweit, von Indien über Grossbritannien bis zu den Vereinigten Staaten, findet derzeit eine Rebellion statt. Sie richtet sich gegen die Clique der Bloss-die-eigene-Haut-nicht-aufs-Spiel-setzen-Regierungsbeamten (skin in the game) und geistesver-wandten Insider-Journalisten – gegen jene Klasse überheblicher, semi-intellektueller Experten mit dem Gütesiegel irgendeiner Ivy-League- oder Oxford-Cambridge-Universität, die unsereinem vorschreiben, 1) was wir tun sollen, 2) was wir essen sollen, 3) wie wir reden sollen, 4) wie wir denken sollen . . ., und 5) wen wir wählen sollen. ..." 

Die Zeit der überheblichen Belehrungen, des Katheder-Moralismus und der psychologisierenden Verunglimpfung breiter Wählerschichten ist vorbei, Mr. Irving! 
Diese Ketzerei gegen den linken Journaillisten-Mainstream brachte ihm natürlich jede Menge Schlechtpunkte von den "braven" Standard-Foristen ein. Aber, wie wir wissen: in Zeiten, in denen die Lüge politisch korrekt ist, gilt der Sprecher der Wahrheit für kriminell, wenigstens aber als Outcast ...



Montag, 21. November 2016

Die, pardon l'expression, Arschgeigen bei der APA

... machen aus einer völlig klaren Presseaussendung der Innsbrucker Polizei:
Am 20.11.2016 um 01:43 Uhr stiegen zwei 25-jährige in Innsbruck whft Türken vor der Disco Mausefalle in Innsbruck aus einem Taxi aus. Gleichzeitig äußerte sich ein unbekannter Passant auf der Straße mit "Scheiß Ausländer" in Richtung der Beiden. Da unmittelbar nach dem Aussteigen der Genannten mehrere Damen dieses Taxifahrzeug benützen und einsteigen wollten, nahmen die Beiden an, dass sie von diesen beleidigt wurden. Daraufhin gingen die Männer grundlos mit mehreren Faustschlägen gegen drei der weiblichen Lokalgäste vor. Diese wurden im Gesichtsbereich attackiert und gingen sofort zu Boden.
Zwei Frauen wurden durch die heftigen Faustschläge am Kopf bewusstlos, stürzten zu Boden und wurden unbestimmten Grades verletzt. Die 3. Frau wurde ebenfalls attackiert und erlitt eine leichte Verletzung. Alle drei Frauen wurden mit angeforderten Rettungsfahrzeugen in die Unfallambulanz des LKH Innsbruck verbracht.
folgende politkorrigierte Meldung für DiePresse:

Drei Frauen vor Innsbrucker Disco niedergeschlagen

Zwei 25-Jährige schlugen die Frauen bis zur Bewusstlosigkeit. Sie dachten, von den Disco-Besucherinnen beleidigt worden zu sein.

 (DiePresse.com)
Drei Frauen sind in der Nacht auf Sonntag vor einer Disco in Innsbruck von zwei Männern niedergeschlagen worden. Wie die Polizei berichtete, attackierten zwei Männer die Discobesucherinnen mit mehreren Faustschlägen. Zwei der Frauen wurden durch die heftigen Schläge gegen ihre Köpfe sogar bewusstlos und stürzten zu Boden.
Die beiden 25-jährigen Männer waren gegen 2.00 Uhr vor dem Lokal aus einem Taxi ausgestiegen. Ein unbekannter Passant dürfte in dem Moment eine beleidigende Bemerkung in Richtung der beiden geschrien haben. Da die drei Frauen unmittelbar nach den beiden 25-Jährigen das Taxi benützen und einsteigen wollten, nahmen die beiden Männer an, dass sie von den drei Discobesucherinnen beleidigt worden waren.
Daraufhin gingen die 25-Jährigen sofort auf die Frauen los und schlugen sie vor allem im Gesichtsbereich. Alle drei Opfer der Attacke mussten mit Verletzungen in die Innsbrucker Klinik gebracht werden.
Behirnt von den Presseagentur- & Redaktions-Arschgeigen eigentlich irgendwer, daß die Leser längst die Schnauze voll haben von beschönigenden, Fakten verschweigenden und umlügenden "Berichten" dieser Sorte, und deshalb die Abonnements kündigen?



Der letzte Kaiser




…starb heute vor einhundert Jahren, am 21. November 1916. Moment mal, werden jetzt die historisch versierten Leser einwenden: Wilhelm II, Zar Nikolaus II, Kaiser aller Reußen, und der ebenso im kaiserlichen Range — dem von Indien — stehende König von England, sowie der Großsultan des Osmanischen Reiches, und schließlich der Kaiser von Japan lebten und regierten aber auch danach noch (und letzterer Thron steht gar bis heute, als letzter kaiserlichen Ranges) …

Und doch war dieser Kaiser Franz Joseph — und so wurde es auch schon damals empfunden und ausgedrückt — in gewissem Sinne „der letzte Monarch alter Schule“, da er (als einziger nach dem Tode von Queen Victoria) noch weit hinein ins frühe 19. Jahrhundert wurzelte mit seinem Geburtsjahr 1830, als im Biedermeier ein Fürst Metternich mit routinierter Hand die Geschicke Europas lenkte.

Als achtzehnjähriger Jüngling im Revolutionsjahr 1848 durch die Abdankung seines Onkels und den Thronverzicht seines Vaters auf den Thron gelangt, hatte er diesen unvorstellbar lange 68 Jahre inne, länger sogar als Queen Viktoria (64 Jahre), und auch die jetzige Queen Elizabeth II hat inzwischen zwar die Regierungsdauer ihrer Vorgängerin übertroffen, aber die Kaiser Franz Josephs noch nicht erreicht.

In damaligen Zeit doch deutlich geringerer Lebenserwartung war „der Kaiser“ (und wenn in Österreich vom „Kaiser“ ohne näheres Beiwort gesprochen wird, ist bis heute stets nur er, und nicht etwa sein ephemerer Nachfolger Karl, oder sein Großvater Franz I (nach Haydns Hymne des „Gott erhalte“ familiär auch „Haydn-Franz“ oder etwas förmlicher „Kaiser Franz“ genannt) für die meisten seiner Untertanen schon „seit immer“ Kaiser, sein Geburtstag am 18. August, als „Kaisergeburtstag“ ein Staatsfeiertag, ist bis heute vielen, durchaus auch alles andere als monarchistisch angehauchten Österreichern als Datum präsent.

Johann Ranzi: Kaiser Franz Joseph (1851)

Als Franz Joseph die Regierung des in revolutionärer Gärung befindlichen Habsburgerreiches übernahm, wurde er von dynastisch-legitimistischen Kreisen zwar einerseits als fescher, junger Mann mit Wohlgefallen betrachtet, andererseits auch noch nicht so recht ernstgenommen. Und die nationalistischen und republikanischen Kreise lehnten ihn wegen seiner anfänglich doch sehr reaktionären Regierungsweise (die freilich zum Gutteil die Handschrift seiner um Jahrzehnte älteren Minister und Generäle trug!) völlig ab. Die schöne Votivkirche, ein Musterbau edelster Neogotik, erinnert bis heute daran, daß auf den jungen Kaiser ein Attentatsversuch verübt wurde, den das beherzte Eingreifen eines ebenso biederen wie kräftigen Fleischhauers namens Josef Ettenreich (daraufhin als „Ritter von Ettenreich“ in den Adelsstand erhoben, und später auch noch durch eine Straßenbenennung geehrt) vereiteln konnte.

Die nachdenklichen Worte von Heinz Piontek über „den Kaiser“ in einer Reisenotiz über Wien wurden auf diesem Blog bereits zitiert:
Merkwürdig, daß der immer wieder gescheiterte Franz Joseph von seinem Volk vergöttert worden war. Warum hatte das Volk, sonst doch nur für die Sieger, die Glücksritter schwärmend, ausgerechnet an diese Gestalt sein Herz gehängt? Von den Photos des Kaisers strahlte nichts aus, was einen Fingerzeig hätte geben, die außergewöhnliche Liebe erklären können. Ein ordensgeschmückter alter Herr, die Plagen eines langen Lebens in den Schattengruben des Gesichts. Einer ohne Fortün und doch ausgezeichnet durch ein einzigartiges Glück.


Welche Verehrung seitens weitester Kreise in Österreich-Ungarn dem Kaiser und König Franz Joseph entgegengebracht wurde, erkennt man aus Romanen eines Joseph Roth oder selbst (wenn auch ironisch gebrochen) eines Robert v. Musil, oder auch aus dem folgenden Gedicht, welches Stefan Zweig — nur drei Jahre vor Franz Josephs Tod und nur ein Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs — in impressionistischer Lautmalerei und mit durchaus glaubwürdigem Enthusiasmus (auch und gerade für einen längst Erwachsenen: Zweig war damals bereits 32!) dichtete:

Der Kaiser
Schönbrunn 1913

Noch zittert das Frührot nur scheu um das Dach,
Nachtnebel saugt den Glanz von den Scheiben,
Doch drei Fenster funkeln schon längst im Palast:
Der Kaiser ist wach.
Eh der Morgen weiß in die Straßen fällt,
Steigt sein Wille hinab in die schlafende Welt.
Diener haben die weiße Last
Der Staatsdekrete zum Unterschreiben
Bereitgelegt.
Die Feder fegt
Wie Frühwind durchs Laub hin über das Knistern
Der Blätter, die Bitte und Botschaft flüstern.
Und die eben noch welk waren, blaß und verdorrt,
Blühen und fruchten von diesem Wort.

Der Kaiser schreibt mit fliegendem Stift,
Und Schicksal schafft jede Unterschrift.

Er schreibt – und in zwei Hände, nackt und schwach,
Schüttet er Macht,
Einen Tropfen aus seiner unendlichen Fülle:
Nun darf einer Heerführer, darf Richter sein,
Hinrollend den Würfel von Leben und Tod,
Doch sein Gebot
Ist nur Spiegelschein
Von seinem eigenen waltenden Willen.

Und wieder ein Rascheln – und einer ist Graf,
Eine siebenarmige Krone umzinkt
Den Namen, der jetzt golden aufklirrt und klingt.
Ein Blatt – und aus tausendjährigem Schlaf
Bäumt sich die Erde, aufsteigt ein Dom,
Die Türme schüttert der Hammer der Glocken,
Und ein Strom
Von Menschen füllt ihn in frommem Frohlocken.

Ein Schriftzug weiter – und irgendwo knarrt
Eine Kerkertür auf, eine Kette fällt.
Selig starrt
Ein hungriger Blick in die Fülle der Welt.
Und wieder ein Wort – und es sinkt ein Schafott,
Das schon sein Kreuz einem Mörder hinreckte,
Taumelnd stürzt und staunt der Erschreckte,
Zwei blutlose Lippen lobpreisen Gott.

Ein Blatt, ein Rascheln – der Krieg ist erklärt,
Wie eine zuckende Stichflamme fährt
Das Wort in den knisternden Zunder der Massen
Und stürzt den Donner über das Land.
Telegraphen sausen, Spruchfunken sprühn
Über die Meere den Blitz ihrer Botschaft hin,
Zeitungen flattern wie weiße Vögel
Über das Schäumen der Gassen im Schwung,
Der Sturm der Menge faßt ihre Segel
Und stürzt in das Meer der Begeisterung.
Bajonette blitzen
In stachligen Büscheln starr durch die Straßen,
Transporte entquellen den Magazinen,
Die Kasernen spein Ströme blaulodernder Mützen.
Auf brennenden Schienen
Rollen die Räder von allen Wegen
Einem einzigen Ziele entgegen,
Und die Kanonen schrein
Ihr mörderisches Wort in die Welt hinein.

Und wieder ein Rascheln, ein Federstrich –
Die aufgrölenden Wogen glätten sich,
Die Menge sickert zurück in das Land,
Und der Bauer stößt mit ruhiger Hand
Den Pflug in die brachgelegenen Schollen.

Er schreibt – und mit jedem Federstrich
Schwankt das Reich und verändert sich.
Blatt auf Blatt
Fällt mit Früchten und Blüten
Vom magischen Baum seines Willens ab,
Der funkelnden Krone,
Die nie entlaubt
Und mit uraltem Haupt
In die Urwelt ragt der Mächte und Mythen,
Wo die Götter noch über der Erde thronen.
So schafft er jeden Morgen die Welt. –
Dann tritt er hinaus,
Neugier und Ehrfurcht umscharen sein Haus;
Ein Kommando gellt,
Die Trommeln prasseln, ein Säbel klirrt,
Ein Ruf: die Waffen sind präsentiert,
Der Wagen saust vor.
Die Hüte sinken tief weggemäht:
Wie im Gebet
Hält die Menge erschauernd das Haupt geneigt,
Und erst da sein ernstes Antlitz sich zeigt,
Weht
Die knatternde Fahne des Jubels empor.

Durch ein Tor
Von Rufen, das bis zu den Dächern steigt,
An wallenden Wänden,
Die niederstürzen in Jauchzen und Schrei,
Fährt der Kaiser vorbei.
Triumph hält sein greises Haupt überdacht,
Demut umfängt seine grüßenden Hände,
Und helle Wellen der Ehrfurcht tragen
Den schlichten Wagen
Hinaus in das unendliche Meer der Macht.

Damals ahnte keiner, daß wohl das Allerhöchste Manifest „An meine Völker“ (dessen sprachliche Schönheit und Würde von keinem Geringeren als Karl Kraus, trotz seiner durchaus kritischen Haltung gegenüber der Habsburger-Dynastie, anerkannt wurde!) „wie eine zuckende Stichflamme“ den Krieg zu entzünden vermochte, doch das Glätten der „aufgrölenden Wogen“ des Krieges nicht mehr in der Macht des greisen Monarchen stand.

Aus seinen letzten Lebenswochen ist der Ausspruch überliefert: „Ein paar Wochen schaue ich noch zu, dann mache ich Schluß!“ Am Friedenswillen des Kaisers ist nicht zu zweifeln, doch konnte er gegen die Siegeszuversicht seiner weit mächtigeren deutschen Verbündeten seinen mäßigenden Einfluß nicht mehr durchsetzen.

Zwei Sätze aus seinem Mund sind es, die in Österreich bis heute sprichwörtlich blieben: einerseits das stereotype „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“, mit dem der Monarch ohne Unterschied alle ihm dargebrachten Huldigungen und Präsentationen künstlerischer, technischer und sonstiger Art zu quittieren pflegte. Dieser Satz resultierte aus seinen Gewissensbissen, die er nach dem Selbstmord eines der Architekten der Wiener Hofoper (heute: Wiener Staatsoper) verspürte, den er — wie damals übrigens „ganz Wien“ — wegen (angeblicher) stilistischer Mängel des Baues scharf kritisiert hatte.

Der zweite Satz war: „Mir bleibt nichts erspart!“ — der tiefempfundene Seufzer des durch viele Schicksalsschläge getroffenen Kaisers: verlorene Kriege, Selbstmord des einzigen Sohnes, Ermordung seiner geliebten Gattin, Kaiserin Elisabeth, Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand.

Und ein gütiges Geschick wußte bloß zu verhindern, das er auch noch das tragische Fanal des Schlußaktes seines alten, zerbrechenden Reiches miterleben mußte …



Wenn man Ixquick.com ("... die diskreteste Suchmaschine") befragt

... kommt zum Titel des heute veröffentlichten Apostolischen Schreibens "Misericordia et Misera" vor den Ergebnissen die Frage:

Did you mean: Misericordia et Misere

Was heute ja durchaus seine Berechtigung hat ...

Gastkommentar: Der beste Freund der Globaliserung ist die Krise.

 von Herzberg

In grauer Vorzeit war die herrschende Klasse konservativ, das sich nach Veränderung sehnende Volk statt dessen war progressiv eingestellt. Kritik erfolgte in der Regel von unten nach oben, mit gelegentlich gewaltsamen Entladungen, aus der mal die eine, mal wieder die andere Seite siegreich hervorging, aufdaß repressive und liberale Epochen sich abwechselten und ein grober Trend nur auf einer sehr großen historischen Skala erkennbar war.

Heute erleben wir das exakte Gegenteil, bei dem auf Veränderungen drängende Machthaber sich in nie dagewesener Form kritisch an einem konservativen und friedfertigen Volk abarbeiten, ein Umstand, der durch Gauks bekanntes Statement, nicht die Eliten seien das Problem, sondern die Bevölkerungen, explizit auf den Punk gebracht wurde. Wie konnte es dazu kommen?

Seit es Demokratie gibt, existieren kluge Leute, die Machthaber instruieren, wie sie diese Herrschafts- form für ihre Vorteile nutzen können, dessen Essenz im Vortäuschen besteht, die Basis hätte das Sagen und bestimme ihr eigenes Schicksal. Während in Diktaturen die Frontlinie klar erkennbar ist, findet sie sich in Demokratien tausendfach fragmentiert in Gesetzen, Verordnungen und neugeschaffenen, bürgerfernen Institutionen, die über Jahrzehnte hinweg schleichend, aber konsequent, eine Freiheit nach der anderen kassierten. Geschäftsschädigende Unruhen bleiben aus, während der Souverän immer mehr zum mittellosen Passagier im eigenen Boot verkommt.

Fragt man den naiven Untertanen, wie es dazu kommen konnte, antwortet er vorhersagbar, die Mehrheit hätte es eben so gewollt und Repäsentanten hätten den kollektiven Volkswillen bloß umgesetzt. Das mit der Bewältigung seines eigenen Alltags ausgelastete Individuum weiß nichts von Sozialforschung, von der Psychologie der Massen, Mitteln der Propaganda und der Tatsache, wonach exakt dies jenes Herrschaftswissen darstellt, welches es zur erfolgreichen Manipulation der Untertanen bedarf.

Sozialismus und Kollektivismus standen niemals im Ziel, dem Individuum eine bessere Zukunft zu ermöglichen, sie dienen einzig der Bildung einer pulverisierten und zur Selbstorganisation unfähigen Masse, gelenkt von einer kleinen Oberschicht. Progressivität steht hierbei für den das Endziel herstellenden Prozess.

Der semantische Bruder der Progressivität ist die vielzitierte Globalisierung, die nicht grundlos von identen Kreisen permanent in die debattorische Waagschale geworfen wird. Dem Narrativ nach ist die Veränderung unaufhaltsam, jeder Widerstand sei zwecklos und führte bei Erfolg alternativlos zu ökonomischen und gesellschaftlichen Rückschritten inform von Verarmung und Krieg. 

Wäre Globalisierung bloß der Effekt von technologiebedingt verkürzten Handels- und Kommuni-kationsrouten und somit Synonym für die Folgen eines intensivierten Austauschs von Gütern und Information, wäre sie organisch und ein evolutionär aus sich selbst heraus, aus der Natur des Menschen bedingt ablaufender Prozess, dann sähen sich Bürger tatsächlich „nur“ mit den Konsequenzen von Fortschritt konfrontiert — mit all den hierfür nötigen Anpassungen. Bestimmten sie von der Basis weg das Tempo und gäbe es lokale Möglichkeiten zum Trial and Error, bestünde nur geringer Anlaß zur Sorge.

Was wir jedoch in Wahrheit erleben, ist eine gezielt von oben betriebene Gleichschaltung, eine McDonaldisierung in allen Belangen, ein forciertes Überstülpen von ganz bestimmten Lösungen auf Fragen, zu denen die Völker niemals gehört wurden. Weil der Legende nach alles mit allem verbunden sei (The Interconnected World), ergäbe sich eine dem Individuum undurchdringbare Komplexität, die allein von Machthabern auf möglichst internationaler Ebene zu adressieren sei.

Der beste Freund der Globaliserung ist die Krise. Dann und nur dann, wenn es an allen Ecken brennt, begehrt der Untertan nach dem weisen Gremium, das heldenhaft in Hinterzimmern den morgigen Weltuntergang gerade noch abwendet und große legistische Würfe tätigt, die das Unheil ein für alle mal abwenden. Dann kommt die nächste Krise, mit sinngemäß identer Antwort, bloß eine Nummer größer.

The same procedure as every year. Für globale Eliten sind wahrhaftig die Bevölkerungen das Problem, speziell jene, denen langsam der Konnex zwischen Psychologie, sorgsam herbeigeführten Krisen und daraufhin handstreichartig installierter Globaliserung dämmert.

Ohne Kommentar: Heroldsberger Bereicherungen


Heroldsberger Vergewaltiger: Bamf stoppte Abschiebung

Bundesamt für Migration sprach 25-jährigen Äthiopier aber Schutzstatus zu

18.11.2016 06:00 Uhr

Der Tatort - eine Wohnung in Heroldsberg - wurde unmittelbar nach der Vergewaltigung weiträumig abgesperrt.
Der Tatort - eine Wohnung in Heroldsberg - wurde unmittelbar nach der Vergewaltigung weiträumig abgesperrt. © NEWS5 / Grundmann
Wie berichtet, war der Mann bereits 2011, als 20-Jähriger, in Nürnberg wegen Vergewaltigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Aus vertrauenswürdiger Quelle hat die Nürnberger Zeitung nun erfahren, dass der Straftäter im Jahr 2014 ausgewiesen werden sollte. Verhindert wurde dies demnach, weil das Bamf dem Mann einen Schutzstatus zuerkannt hat. Dieser wird üblicherweise ausgesprochen, wenn einer Person im Heimatland Gefahren für Leib und Leben drohen.

Auf NZ-Anfrage teilte das BAMF mit, dass der Fall aufgrund der wenigen Informationen nicht nachvollzogen werden könne. Außerdem bittet das Bundesamt um Verständnis, dass aus datenschutz-rechtlichen Gründen keine Auskunft zu Einzelfällen im Asylverfahren gegeben werde.
(Quelle)


Sonntag, 20. November 2016

IM Erika meint



Die deutsche Wählerschaft ist dazu aufgerufen, dieser größenwahnsinnigen Schnepfe per Stimmzettel auszurichten, daß sie sich ihr Gespür rektal applizieren kann.

Die Kanzlerin will wieder für den CDU-Vorsitz und das Kanzleramt kandidieren. Ein Großteil der Deutschen steht hinter ihr.

Nun, das kennen wir bereits von der gerade abgehaltenen US-Wahl, wo bekanntlich auch in allen Medien bis zuletzt getrommelt wurde, ein Großteil der Amerikaner stünde hinter Killary.

Obwohl: beim Masochismus der heutigen Piefkes ist nicht auszuschließen, daß die wirklich hinter ihrer Führerin in den Untergang stehen ...

... when the time comes




Wort zum Sonntag: Pelagius

Beim Stöbern im Blog-Archiv fand ich einen fast zehn Jahre alten Artikel auf dem von mir früher neben diesem LePenseur-Blog betriebenen Blog "Oriens ex Alto", den ich als durchaus geeignet ansehe, am letzten Sonntag des Kirchenjahres zur Lektüre und Diskussion "wiederbelebt" zu werden. Hier also


PELAGIUS




In einem Blog "Lumen de Lumine" findet sich ein Artikel vom 4. Juni 2007 mit dem Titel "Pelagius in Rostock". Hier wird der arme Pelagius — als ob er nicht schon genug unter den gehässigen Angriffen von Augustinus zu leiden gehabt hätte — flugs zur "Wurzel jeder Ideologie" gemacht. Die Autorin führt als Begründung an:
Da der Marxismus — und damit jede linke Ideologie — grundlegend pelagianisch ist (schließlich will er ja die Welt erlösen), kann man es den guten Organisatoren auch nicht verübeln, dass sie die menschliche Natur so missverstanden haben...
Denn der Pelagianer glaubt immer an das sog. "Gute im Menschen" und denkt, wenn man zu Leuten nur lieb ist und "keinen Grund" für Aggression gibt, dann werden diese Leute auch ihrerseits liebe, friedliche Lämmchen sein... Denn es kann ja nicht sein, dass Menschen einfach nur so aus Spaß - oder gar aus Hang zum Bösen! - böse Dinge tun, etwa Schlägereien anfangen, nicht?
Was, bitteschön, hat Pelagianismus mit einem naiven Glauben an das "Gute im Menschen" zu tun? Nichts. Er verwehrt sich nur gegen die im Grunde manichäische Umdeutung des christlichen Menschenbildes durch Augustinus, der aus der Menschheit eine einzige satansverfallene massa damnata macht, die mit einigen wenigen, noch dazu völlig unverdienten, Ausnahmen der ewigen Verdammnis unter unaussprechlichen Folterqualen anheimfällt. Pelagius ist dem gegenüber der weise abwägende Philosoph, der den Menschen weder per se zum "friedlichen Lämmchen" erklärt (wie die Autorin unterstellt), noch auch einer niederdrückenden Verzweiflung über eine auf ihm lastende, höchst wahrscheinliche Verdammung preisgibt, sondern das sagt, was alle Philosophen und die meisten Religionsstifter aller zeiten sagten: der Mensch kann gut sein, wenn er sich aufrichtig und mit Anstrengung seiner sittlichen und geistigen Kräfte bemüht.

Und diese Botschaft (so wenig originell sie im Grunde ist) ist m.E. viel wichtiger und heilsamer, als alles Gerede über eine natura corrupta, eine "erbsündliche conditio humana", eine "ungeschuldete Gnade" und wie all die Versatzstücke christlicher Theologie so lauten, die die einfache und vernunft- gemäß für alle Menschen aller Zeiten nachvollziehbare, unprätentiöse Botschaft Christi des "doppelten Liebesgebotes" in einen Gallimathias tiefsinniger distinctiones und mysteria fidei verwandelt, der wohl Theologen erfreut, aber für das ethische Leben der Menschen Null Relevanz besitzt.

Wenn man Pelagius schon einen Vorwurf machen will, dann sicherlich nicht den der naiven Überschätzung menschlicher Fähigkeiten, sondern eher den des moralischen Rigorismus — denn nach allem, was wir über ihn wissen war er nicht nur ein höchst sittenstrenger Mann sondern legte auch in der Darlegung seiner Lehren auf die Ausübung sittlicher Tugenden größten Nachdruck. P. Dr. Karl WALLNER O.Cist. schreibt in Gnade und Natur über ihn folgendes:
Das Anliegen des Pelagius war eigentlich edel: denn er forderte kompromisslos die sittlich-religiöser Vollkommenheit im Zeitalter der ersten Dekadenz des Christentums. Aber er irrte, wo es um das Verhältnis von Natur und Gnade ging. 1.) es gibt keine Erbsünde: Nach Pelagius hat die Adamssünde den Menschen nicht durch und durch verdorben, sondern Adam hat nur äußerlich ein schlechtes Beispiel gegeben und jetzt tun es ihm eben alle Menschen nach. Die Natur des Menschen ist im Prinzip heil geblieben. Eine praktische Folge davon ist auch, dass Pelagius keinen Sinn in der Kindertaufe sieht.
2.) Die Gnade Christi, seine Erlösung, wirkt sich folglich auch nur äußerlich aus. So wie uns Adam ein schlechtes Beispiel gegeben hat, so gibt uns Christus ein gutes Beispiel. Wir müssen ihn also nur nachahmen. – Hier hat Pelagius viel von den griechischen Vätern gelernt, die – wie oben gesagt – Christus ja auch vor allem als göttlichen „Pädagogen“ gesehen haben. Aber: diese hatten vom Johannes-Evangelium her gedacht: wir können Christus nachahmen, weil er sein göttliches Leben in uns lebt, wir schon eingetreten sind in die Dreifaltigkeit.
3.) Folglich ist für Pelagius nicht die Gnade, sondern der freie Wille des Menschen das entscheidende: nicht die Gnade bringt den Menschen dazu, rein und heilig zu leben, sondern der Wille. Die Gnade hilft nur ein bisschen dazu (Pelagius leugnet die Gnade nicht, aber sie ist bei ihm eigentlich nur eine Unterstützung für die NATÜRLICHE Kraft des Willens)!

Bitte beachten wir: Pelagius ist Mönch, ein ganz willensstarker und tugendhafter noch dazu. So ein richtiger Tugendbold, der sich wohl jeden morgen lustvoll gefragt hat: „Wie werde ich mich heute wieder abtöten?“ Was zu kurz kommt, ist die Gnade. Pelagius macht daher die Erbsünde klein, damit er die eigene Fähigkeit des Menschen zu einem sittlichen Leben betonen kann. Die Natur ist stark, die Gnade ist nur etwas äußerliches, das der Natur hilft, sich selbst zu helfen.
So sehr diese Charakterisierung natürlich aus dem Blickwinkel eines römisch-katholischen Dogmatikers (der seinen Augustinus gelesen hat) geschrieben ist, und daher Dinge verurteilt, die ein anderer eher als Vorzug, denn als Mangel empfindet, so ist doch klar, daß ein naiver Glaube an "das Gute im Menschen" Pelagius und seiner Lehre nun wirklich nicht vorgeworfen werden kann. Pelagius hält den Menschen nur für prinzipiell fähig, Gutes zu tun — wenn er es auch will und dann eben auch tut! Und dieser Grundsatz ist ebenso vernünftig (und durch die Evidenz tagtäglichen Geschehens jedermann einsichtig) wie notwendig, will ich nicht quasi statt an Scilla an Charybdis scheitern und mich jeder Verantwortung für menschliches Tun im ethischen Sinne entledigen.

Andernfalls wäre Gott, der den Menschen schuf (und zwar wie sie nach Augustinus' Meinung eben sind: sündhaft und unvollkommen), ihm ebenso letztlich alle Daseinsfaktoren schafft (z.B. durch die Weltlenkung durch seine göttliche Vorsehung, welche einen bloßen "Zufall" auf moralischem Gebiet ausschließt), auch die moralische Ursache seiner Sünde. Selbst Theologen, wenn sie unvoreinge-nommen zu denken wagten, erschien diese Aussage folgerichtig, was man u.a. an der Position von Molina — dem seine Feinde aus dem Dominikanerorden auch prompt Pelagianismus vorwarfen! — im unsäglichen, endlosen "Gnadenstreit" entnehmen kann. Molina hat sich eben mit der (zu seinem Glück ebenso bestechenden wie unnachvollziehbaren) "scientia media" so weit hinausgelehnt, wie er das, ohne den Scheiterhaufen zu riskieren, nur tun konnte. Aber gerade sein verquälter, Augustinus' Lehren verbal nicht verletzender, Lösungspfad zeigt schlagend, daß ihm die Argumentation von Augustinus bis zum 16. Jh. einfach unbefriedigend erschien — nein: erscheinen mußte!

Manchmal dauern Rehabilitierungen länger. Die des Pelagius läßt — offiziell — noch auf sich warten. Aber unter der Oberfläche tut sich bereits was, wie z.B. die Entscheidung des Vatikans über den "limbus puerorum" erkennen läßt. Das hat zwar aufs erste Hinsehen nichts mit Pelagius zu tun, aber bei genauerer Betrachtung doch sehr viel. Pelagius (und noch mehr seinem großen Schüler Julianus von Eclanum) wurde nämlich die Frage der Kindertaufe zum Verhängnis. Wenn die fremderlösende Gnade Christi eben nicht das Entscheidende für mein Heil ist, dann ist auch das fanatische Beharren auf der Kindertaufe nicht zu rechtfertigen. Dann können wir in Gelassenheit auf Gottes Güte vertrauen, statt noch einer im Kindbett sterbenden Mutter das Kind "zum Taufen, damit es nicht verdammt wird" aus dem Leib reißen. Dann ist aber eben auch jeder Mensch durch sein Handeln und Unterlassen (und nicht ein sakramentaler Vorgang als "opus operatum") für sein Heil selbst verantwortlich — m.a.W. die von der Kirche und ihrem Klerus gar nicht geschätzte "Selbsterlösung des Menschen" wirft ihre Schatten auf den Horizont des Glaubens. 

Und natürlich wird gegen diese gefährliche Ansicht sofort Front gemacht: Selbsterlösung kann's nicht geben. Basta. Nur zeigen uns Geschichte und Gegenwart schlagend: die Fremderlösung durch Christus gibt es offenbar ebensowenig, oder wollte jemand ernsthaft behaupten, daß die Welt ungefähr seit dem Jahre 33 n.Chr. entscheidend besser geworden ist, und zwar in christlichen Gebieten stärker als anderswo? Wenn überhaupt eine Verbesserung feststellbar ist, dann nur dort, wo die Menschen sich nicht auf jenseitige Tröstungen verließen, sondern lieber auf diesseitige Wohltätigkeit setzten. 

Humanismus und Aufklärung (so zuwider mir letztere in ihrem platten Fortschrittsoptimismus auch ist) haben mehr für die Menschen getan, als mystische Gottsuche oder scholastische Gelehrsamkeit, die, ich bestreite es nicht, auch ihr Schönes haben — aber nicht dann, wenn ich oder meine Mitmenschen dabei verhungern ... 

Das Problem Augustinus, das die Kirche seit nunmehr eineinhalb Jahrtausenden mit sich herum-schleppt, ist m.E. nur aus psychologischer Sicht zu lösen. Die Unhaltbarkeit seiner Positionen, von der Erbsünde (die Benedikt XVI. eigentlich von seiner Limbus-Entscheidung hätte entsetzt zurück-schrecken lassen müssen), über die "massa damnata", die nur wenigen "Auserwählten" das Heil zubilligen will, bis hin zum "extra ecclesiam nulla salus" (in der Tradition Cyprians auch von ihm vertreten), das doch schon seit Jahrhunderten, spätestens seit der Kolonisierung Amerikas ad acta gelegt ist, ist die eine Seite. Die andere ist, daß man einen durch Jahrhunderte einflußreichen Denker eben nicht desavouieren kann, ohne sich selbst den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Nur wurde und wird ein gesichtswahrendes Aufgeben augustinischer Positionen mit zunehmender Dauer seiner Wirksamkeit immer unwahrscheinlicher. 

Dieser Ex-Playboy, der seinen Lebensekel den an seinen Lottereien nun doch wirklich unschuldigen Mit- und Nachlebenden in Dogmenform "umhängte", hat unglaubliches Unheil angerichtet — seine Lehren sind faktisch seine Seelentherapie auf Kosten anderer. Er steht damit sicherlich nicht allein da. Schon der Volksmund kennt den deftigen Satz: "Aus jungen Schlampen werden alte Betschwestern". Was mutatis mutandis auf Augustinus wohl ebenso zutrifft.

Samstag, 19. November 2016

»Homunculus«

alias Sigismund von Radecki (* 19. November 1891 in Riga; † 13. März 1970 in Gladbeck): in Literaturlexika, und selbst dort nur am Rande, findet man ihn; gelegentlich in Wühlkästen von Antiquariaten. Bände mit feuilletonistisch angehauchten, kurzen Essays „über Gott und die Welt“ (nein, keine Angst, p.t. libertär-agnostische Leserschaft — kein „religiöser Autor“ im engeren Sinne wird da vorgestellt …), mit etwas rätselhaften Titeln wie bspw. „Gesichtspunkte“, „Bekenntnisse einer Tintenseele“, „Wort und Wunder“, „Das Schwarze sind die Buchstaben“, oder „Weisheit für Anfänger“.

Sigismund von Radecki (dessen Namen man, bitteschön, nicht wie ein diminuiertes „Rad-Eck“, sondern wie den des österreichischen Feldmarschalls Radetzky — der vom gleichnamigen Marsch, und mit dem unser Sigismund übrigens über fünf Ecken verwandt war —, und auf der zweiten Silbe betont ausspricht, aber das nur nebenfüglich …) war einer der baltendeutschen Schriftsteller, die im 20. Jahrhundert die deutsche Literatur durch ihre mehr oder weniger erzwungene oder doch „nahegelegte“ Emigration (zuerst vor der Russifizierung der Zarenzeit, nach 1918 wegen des rabiaten Nationalismus der kleinen, frisch der Geschichtslosigkeit entronnenen Baltenvölkchen) und damit ganz Deutschland bereicherten: ein Werner Bergengruen, Eduard von Keyserling oder Frank Thieß fallen einem spontan dazu ein. Radecki gesellt sich dazu — mit leichtem Mißtrauen von der Literaturkritik beäugt, die mit den „Feuilletonschreibern“ nie so wirklich etwas anzufangen wußte. Denn da fehlt irgendwie der Ernst an der Sache …

Feuilleton und Feuilleton sind freilich zwei Paar Schuhe: die „Adabei“-Kolumne in der Kronenzeitung ist mit den „Kleinkunstwerken“ (Betonung auf „Kunst“, nicht auf „klein“!) bspw. eines Alfred Polgar nicht ernstlich zu vergleichen. Und Radecki ist eindeutig in der Kategorie „Polgar“ angesiedelt, und sogar darüber. Denn Polgar sah die Welt, skeptisch und überlegen, wie durch die Scheiben eines kultiviert-noblen Wiener Kaffehauses. Redecki nahm hingegen bisweilen auch seinen Platz in einer Kathedrale, auf dem Exerzierplatz einer Kaserne, oder in der Einsamkeit eines Waldes ein — also lauter Orte, an die versetzt man sich Polgar kaum vorzustellen mag.

Und wenn Radecki über — scheinbare — Alltäglichkeiten und Dutzendmenschen plaudert, tut er das mit einer Prägnanz, die den berufsmäßigen Porträtisten (als welcher er sich ja auch einige Jahre lang durchschlug) verraten. Nehmen wir z.B. seinen Essay „Das Gesicht“:
Als Porträtzeichner macht man bald die erstaunliche Entdeckung, daß die wenigsten Menschen wissen, wie sie eigentlich aussehen. Das hat einen körperlichen und einen geistigen Grund. Man kennt sich vor allem aus dem Spiegel, welcher bekanntlich links und rechts vertauscht. Je lebensvoller ein Gesicht ist, das heißt, je mehr dessen Hälften bei aller Regelmäßigkeit differieren, um so unähnlicher wird das Spiegelbild — und um so unähnlicher auch die Vorstellung, die der Mensch von seinem Gesicht hat. Zweitens aber trägt jeder ein Ideal, eine Luxusausgabe von sich still im Busen: nicht ganz mit Unrecht, da ja nur den wenigsten die bloße Existenz als Daseinsgrund genügt. […]
Dieses Idealbild, das jeder Mensch von sich hat, ist ein anderes bei Männern und ein anderes bei Frauen. Der Mann baut seines aus dem Geist, aus den in ihm schlummernden Möglichkeiten des Charakters und der Begabung — und glaubt nun, daß seine Kinnbacken und seine Stirnpartie davon deutlich Kunde geben. Falls sein Geldbeutel noch nicht zeige, was für ein Mensch er eigentlich ist, so zeige es doch mindestens sein Gesicht! Oder er klebt sich imitativ an einen vorhandenen Idealtypus an, beispielsweise an Goethe, dem er dann auch in Haartracht und ähnlichem zu folgen bestrebt ist. […] Dabei ist zuzugeben, daß der Wille das Gesicht umgestaltet. Man vergleiche nur Schauspielergesichter in ihrer Jugend und in ihren älteren Jahren: wie da später alle Züge, alle Gesichtserker und -höhlen überdeutlich hervorgetrieben sind, als ob sie von der fünften Galerie gemeißelt wären. Der große Mensch, mag ihm sonst auch alles mißlungen sein, ein Kunstwerk schafft er sicherlich: sein Gesicht! Andererseits gibt es Menschen, die mit den bedeutendsten Physiognomien umherlaufen, bis man merkt, daß sie selber dumm und die Gesichter bloß ererbt sind. Im Laufe der Generationen ist hier das vorschwebende Idealbild nicht nur erreicht, sondern schon wieder halb verlassen worden. „He lives not up to his face“, sagt der Engländer.

(„Weisheit für Anfänger“, Freiburg/Heidelberg 1981, S. 37 f.)
Schon dieser Ausschnitt zeigt: man kann einen echten Radecki nicht mit ein paar Worten, kaum mit einem Satz „zitieren“. „Wikiquote“ ist für seinen subtilen Wortwitz, der eben der längeren (wenn auch nicht langen) Periode bedarf, tödlich wie das Beil des Scharfrichters. Radecki war ein „Feuilletonist“ — auch kleinere „Blättchen“ sind, beschrieben, immer noch Blätter! — und kein Aphoristiker. Gewiß: seine Texte wimmeln nur so von munter blitzenden, übermütigen Einfällen — etwa wenn er im oben anzitieren Essay etwas später zu den damals typischen Hochzeitsbildern in den Schaukästen von Provinzphotographen die süffisante Bemerkung fallen läßt: „Fast rührend, wie die Bräute lieblich und glücklich auszusehen suchen, wie sie den Arm um den harpunierten Bräutigam legen, als ob er immer noch türmen könnte.“ Aber das sind kleine Aperçus, die erst vor dem passenden Hintergrund so recht aufblitzen! Obwohl — manches Bonmot ist einfach auch in aller Kürze unschlagbar: „Die Armbanduhr ist die Handfessel der Zeit“, „Deutscher Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht“, „Unser aller Beruf ist es, Mensch zu sein, aber wer hat schon den Ehrgeiz?“, oder das herrliche: „Kitsch ist Kunst, gescheitert am fehlenden Widerstand.“ 

Entscheidender aber als das Erlebnis seiner Emigration, die Radecki erst über verschiedene Um- und Abwege (Radecki war überhaupt ein großer Reisender: „Man reist, weil es auch in der Schule des Lebens schwer ist, immer still auf einem Platz zu sitzen“ ...) nach Deutschland führte, war wohl für ihn seine Konversion zur Katholischen Kirche im Jahr 1931, ausgelöst durch seine Begegnung mit den Schriften des großen englischen Theologen des 19. Jahrhunderts, John Henry Kardinal Newman.

In seinem Büchlein „Wort und Wunder“ finden sich berührende Zeugnisse dieser spirituellen „Metanoia“, die aus dem knorrigen, nördlichen Protestanten erst mit vierzig Jahren jenen heiter-gelassenen Menschen schufen, den seine späteren Schriften so deutlich erkennen lassen. Auch seine enge Freundschaft mit Karl Kraus (der damals freilich die katholische Kirche im Protest gegen die, wie er’s empfand, Kulturtümelei der Salzburger Festspiele bereits wieder verlassen hatte) prägte Radecki, und stattete ihn mit jenem unbestechlichen Sensus gegen Phrasenhaftigkeit und Schludrigkeit des Ausdrucks (beides nur zu oft begangene Fehler in der Feuilletonistik!) aus, der seine kurzen wie längeren Aufsätze stets auszeichnet.

Neben seiner „Eigenproduktion“ ist bei Radecki auch seine fürwahr „nachschöpferische“ Tätigkeit als Übersetzer (aus dem Russischen, hier v.a. für Gogol und Tschechow, aber auch aus dem Englischen), besonders hervorzuheben. Und auch seine Herausgabe der „Ausgewählten Werke“ von Ludwig Speidel (1947) sei erwähnt.

Zum Schluß des (posthumen) Sammelbandes „Bekenntnisse einer Tintenseele“ (Freiburg/Heidelberg 1980) wird von ihm selbst „Einiges über Radecki“ berichtet:
Geboren wurde er 1891 in Riga am Totlebenboulevard; das Hintergäßchen des Hauses hieß „Der Katzensprung“. Als er mit drei Jahren zum ersten Male das Meer sah, lief er voll Entzücken sogleich hinein, so daß sein Kindermädchen ihn gerade noch im letzten Moment, als die Geschichte schon bis an den Mund ging, herausholen konnte.
Zu Neujahr 1900 wollte Radecki dieses Ereignis privat für sich feiern und beschloß, das Wort „Hase“ derart auszusprechen, daß dessen Hinterläufe noch ins alte Jahrhundert kamen, dessen Vorderläufe jedoch bereits ins neue hineinsprangen: Ha-se. Bis „Ha-“ kam er noch, aber dann fing am Nachthimmel ein solches Feuerwerk an, daß dem kleinen Radecki das „-se“ fast im offenen Munde erstorben wäre.
Und so berichtet der Schriftsteller in der dritten Person höchst lapidar über sich weiter; über seine Schul- und Universitätszeit, seine Versuche, als Kriegsfreiwilliger den Ersten Weltkrieg mitzumachen (aber weder von den Russen, noch zuletzt, nach dem Frieden von Brest-Litowsk, von den Deutschen benötigt zu werden), seine Teilnahme bei der Stoßtruppe der Baltischen Landwehr, die Bekanntschaft mit Karl Kraus und vieles mehr. Und er beschließt (und damit sei auch dieser Artikel beschlossen) diese Kurzbiographie mit den Sätzen:
Des weiteren wäre zu berichten, daß er drei Jahre Schauspieler war, daß er eine Ausstellung von 62 Porträtzeichnungen veranstaltete, und außerdem, daß er 1931 katholisch wurde. Diesen Schritt — wohl den vernünftigsten, den er je getan — verdankte er dem Studium von Newman’s „Development of Christian Doctrine“. Radecki erkannte, daß nur das Christentum für die beiden ihm wichtigsten Dinge, nämlich Wort und Geschlecht, die tiefste, die wahre Erklärung hat.
Die Nazizeit war ihm ein Beispiel dafür, wie etwas, das in seinem Wesen entsetzlich ist, zugleich komisch sein kann. Man wußte sich kaum zu retten — teils vor der Gestapo, teils vor Lachen. Radecki kam aus dem zwölfjährigen Massenwahnsinn mit einem Granatsplitter davon, der ihm zwar das ganze Bein aufriß, aber merkwürdigerweise gar nicht schmerzte. Seitdem lebt er in der Schweiz, weil die Luft in den Bergen reiner ist. — Er hat bis jetzt zwanzig Bücher geschrieben. Seine Liebhabereien sind Segeln, Jagd und Kalligraphie.
Die Herausgeberin des Bandes setzte im Nachwort hinzu: Wir haben nichts hinzuzufügen, außer der Ergänzung, daß Sigismund von Radecki wegen eines schweren Nierenleidens im Februar 1970 nach Gladbeck übergesiedelt und dort am 13. März desselben Jahres gestorben ist — mit Plänen für seine Lebenserinnerungen befaßt und geistig klar bis zum letzten Tag.

Lebte er noch, könnte Sigismund von Radecki heute seinen 125. Geburtstag feiern, und stünde damit unangefochten im Guinessbuch der Rekorde. So steht er aber bloß in diversen Literaturgeschichten und vielen Antiquariaten. Es wird unter anderem auch an den Lesern dieser Zeilen liegen, ob sie ihn von dort für sich zu neuem Leben befreien …


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P.S.: wer in den Antiquariaten nicht fündig wurde, hat in einem vor zwei Jahren erschienenen Auswahlband seiner Feuilletons (Die Stimme der Straße. Feuilletons. Hg. und mit einem Nachwort von Hans Dieter Schäfer (Mainzer Reihe, Neue Folge, Band 14). Wallstein Verlag, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8353-1513-6) eine erste Gelegenheit, den Schriftsteller kennenzulernen.

Freitag, 18. November 2016

Bereicherungen, die wir möglichst bald einführen sollten ... ... oops: oder haben wir sie etwa schon eingeführt?

DiePresse schreibt (von APA/dpa ab):

HIV-Positiver nach Entjungferung vieler Mädchen verurteilt

Dem Mann aus Malawi drohen wegen Ausübung schändlicher kultureller Praktiken bis zu fünf Jahre Haft. 

 (DiePresse.com

Ein HIV-positiver Mann in Malawi ist von einem Gericht für das Entjungfern zahlreicher Mädchen im Rahmen von Initiationsriten schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß soll am Dienstag verkündet werden. Dem 45-jährigen drohen wegen der Ausübung schändlicher kultureller Praktiken bis zu fünf Jahre Haft.

Das Gericht warf ihm am Freitag weder Körperverletzung noch Vergewaltigung vor, da er laut Richter immer im Auftrag der Eltern oder Witwen gehandelt hat. Zunächst war dem Mann die Entjungferung von rund 100 Mädchen und Geschlechtsverkehr mit zahlreichen frisch verwitweten Frauen im Rahmen sogenannter ritueller Reinigungen vorgeworfen worden.
Na also, worauf warten wir ollen Europäer noch? In Malawi, wo die Welt noch jung ist, werden die Teenies von einem professionellen Stecher zur Frau gemacht, und ihnen so ein Teil der Welt der Erwachsenen (zu der bzw. dem nicht zwangsläufig, aber doch nicht selten eine HIV-Infektion gehört) eingeführt ... und Witwen verschaffen ihrem geliebten Toten Freude, indem sie sich von einem Ethno-Gigolo beschnackseln lassen. Welt der Wunder ... ... doch nicht nur Schwarzafrika, sondern auch die Märchen aus Tausendundeiner Nacht können sich sehen lassen!

Dubai: Vergewaltigte Britin wegen außerehelichem Sex verhaftet

Zwei Landsmänner, die wieder nach Großbritannien zurückkehrten, vergewaltigten die junge Frau. Ihr drohen Auspeitschung oder gar die Todesstrafe.

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Eine Britin ist nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation in Dubai von einer Anklage bedroht, weil sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung wurde. Das berichtete die britische Organisation "Detained in Dubai" (inhaftiert in Dubai), die sich für Justizopfer in dem Emirat am Persischen Golf einsetzt.

Die Touristin sei festgenommen worden, als sie bei der Polizei wegen der Vergewaltigung Anzeige erstatten wollte. Inzwischen sei sie zwar wieder auf freiem Fuß, aber ihr Reisepass sei konfisziert worden, berichtet die Organisation.

Der Frau, die Medienberichten zufolge zwischen 20 und 30 Jahre alt sein soll, drohe nun eine Anklage wegen "außerehelichem Sex". Die Strafen dafür reichen in Dubai von Haft über Auspeitschen bis hin zum Tod durch Steinigung.
 Na, brauchen wir das nicht alles dringendst auch bei uns in Europa? Seien wir doch kultursensibel genug, innere Schönheit und spirituellen Reichtum einer Ritualvergewaltigung oder einer Steinigung von Vergewaltigungsopfern zu würdigen!

Was in Dubai oder Malawi möglich ist, sollte doch auch bei uns nicht durch verzopfte Vorurteile eurozentrischer Rassisten  auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen ...






Den Rucksack hätte der Cartoonist ruhig weglassen können ...